Avatar oder die Legende von Korra RPG
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Re: Avatar oder die Legende von Korra RPG
from Pads on 01/14/2023 09:58 PMRyo Nakamura
Die Idee, dass wir wieder in die Arena gehen mussten missfiel mir, aber eine andere Chance hatten wir auch nicht. Ich wollte mich nicht denselben Bändigern wieder gegenüber stellen, vor allem, nachdem uns sonst niemand außer den Geschwistern geholfen hatte. Außerdem wollte ich nicht, dass Aria wieder dieser Wasserbändigerin gegenüber stehen musste. Sie wirkte unheimlich müde und sollte sich lieber ausruhen. Wir mussten diesen Kampf gewinnen. Wir müssten unser bestes geben, wir durften diesen Kampf einfach nicht verlieren.
In meine Gedanken vertieft merkte ich Arias Bemühungen mit mir zu sprechen erst, als sie mir gegen die Schulter boxte.
"Guck nicht so bedröppelt, ich weiß wir schaffen das." Weniger davon überzeugt lächelte ich zurück. Ich war nicht sicher, ob wir das wirklich schaffen konnten, aber es musste so sein. Wir hatten keine andere Chance, ich wollte sicher nicht eingebuchtet werden, nicht, nach dem, was passiert war und nicht dafür, dass ich einen Apfel gestohlen hatte. Ich versuchte einen Weg zu finden, wie wir der Arena entkommen konnten, aber einen anderen Ausweg als das ganze zu gewinnen, sah ich nicht. Wahrscheinlich gab es auch keinen.
Hoffentlich hatte Aria wenigstens neue Energie tanken können, denn die würde sie gebrauchen müssen.
Als wir zurück kamen, war die Arena bereits wieder gefüllt und die Menschen warteten gespannt auf das Spektakel, dass sie gleich auch sicher geboten bekommen würden. Einer der Spielemacher stand bereits wieder auf dem Spielfeld und hielt ein Mikrofon in der Hand. Als er uns erblickte winkte er uns zu sich rüber und Aria und ich versuchten uns unsere Laune nicht ansehen zu lassen. Von weitem war es hoffentlich nicht zu erkennen, dass unsere Lächeln aufgesetzt waren. Ich hob meine Hand um dem Publikum mit einem Grinsen entgegen zu winken, ich wollte siegessicher wirken. Ich hatte die Hoffnung, dass ich mich dann auch so fühlte. Aber nichts da. Das gehässige Grinsen der gegnerischen Wasserbändigerin ließ mich an allem Zweifeln, worauf ich hinarbeiten wollte.
„Was ein aufregendes Spiel!", rief der Spielemacher und ließ sich nicht von seinem Lächeln abbringen. Die zustimmenden Jubelrufe des Publikums bestätigten ihn nur noch mehr.
„Eine überraschende Wendung, zwar, aber dieses Duell wird spannend weiter gehen! Der Erdbändiger der blauen Mannschaft schafft es nicht, wieder anzutreten" Ein lautes Raunen und Gemurmel ging durch die Menge. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, was sie dachten. Sicher nichts gutes und das hatte Daichi nicht verdient. Meine Miene verfinsterte sich und ich versuchte meine Gedanken auf die kommende Runde zu lenken, damit war uns mehr geholfen. Ich wusste zwar noch nicht, welchen Bändiger wir zugeteilt bekommen würden, aber ich wusste, dass ich entweder wieder dem Feuerbändiger gegenüber stehen würde, oder der Wasserbändigerin. Ich wollte es Aria nicht antun, noch einmal gegen die Wasserbändigerin zu kämpfen.
Ich hoffte sehr, dass die Person, die uns zugeteilt werden würde, ein erfahrener Kämpfer war. Ansonsten wären wir gegen unsere Gegner aufgeschmissen.
Der Spielemacher rief die übrigen Bändiger auf die Bühne, eine junge Feuerbändigerin und einen älteren Erdbändiger, der ziemlich standhaft wirkte und aussah, als hätte er schon viel einstecken müssen, aber auch gut ausgeteilt. Als er näher kam erkannte ich die vielen Narben auf seiner Haut. „Bitte, lass das Los weise entscheiden.", murmelte ich leise, kaum hörbar.
Der Boden vor dem Spielemacher öffnete sich und eine Glaskugel fuhr langsam nach oben. Er erklärte noch etwas dazu, aber ich hörte nicht einmal mit halbem Ohr zu, stattdessen beobachtete ich gespannt, wie er seine langen schmalen Finger in die Öffnung steckte und mit spitzen Fingern einen Zettel herauszog. Ich versuchte mich auf den Wunsch nach dem Erdbändiger zu fokussieren, auch wenn das natürlich keinen Einfluss auf das Los haben würde, das sich nicht in unserer Hand befand. Ich hatte keine Chance, etwas daran zu rütteln, kein Mitspracherecht und ich würde nichts gegen den Namen auf diesem Zettel zu sagen haben. Jede Faser in meinem Körper wartete angespannt darauf, dass der Spielemacher endlich verkündete, wer unser Team ergänzen würde. Gönnen würde ich es beiden Bändigern, aber ich wollte lieber die Person in unserem Team haben, die die Aussichten auf einen Sieg eher erhöhte. Und die Feuerbändigerin wirkte eher zierlich und zerbrechlich, als standhaft und kampfsicher.
Das Publikum war mucksmäuschenstill und wartete ebenfalls gebannt auf die Worte des Spielemachers.
„Oh" Er sah auf den Zettel, runzelte kurz die Stirn, sammelte sich dann aber wieder.
„Aida Takahashi!" Wir hatten die Feuerbändigerin zugewiesen bekommen. Die Selbstsicherheit, die ich mir eingeredet hatte schwand ein wenig, aber ich versuchte mir einzureden, dass wir noch immer eine Chance hatten. Schließlich wussten wir nicht, ob sie kämpfen konnte oder nicht. Wir würden uns überraschen lassen müssen. Bei dem Erdbändiger hätte es genauso gut sein können, dass er nichts konnte.
Der Spielemacher verließ das Feld und beide Teams bekamen eine Minute Besprechungszeit.
Ich wollte gerade meinen Mund öffnen und etwas sagen, als die Feuerbändigerin das Wort an sich riss.
„Wasserbändiger, du gehst gegen den Feuerbändiger. Ich mit demselben Element habe kaum eine Chance gegen ihn, also wirst du dich ihm gegenüber stellen müssen. Ich selbst werde mich gegen die Wasserbändigerin behaupten, ich kenne ihre fiesen Tricks und habe noch eine Rechnung mit ihr offen. Für dich, Luftbändigerin bleibt dann noch-" „-der Erdbändiger, ich weiß." Aria nickte zustimmend uns schien zufrieden mit der Aufteilung. Ein wenig verdutzt nickte auch ich. Ich war positiv überrascht von ihrer energischen Aussage, die auch mir als einzig logisch erschien.
Großartig mehr bereden mussten wir nicht, weshalb wir uns bereit in die Startposition begaben und auf den Gong, der die Runde eröffnen würde, warteten.

Re: Avatar oder die Legende von Korra RPG
from Mila-Grosa on 09/06/2022 11:29 AMHiroko Sakamaki
Wir warteten draußen, bis die Mädchen soweit waren. Währenddessen hing jeder von uns stumm seinen Gedanken nach. Inzwischen bereute ich wirklich, mit meiner Schwester hier hergekommen zu sein und ich schämte mich, kurzzeitig wirklich Gefallen an diesen Spielen gefunden zu haben, wo ich doch jetzt gesehen hatte, welchen Preis diese Wettkämpfe fordern konnten. Mir war bewusst, dass viele der Teilnehmer nicht ohne Grund zu diesen Kämpfen verpflichtet wurden, allerdings fiel es mir, wenn ich Aria, Daichi und Ryo betrachtete, schwer zu glauben, dass sie wirklich auf höchstem Maße verdorbene Seelen in sich trugen. Dem Erdbändiger traute ich jedenfalls nicht zu, dass er was wirklich Übles, wie einen Mord, begangen hatte. Ryo besaß soviel Courage, sowohl ihn als auch Shina aus dem Wasser zu ziehen, ebenso wie Arya, die mir mit Daichi geholfen hatte.
Als Shina endlich mit der Luftbändigerin aus den Duschräumen trat, unterhielten sich die beiden miteinander. ,,Ich wünsche euch für die nächste Runde viel Glück.", sagte meine Schwester gerade zu ihr.
Arya schritt mit ihrem Teamkollegen vorneweg, ich und Shina folgten ihnen mit einigen Meter Abstand. ,,Bist du verletzt?", fragte ich sie. Sie schüttelte den Kopf. ,,Ich stehe nur ein wenig unter Strom.", sagte sie. ,,Aber mir geht es gut, Hiro. Ehrlich."
,,Gut. Dann können wir gleich von hier verschwinden." Nichts konnte mich in dieser Arena mehr halten und ich wollte nur noch eines: diese Gemäuer so schnell wie möglich und auf Nimmerwiedersehen verlassen. Ich wollte Shina mit mir in Richtung Ausgang ziehen, doch sie blieb abrupt stehen und blickte mich verständnislos an. ,,Nein Hiro, wir können jetzt noch nicht gehen!"
,,Willst etwa hier bleiben und dir diese Wettkämpfe bis zum Schluss ansehen?", entgegnete ich. ,,Du hast doch gesehen, was passieren kann und woraus diese Kämpfe im Grunde bestehen. Also mir hat das fürs Erste gereicht."
,,Arya und Ryo werden einen neuen Partner bekommen, oder? Und dann geht es weiter mit den Kämpfen. Was ist, wenn einer von ihnen wieder verletzt wird und es wieder keinen gibt, der ihnen hilft?"
,,Verstehe." Ich nickte. ,,Deswegen bist du ins Wasser gesprungen. Zu Daichi."
,,Ja. Und Ryo hat mir geholfen, genauso wie Arya."
Ich sah ein, dass jede Diskussion erfolglos bleiben würde und seufzte geschlagen. ,,Also schön. Dann bleiben wir hier. Aber damit dass klar ist: du wirst heute in keinen Wassergraben mehr springen. Das mache wenn dann ich."
Shina lächelte. ,,Danke Bruderherz"
Re: Avatar oder die Legende von Korra RPG
from Pads on 05/17/2022 05:22 PMMir wurde mulmig bei dem Gedanken daran, wieder in der Arena stehen zu müssen. Und wenn ich daran dachte, dass ich gleich wieder raus musste, bekam ich Bauchschmerzen. Ich wollte da nicht wieder raus und noch weniger wieder gegen dieselbe Mannschaft spielen. Wir waren noch halbe Kinder, es war ein Unding, dass unsere Gesellschaft nichts gegen diese Wettkämpfe tat.
Ich war nur froh, dass Daichi wenigstens nicht wieder raus musste. Aber sein Schicksal war auch nicht wirklich besser, vermutlich hätte er lieber seinen Kampf einfach verloren, aber das konnte man jetzt auch nicht mehr ändern. Ich sollte mich lieber auf die bevorstehenden Ereignisse fokussieren, als mich mit den vergangenen zu befassen.
Ich beeilte mich, mir meine Kleidung anzuziehen. Am liebsten wäre ich zwar im Erdboden versunken, aber ich wollte mich, bevor wir wieder antraten, zumindest noch einmal mit Ryo unterhalten. Ich wollte nicht, dass wir wieder so hilflos dastanden wie zuvor. Wir mussten diese Runde unbedingt gewinnen, wir hatten keine andere Chance. Mich hatte der Ehrgeiz gepackt, denn nach so einem unfairen Wettkampf wollte ich mich nicht klein knüppeln lassen, vor allem nicht von dieser Wasserbändigerin. Wir werden auf die nächste Runde vorbereitet sein, wir kennen ihre Tricks, sie wird uns zumindest nicht mehr damit überraschen können.
Auf Shinas Aussage hin nickte ich.
"Du hast Recht. Wenigstens wissen wir jetzt, womit wir es zu tun haben und können den Wettkampf anders angehen. Vielleicht wird es uns auch helfen, dass wir nicht einfach so aufgeben. Ich hoffe, dass sie nicht damit rechnen, dass wir weiterhin gegen sie kämpfen werden." Wir machten uns wieder auf den Weg zurück in Richtung Arena und als wir liefen, positionierte ich mich neben Ryo.
"Ich weiß, dass du nicht blutbändigen wirst.", begann ich. "Aber sie wird es sicher wieder tun. Aber diesmal wissen wir das." Er nickte.
"Wir sollten versuchen, sie als erstes auszuschalten. Wenn sie raus ist, werden wir auch einfacher mit den anderen fertig, ich glaube sie ist von den dreien am skrupellosesten." Jetzt nickte ich zustimmend.
"Ich hoffe sehr, dass du recht behälst."

Re: Avatar oder die Legende von Korra RPG
from Mila-Grosa on 03/03/2022 11:55 PMShina Sakamaki
Ich errötete bei ihren Worten, zumindest spürte ich, wie mir das Blut in die Wangen schoss. Ja, es war ziemlich... verrückt. Anders konnte ich es nicht beschreiben, wenn ich an mein mechanisches Vorgehen von Vorhin zurückdachte. Tatsächlich war es so dass ich nichts gefühlt hatte, als ich in das Wasser sprang. Davor war es Angst und Hilflosigkeit, doch dann hat sich in mir ein Schalter umgelegt und es war... nichts. Absolut gar nichts. Das war irgendwie unheimlich, wo ich doch sonst immer so überlegt vorging. Meistens jedenfalls. Aber das vorhin...
Als es an der Tür klopfte, zuckte ich zusammen. Ryo und vermutlich mein Bruder standen draußen vor der Tür, welche sich im nächsten Moment einen Spalt öffnete. Glücklicherweise kamen sie nicht rein sondern legten lediglich einen Stapel mit Kleidung auf den Boden ab. Während Aria sich anzog trocknete ich mich ab und wickelte mir das Handtuch um den Körper. Trotzdem fühlte ich mich noch so nackt und unbehaglich und traute mich nicht, im Beisein von ihr aus der Duschkabine zu kommen. Stattdessen erhob ich die Hand ein wenig und ließ die ordentlich gefalteten Kleidungsstücke, die für mich bestimmt waren, über den aus Erdplatten bestehenden Boden zu mir wandern. Schnell bückte ich mich, um die Sachen aufzuheben und beeilte mich noch mehr, sie endlich anzuziehen. Jetzt war mir um einiges wohler. Der Stoff ließ sich sogar recht angenehm tragen.
,,Ich habe gerne geholfen.", meinte ich dann leise zu Aria. ,,Die Hauptsache ist, dass er gesund wird. Und dass euch nichts schlimmes zustößt, wenn ihr wieder da raus müsst." Ich machte eine kurze Pause um zu schlucken, da mein Mund bei dem Gedanken an die bevorstehenden nächste Runde ganz trocken wurde. ,,Diese andere Gruppe, sie..."
...ist teuflisch, hinterhältig, eiskalt und obendrein auch noch überaus feige, wenn sie es als nötig erachtet, ihre Gegner durch Blutbändigen auszuknocken.
,,...sind wirklich gefährlich."
Ryo Nakamura
from Pads on 02/10/2022 08:27 PMIch nickte zustimmend. Es missfiel mir zwar, Daichi mit den Sanitätern und dem Arzt alleine zu lassen, aber mehr konnte ich wirklich nicht mehr für ihn tun, da hatte er schon Recht. Trotzdem: Daichi war wohl kaum in der Lage für sich selbst einzustehen in seinem Zustand und ich wäre viel lieber an seiner Seite geblieben um alles für ihn zu regeln. Irgendwie erinnerte er mich zu sehr an einen meiner Brüder. Ich versuchte den Gedanken an Daichi zu verdrängen und mich darauf zu konzentrieren den Weg zu den Mädchen zu finden. Wir sammelten auf dem Weg trockene Kleidung ein und blieben dann vor der Tür zu den Duschen stehen. Vorsichtig klopfte ich an, öffnete aber die Tür nicht, da ich nicht wollte, dass eine der beiden sich unwohl fühlte.
Ich fühlte mich unwohl mit den Nachrichten, die ich Aria überbringen musste. Irgendwo fühlte ich mich schuldig an der Misere, auch wenn ich sehr genau wusste, dass ich nicht daran Schuld war, in keinster Weise. Wenigstens würde sie das ganze von einem Freund erfahren und nicht von einem Spielleiter, kurz bevor die Runde begann.
„Wir haben trockene Kleidung für euch. Und für dich, Aria, einen neuen Anzug, damit du gleich wieder antreten kannst. Denn das müssen wir, aber wir schaffen das und werden als Sieger hier raus gehen, klar? Wir lassen uns nicht nieder machen, nicht von Menschen, die bei so etwas zu sehen und sich dazu entscheiden nichts zu tun. Mir wird schlecht bei der Vorstellung ich würde so handeln."
Aria Kinoshita
Ich lächelte zufrieden unter der Dusche. Für einen Moment vergaß ich völlig, aus welchem Grund und wofür ich hier war. Ich genoss einfach nur das lauwarme Wasser und wollte die Dusche nie wieder verlassen. Ich war nicht der größte Fan vom duschen, aber nach den Strapazen die wir durchgemacht hatten konnte ich es mehr als gebrauchen. In mir löste sich die ganze Anspannung und ich hatte das Gefühl gleich auf den Boden zu sacken. Stattdessen taten das meine Tränen. Ich konnte kaum fassen, was ich da eben miterlebt und vor allem auch gesehen hatte. Ich konnte nicht fassen, dass niemand außer diesem Mädchen, Shina Sakamaki, etwas getan hatte. Aber gleichzeitig war ich so unendlich froh, dass sie so selbstlos und unüberlegt gehandelt hatte. Ich suchte nach Worten um ihre Tat zu beschreiben, ihr zu danken. Aber es war kaum in Worte zu fassen.
„Ich bin dir so unendlich dankbar, Shina Sakamaki, dass du Daichi gerettet hast." Ich versuche so ruhig wie möglich zu sprechen und meine Tränen nicht durchklingen zu lassen. „Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn..." Ich schaffte es nicht weiter zu sprechen, zu grauenvoll war die Vorstellung. „Ich weiß nicht, ob ich in dieser Situation so ehrenhaft reagiert hätte. Ich glaube kaum einer hätte das getan. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie grauenhaft das für dich gewesen sein muss."
Ich hörte ein Klopfen, aber ich wollte nicht herein sagen und für 'Hallo?' war ich zu langsam. Erleichtert atmete ich aus, als ich Ryos vertraute Stimme von der anderen Seite der Tür vernahm. Als ich jedoch seine erschütternde Nachricht hörte zog meine Brust sich zusammen und ich hatte das Gefühl ich bekam keine Luft mehr. Ich hatte selbst keine Ahnung, was ich erwartet hatte, aber ganz sicher nicht, dass wir sofort wieder da raus mussten und das Spiel weiter geführt werden würde. Ich wollte da nicht wieder raus, aber ich wusste genau, dass daran kein Weg vorbei führen würde. Ich musste wieder da raus, und Ryo genauso. Mir wurde schlecht bei dem Gedanken wieder dort draußen zu stehen und gegen unser Gegnerteam zu kämpfen. Ich wollte einfach nur noch nach Hause, aber das war auch keine Option. Ich realisierte, dass ich absolut keine Wahl hatte, also rappelte ich mich zusammen. Ich schaltete die Dusche aus und wickelte mir ein Duschhandtuch um meinen nackten Körper.
„Du kannst die Tür ein wenig öffnen und die Kleidung auf den Boden legen. Ich bin in knappen fünf Minuten startbereit."

Re: Avatar oder die Legende von Korra RPG
from Mila-Grosa on 02/07/2022 11:44 PMHiroko Sakamaki
Der Klang seiner Stimme verriet mir, dass er nicht zu denen gehörte, die freiwillig an diesen Spielen teilnahmen. Und das Mädchen - diese Aria - auch nicht. So oder so, er hatte mit dem, was er sagte, recht. Die Spiele würden bis zum Schluss durchgezogen werden, ganz egal, wie viele Verletzte es noch gegeben hätte und vielleicht noch geben wird. Gut für die dadurch profitierenden Spielemacher und den ignoranten Hohlköpfen im Publikum, denen weiterhin eine gute Show geboten wird. Aber für die Spieler selbst... zumindest für die aus Ryos Team... das war mehr als unfair! Das war menschenverachtend! Ganz egal aus welchem Grund sie in dieser Arena sein mussten!
Bekümmert blickte ich auf den verletzten Daichi herab. Noch immer ertönte ein leises Stöhnen aus seiner Kehle, aber er wirkte jetzt ein wenig ruhiger. Ryo wich nicht von seiner Seite. Auch nicht, als sich ein Trupp weiß gekleideter Männer mit einem Ärztekoffer und Trage durch die Menschen drängte und auf uns zustapfte. Die Sanitäter schoben sich unwirsch an uns vorbei, führten ihrerseits noch einige letzte Untersuchungen an ihm durch und hievten ihn schließlich auf die Trage.
Obwohl ich wusste, dass Daichi jetzt in guten Händen war, hatte ich ein ungutes Gefühl im Bauch. Nicht wegen ihm, sondern wegen seinen Teamgenossen. Ein Blick auf die Ehrentribüne und es war klar, dass die Spiele bald weitergehen würden. Für Ryo und Aria war es noch nicht vorbei. Und nach dem, was sie eben erleben mussten, war es fraglich, ob sie die nächsten Runden weiterhin heil überstehen könnten. Ryo schien einen ähnlichen Gedanken zu haben, dass sagte zumindest sein Blick aus. Gerne hätte ich etwas aufmunterndes gesagt, aber ich wusste zum einen nicht, was, zum anderen, wie er darauf reagieren würde. Also schwieg ich und stand stattdessen auf. Meine Jacke, die als Unterlage für Daichis Kopf gedient hatte, war von Wasser und Blut total durchnässt. Ich knüllte den verdreckten Stoff mit einer Hand zusammen und berührte mit der anderen Ryos Schulter. ,,Wir können hier nichts mehr tun, Ryo. Lass uns nach den Mädchen suchen. Sie werden noch Hilfe benötigen, vermute ich."
Shina Sakamaki
,,Das hoffe ich auch.", antwortete ich. Meine Stimme klang brüchig und heißer, weswegen ich mich räusperte, um ihr einen etwas festeren Klang zu verleihen. ,,Ich freue mich, dich kennenzulernen. Ich heiße Shina. Shina Sakamaki."
Mit steifen, vor Kälte immer noch zittrigen Fingern machte ich mich daran, mir den klatschnassen Pullover über den Kopf zu ziehen und ließ ihn zu Boden fallen. Für die restlichen Klamotten drehte ich mich weg, damit sowohl sie sich als auch ich mich unbeobachtet entkleiden konnte. Ich war noch nie eine Freundin von Sammelduschen und empfand es heute noch als höchst unangenehm, mit anderen Menschen zusammen zu duschen. Aber jetzt nagte die Kälte an mir und ich freute mich, als ich kurz darauf das heiße Wasser über meinen Körper laufen lassen konnte.
Nachdem ich mich weitestgehend aufgewärmt hatte fiel es mir leichter, zu reden. Es war eigentlich nicht mein Ding, das Wort zu ergreifen, weil ich für gewöhnlich nicht wusste, was ich erzählen sollte, aber jetzt verspürte ich das Bedürfnis, mit Aria zu sprechen. ,,Ich habe euren Kampf gesehen. Ich habe gesehen, wie ihr von der Plattform geschleudert worden seid und wie der Junge... wie Daichi... wie er nicht mehr aufgetaucht ist. Ich... weiß nicht, woher ich plötzlich diesen Impuls hatte, aber ich hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen, weil sonst keiner etwas unternahm. Mein Bruder war nicht da, und die Leute um mich herum... ich habe mich wie in einer Luftblase gefühlt. Ich habe... nicht mehr gehört, nichts mehr gesehen... ich bin einfach über diese Brüstung und dann ins Wasser."
Ryo Nakamura
from Pads on 01/26/2022 08:58 PMIch war unglaublich erleichtert, als ich sah, dass Daichi atmete. Vorsichtig begann ich damit seine Brandwunden zu kühlen. Ich hatte Angst, dass er wieder aufhörte zu atmen wenn ich nichts tat. Irgendwo im Hintergrund hörte ich Sirenen.
Ich holte mir das Wasser aus dem Becken und ich war mir sicher, dass das eigentlich nicht erlaubt war, aber das war mir jetzt herzlich egal. Ich konzentrierte mich darauf Daichi nur zu kühlen und ihn nicht zu ertränken, versuchte das Wasser von seinem Gesicht fern zu halten. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie er versuchte seine Hand zu bewegen und hörte wie er vor Schmerzen stöhnte.
„Bleib am besten ruhig liegen, die Sanitäter sind gleich da, hörst du?" Ich deutete in die Richtung aus der die Sirenen kamen, mir wurde aber direkt darauf bewusst wie dämlich die Aktion warm da Daichi immer noch seine Augen geschlossen hatte. Er öffnete seinen Mund um etwas zu sagen, aber seine Kehle verließ nur ein Krächzen.
„Schon deine Kräfte Daichi. Ich und... Wir sind hier." Ich wusste nicht, wie der Junge mir gegenüber hieß, also übersprang ich seine Anrede lieber direkt. Plötzlich überkam mich eine unglaubliche Müdigkeit, ich war am Ende mit meinen Kräften. Aber ich konnte es mir nicht erlauben jetzt zusammenzubrechen, ich musste auf den Krankenwagen warten. Und ich musste das Spiel zusammen mit Aria gewinnen. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, was wäre würden wir nicht gewinnen. Es war viel auf einmal, aber ich war mir sicher Aria würde das schaffen. Und ich musste das auch schaffen.
Man konnte erahnen, dass Daichi nickte, wirklich sehen tat man es nicht. Er schloss seinen Mund wieder und blieb ruhig vor mir liegen. Ein bisschen war es wie vorhin und ich hatte abermals Angst, dass er aufhörte zu atmen, aber seine Brust hob und senkte sich regelmäßig, was mich dann doch ein bisschen beruhigte. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem schmerzverzerrten Grinsen.
„Ich verspreche dir, dass die Sanitäter dir gleich helfen. Und Aria und mir geht es gut. Du bist aus dem Schneider, du brauchst keine Angst mehr haben eingesperrt zu werden, wenn es dir wieder gut geht, bist du ein freier Mann Daichi" Ich versuchte Begeisterung in meiner Stimme mitschwingen zu lassen und ich war mir sicher, dass Daichi unter normalen Umständen hören würde, dass ich nicht wirklich zuversichtlich war. Aber unter diesen Umständen fragte ich mich, wie viel er von dem was ich sagte überhaupt mitbekam.
Ich drehte mich zu meinem Gegenüber um und öffnete meinen Mund zum reden, ich musste loswerden was ich eben gehört hatte.
„Wir werden weiterspielen müssen, Aria und ich. Für Daichi wurde eben eine Ambulanz gerufen, damit die Spieleleiter den Ruhm für seine Rettung einheimsen können. Wir werden per los einen der beiden nicht zugewiesenen Spieler bekommen.", sprudelte es aus mir heraus. „Ich hoffe so sehr, dass Aria nicht zusammenklappt wenn ich es ihr berichte. Immerhin kann sie eben duschen, aber ich will eigentlich nicht, dass sie wieder alleine da raus muss. Ich möchte auch nicht wieder da raus. Es ist einfach so unfair."
Aria Kinoshita
Ich spürte den Drang etwas zu sagen, aber ich wusste nicht wirklich was, also schwieg ich und ging schweigend neben dem anderen Mädchen her. Wir folgten Ryos Wegbeschreibungen und machten vor dem entsprechenden Raum halt. Mit einer ausladenden Handbewegung bedeutete ich ihr, dass sie vor gehen sollte, was sie auch tat. Ich folgte ihr in die Kammer, als die man es eher betiteln konnte als einen Raum. Es gab vorne eine kurze Bank auf der Handtücher lagen und hinten waren zwei kleine Duschkabinen, in der man sich, vermutlich wenn überhaupt sehr unkomfortabel, kaum drehen konnte. Ich griff nach einem der Handtücher um es vor die linke Duschkabine zu legen, ich würde es brauchen.
„Danke, dass du Daichi gerettet hast", sagte ich nun doch, während ich meinen Kampfanzug los wurde. Ich wusste gar nicht, wie ich meine Ehrfurcht in Worten ausdrücken sollte. An ihrer Stelle hätte ich vermutlich lange nicht so ehrenhaft reagiert. Vermutlich hätte ich einfach nur ausdruckslos oben am Geländer gestanden. „Ich bin übrigens Aria" Ich nickte ihr zu.
„Ich hoffe Ryo kommt rechtzeitig mit den Klamotten und lässt uns nicht allzu lange warten.", lachte ich dann.

Shina Sakamaki
from Mila-Grosa on 12/21/2021 10:50 AMAls ich endlich am oberen Ende der Leiter ankam war das Mädchen mit den roten Haaren die Erste, die ich sah. Ich ergriff ihre Hand und zog mich schwerfällig nach oben. Noch immer fühlten sich meine Beine seltsam klobig an. Hätte sie mich nicht festgehalten wäre ich wahrscheinlich in mich zusammengesunken.
Dann fiel mein Blick auf Hiroko. Eine Welle des Glückes durchströmte mich bei seinem Anblick, die aber kurz darauf wieder abebbte als ich begriff, dass er den Jungen reanimierte.
Der Wasserbändiger, der mich aus dem Wasser gezogen hatte, kniete sich kurz neben ihn, ehe er sich wieder erhob und verkündete, einige Decken organisieren zu wollen.
Nachdem er verschwunden war, ging ich mit etwas wackeligen Schritten zu meinem Bruder und sank ihm gegenüber auf die Knie. Unnachgiebig drückte er im gleichmäßigem Abstand auf die Brust des Jungen ein. Dieser zeigte nach wie vor keinerlei Regung. Stumm zählte ich mit, wie oft mein Bruder die Hände nach unten drückte als er mit einem Mal aufhörte.
,,Shina, es... wie oft muss ich drücken, ich..."
,,Nicht aufhören!", ermahnte ich ihn. Meine Stimme hörte sich sonderbar fremd an. Ich schluckte während Hiroko mit der Druckmassage weitermachte. Dreizehn, Vierzehn, Fünfzehn...
,,Du musst...", begann ich, aber ich konnte nicht weitersprechen. Wie oft musste er drücken? Zwangzig Mal? Oder doch öfter? Ich... ich wusste es nicht mehr.
In meinem Kopf machte sich ein pochendes, hitziges Gefühl breit und ich fasste mir an die Stirn. Nicht nur, dass meine Finger eiskalt waren. Sie zitterten. Wie der Rest meiner Hand auch. Jedoch lag das nicht an der Kälte.
Hiroko merkte sofort, was mit mir passierte und sagte so ruhig wie möglich: ,,Shina, du weißt, dass ich in sowas nie gut war, aber du schon! Du weißt es. Versuche dich zu erinnern, Shina bitte! Für ihn. Bitte!"
,,Ich..." Tränen traten mir in die Augen und verschleiherten mir die Sicht. Das Bild vor mir verschwamm. Und in dieser Verschwommenheit glaubte ich, etwas Schwarzes zu erblicken. Ein kleines, in Leder gebundenes Buch mit goldenem Siegel. Nicht irgendein Buch. Es war mein Buch. In den Händen jenes geliebten Menschen, welcher es mir vor neun Jahren geschenkt hatte. Zu meinem Geburtstag am...
,,Dreißigsten Mai!", hörte ich mich sagen. Meine Tränen begannen sich aus den Augenwinkeln zu lösen und flossen über meine Wange. Schnell wischte ich sie mir weg und sah meinem Bruder in die Augen. ,,Du musst dreißig Mal drücken und dann zwei Mal beatmen."
Hiroko nickte einmal kräftig und drückte weiter, ehe er sich über den Kopf des Jungen beugte und diesen nach hinten überstreckte. Ich behielt während seiner Atemspende den Brustkorb im Auge, aber noch setzte keine selbstsändige Atmung ein. ,,Von vorne.", wies ich ihn an.
Hiro begann erneut mit der Druckmassage, zunächst leider ohne Erfolg. Doch dann zuckte der Körper des Jungen und er spuckte einen Schwall Wasser aus. Er hustete und würgte solange, bis seine Atemwege frei waren. Seine Augen öffneten sich und zuckten, vom grellen Licht geblendet, hektisch hin und her, doch nach und nach brachte er seinen sich überschlagenen Atem in einen gleichmäßigen Rhythmus und beruhigte sich. Seine Augen schlossen sich zwar wieder, aber er atmete. Hiroko hatte es geschafft!
Langsam erhob ich mich wieder während er den Jungen behutsam in die stabile Seitenlage brachte und dabei beruhigend auf ihn einredete. Ein unsagbar großer Stein fiel mir vom Herzen und ich wäre meinem Bruder am liebsten um den Hals gefallen. Aber noch war es nicht vorbei.
,,Er muss dringend ins Krankenhaus.", sagte Hiro ernst. ,,Weiß jemand, ob die Rettung schon alamiert worden ist?"
Gerade wollte ich ihm antworten als der Wasserbändiger wieder zu uns kam, auf dem Arm einen Stapel Handtücher haltend, die er dann ablegte. Jetzt wo die Spannung allmählich abfiel, bemerkte ich erst, wie durchgefroren ich war. Das hitzige Gefühl in meinem Kopf war weg, jetzt zitterte ich nur wegen der Kälte.
Noch immer war mir komisch zu Mute. Unsicher schaute ich zu meinem Bruder, dem ich gerade jetzt am liebsten nicht von der Seite gewichen wäre, aber er nickte mir nur aufmunternd zu. ,,Ist schon okay.", formten seine Lippen.
Ich antwortete mit einem leichten Lächeln. ,,Gerne.", meinte ich dann zu dem Wasserbändiger und ging dann, gemeinsam mit dem rothaarigen Mädchen in die von ihm beschriebene Richtung. Nach einigen Metern blieb ich stehen, da mir eingefallen war, dass ich mich noch gar nicht bei ihm bedankt hatte und noch nicht mal seinen Namen kannte. Ich beschloss, das später nachholen zu wollen und setzte meinen Weg fort.
Hiroko Sakamaki
,,Du könntest deine Bändigungskraft einsetzen. Seine Brandwunden müssen gekühlt werden.", antwortete ich ihm und zog meine Jacke aus. Vorsichtig hob ich Daichis Kopf ein wenig an und bettete ihn darauf ab, damit er ein wenig weicher lag. Als ich meine Hände besah, klebte Blut daran. Leider hatte ich sonst nichts bei mir, was als Verbandszeug herhalten konnte. Wenn die nächsten Minuten niemand eintraf, der seine Versorgung übernehmen würde, mussten wir oder zumindest ich zusehen, dass er ärztliche Hilfe bekam. Zwar atmete er wieder, aber aufgrund seiner Kopfverletzungen könnte er jederzeit wieder instabil werden.
Während Ryo sich um Dachai kümmerte holte ich die Handtücher, die er gefunden hatte, und breitete sie über den verletzten Erdbändiger aus. So konnte er zumindest nicht weiter auskühlen.
Weil mich die Ereignisse seelisch doch ziemlich geschlaucht hatten lehnte ich mich an eine der verlassenen Sitzbänke zurück und atmete tief durch. Was war hier nur passiert? Wie konnte ein durch und durch strukturierter Kampf so dermaßen aus dem Ruder laufen, sodass einer der Teilnehmer fast mit dem Leben bezahlen musste? Das wussten nur Ryo selbst, seine Partnerin Aria und meine Schwester.
Ihn wollte ich nicht fragen, weil er gerade mit Daichis Versorgung beschäftigt war und sicher genauso unter Strom stand wie die anderen. Ich musste an Shina denken. Der Vorfall hatte sie ziemlich gestresst. So sehr, dass sie wieder einen amnestischen Anfall hatte, den sie aber glücklicherweise schnell überwinden konnte. Beinahe kam ich mir albern vor, in der Hektik so etwas einfaches und lebenswichtiges wie den Ablauf einer Herzdruckmassage vergessen zu haben. Shina kannte den Ablauf genau, sie hatte in ihrer Freizeit schon oft an Erste-Hilfe-Kursen teilgenommen. Aber das gerade war zu viel.
Ich blickte wieder zu Ryo. Beinahe konnte ich mich überwinden, ihn doch zu den Geschehnissen zu befragen, meinte dann aber nur: ,,Danke, dass du meiner Schwester geholfen hast."
Aria Kinoshita
from Pads on 12/18/2021 02:09 AMIch war Ryo unendlich dankbar, dass er mir aus dem Wasser half. Ich hätte nicht gewusst ob ich überhaupt die Leiter wieder gefunden hätte, geschweige denn mich aus eigener Kraft dorthin hätte schleppen können. Ich fühlte mich wie eine Last, aber Ryo schien es nicht wirklich etwas auszumachen mir zu helfen, er wirkte als hätte er noch alle seine Kräfte beisammen.
Ryo half mir die Leiter hoch, aber als ich ein ganzes Stück geklettert war stürzte er sich direkt wieder ins Wasser. Ich hatte zwar nicht mitbekommen weshalb er es so eilig hatte wieder zurück ins kalte Nass zu kommen, aber ich wollte mich erst einmal nicht darauf konzentrieren. Fast war ich oben angekommen als sich mir eine Hand entgegenstreckte, die ich dankbar entgegen nahm. Als ich endlich oben angekommen war und wieder stehen konnte, hustete ich ein wenig um das Wasser, dass ich während des schwimmens verschluckt hatte, loszuwerden. Der Junge, dem auch die Hand gehörte, die mir hoch geholfen hatte, fragte mich ob alles in Ordnung war. Ich nickte.
„Weißt du, weshalb Ryo wieder ins Wasser ist?" Aber als ich über das Geländer blickte erübrigte sich meine Frage. Ich sah ein Mädchen im Wasser schwimmen, ihr Gesicht war durch den nassen Vorhang aus Haaren nicht zu erkennen. Sie versuchte mühevoll Daichi mit sich über Wasser zu halten. Ich wollte mir gar nicht ausmalen was für ein ungeheures Gewicht sie gerade stemmen musste.
Immer noch war niemand hier um zu helfen. Das Publikum hatte die Arena für die Pause verlassen. Ich sah in Richtung der Loge des Spieleleiters, aber dort war auch niemand. Wenn ich niemanden fand der half konzentrierte ich mich eben darauf, wie ich helfen konnte.
Ich kniete mich neben die Leiter, damit ich helfen konnte falls jemand Hilfe brauchte hoch zu kommen. Für einen kurzen Moment hatte ich überlegt mit hinunter zu steigen, aber mich würden keine zehn Pferde mehr in dieses Wasser bekommen. Ich hatte genug davon für den Rest meines Lebens.
Ich beobachtete, wie Ryo Daichi in holte und ihn bis zur Leiter schaffte. Der Junge, der auch mir eben geholfen hatte, nahm Daichi entgegen und ich fühlte mich schlecht, dass ich ihm nicht helfen konnte ihn aus dem Wasser zu hieven, aber wenigstens konnte ich ihm helfen indem ich Daichi am Ende der Leiter auf den Boden zog.
Im Gegensatz zu Daichi sah ich aus, als hätte ich meinen besten Tag hinter mir. Daichi war über und über mit Verbrennungen übersät und gab keine Lebenszeichen von sich, er bewegte sich nicht und in meinem Kopf machte sich Hilflosigkeit breit. Was zur Hölle war da noch im Spiel passiert nachdem ich nicht mehr auf dem Feld war. Ich war mir sicher eine ordentliche Salve Wasser hätte Daichi auch dazu gebracht aus der Runde auszuscheiden. Es war nicht nötig ihn zu verbrennen und ihm solche Schmerzen zuzufügen.
Beim Anblick der Verbrennungen des Jungen vor mir tauchten Bilder in meinem Kopf auf. Bilder, an die ich mich lange nicht mehr erinnert hatte. Mir lief es kalt den Rücken herunter. Ich schüttelte meinen Kopf um die Bilder zu verscheuchen, aber es funktionierte. Aus der Ferne hörte ich Schreie, die niemand schrie und Flammen die nicht brannten. Tränen sammelten sich in meinen Augen und stürzten meine Wagen hinunter. Wie durch Watte hörte ich die Stimme des Jungen der Daichi hoch geholt hatte.
„Kein Puls" Ich musste mich zusammen reißen. Damals hatte ich keine Chance gehabt, aber jetzt konnte ich von nutzen sein. Ich konnte helfen, ich konnte etwas tun. Mit den Händen wischte ich die Tränen beiseite und atmete tief durch. Ich sah zu dem Jungen und Daichi, konzentrierte mich auf das hier und jetzt. Ich wollte nicht noch jemanden durchs Feuer verlieren, das würde ich nicht zulassen.
„Wir müssen ihn reanimieren. Schnell, ich brauche was, womit ich seine Kleidung zerschneiden kann" Ich griff meine Tasche ab und als ich die kleine Beule gefunden hatte griff ich hinein. Ich zog das kleine Messer, das sich darin befand hervor.
„Ich kann damit seine Kleidung zerschneiden." Meine Stimme hörte sich brüchig an und ich erschrak, wie erschöpft ich klang. Ich presste meine Lippen aufeinander, damit meine Unterlippe nicht mehr zitterte und legte eiserne Entschlossenheit in meinen Blick, damit er nicht auf die Idee kam mich davon abzubringen Daichis Kleidung in Stücke zu schneiden. Ich war mir nicht sicher, ob der fremde Junge sie mit meinem Messer aufschneiden konnte, aber ich wusste, dass ich es sehr wohl schaffen würde. Vorsichtig, damit ich Daichi nicht aus versehen stach, seinen Ausschnitt zu vergrößern. Ich teilte seine Kleidung in zwei Hälften und zog sie zur Seite, damit sein Brustkorb frei war für den fremden Jungen. Sobald ich fertig war mit meiner Aktion zog ich mein Messer zurück und verstaute es wieder in meiner Hosentasche.
Als ich wieder auf sah, sah ich eine Hand am Rand der Leiter auftauchen und beeilte mich der Person die dort hoch kam von der Leiter runter zu helfen. Es war das Mädchen, das bei Daichi gewesen war. Ich half ihr hoch. Kurz nach ihr tauchte Ryo hinter ihr auf, er sah unendlich erschöpft aus, aber so wie ich ihn kannte hielt ihn das nicht davon ab zu helfen. Bestürzt kam er auf uns zu und kniete sich neben Daichi, richtete sich kurz darauf aber wieder auf.
„Ich organisiere uns Decken"
Ryo Nakamura
Ich versuchte nicht erleichtert auszuatmen als sie mir antwortete. Ich hatte damit gerechnet, dass sie nicht einmal nicken würde, aber ihre Reaktion war besser als alles, was ich mir vorgestellt hatte. Ich griff ihr vorsichtig unter die Arme, darauf bedacht ihr nicht weh zu tun. In meinen Gedanken waren wir beide bereits wieder bei den anderen und ich musste uns nicht beide über Wasser halten. Es half mir ungemein, dass sie sich an mir fest halten konnte und ich mich nur noch darauf konzentrieren musste uns in Richtung Leiter zu bekommen und nicht auch noch darauf, dass ich sie auf meinem Rücken behielt. Allerdings stand dieses Glück auf der Kippe, sie schien immer müder zu werden und ihr Griff wurde zunehmend schwächer. Gerade als ich befürchtete, dass sie ihren Griff lockern würde waren wir an der Leiter angekommen. Ich half ihr die erste Sprosse zu erklimmen und folgte ihr so dicht wie möglich um ihr helfen zu können falls sie den Halt verlor. Aber sie schaffte es langsam aber sicher hoch. Am Ende der Leiter sah ich eine Hand, die ihr half die letzten Sprossen zu erklimmen. Als ich auch endlich wieder Boden unter den Füßen hatte, atmete ich erleichtert durch, aber für stehen bleiben war keine Zeit. Der Junge, der eben Aria hoch geholfen hatte, kniete, genauso wie Aria, neben einem leblosen Daichi. Ich hatte die Hoffnung gehabt Daichi wäre nach der Runde besser weg gekommen als Aria und ich, aber als ich ihn jetzt von nahem betrachten konnte wurde mir klar, dass wir wesentlich besser weg gekommen waren als er. Ich wollte mir nicht vorstellen, wie lange es dauern würde, bis er wieder aussah wie zuvor. Wenn es denn überhaupt je dazu kam. Und das alles nur wegen einer blöden Fensterscheibe.
Wenn ich ihn noch länger betrachtete würde ich kirre werden. Ich hatte das Gefühl irgendjemandem weh tun zu müssen dafür, was Daichi passiert war. Es war nicht fair, dass er so sehr hatte leiden müssen und wenn er starb war das erst recht unfair. Ich setzte stark darauf, dass der Junge neben mir wusste, was er tat und seine Sache gut machte und erfolgreich war. Ich wollte am liebsten auf das gegnerische Team los gehen, aber das würde Daichi auch nicht helfen. Ich kam mir hilflos vor.
Nach einem kurzen Blick auf Aria war mein Entschluss gefasst, dass ich wenigstens ihr und dem anderen Mädchen helfen konnte, wenn ich schon nichts für Daichi tun konnte.
„Ich organisiere uns Decken", murmelte ich eher zu mir selbst als zu den anderen. Ich stand wieder auf und orientierte mich. Wirklich umgesehen hatte ich mich in der Arena nicht, ich hatte mich bisher eher auf das Spielfeld und unsere Gegner konzentriert gehabt. Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass ich den restlichen Bereich überhaupt betreten würde. Ich sondierte meine Umgebung und entdeckte einen Gang an dessen Decke ein Schild mit dem Wort „UMKLEIDE" an drei von eigentlich vier Seilen hing. Schnellen Schrittes stapfte ich in die Richtung. Ich wollte auch nach frischer Kleidung für uns gucken, damit wir nicht weiter in diesen nassen Klamotten herum laufen mussten. Der erste Raum den ich betrat beinhaltete keine Decken. Im zweiten Raum fand ich nur Jacken, die aber zu klein waren um irgendwen von uns auch nur annähernd zu wärmen. Im dritten Raum waren zwei kleine Duschkabinen. Ich rief mir den Weg dorthin wieder in Erinnerung, ich wollte dem Mädchen, dass Daichi gerettet hatte auf jeden Fall den Weg beschreiben wenn ich wieder zurück bei den anderen war. Genau so wie Aria.
Im vierten Raum wurde ich endlich mehr oder weniger fündig. Er beherbergte zwei Decken, die ich mir schnappte und mich mit ihnen wieder auf den Weg zu den anderen machte. Unterwegs schnappte ich aber leise Gesprächsfetzen auf, die mich hellhörig werden ließen.
„...der Junge... außer Gefecht" Ich stutzte. Damit konnte nur Daichi gemeint sein.
„Ich weiß..." Den Rest des Satzes verstand ich nicht, er ging in dem Husten einer anderen Person unter. Ich folgte dem Gespräch und blieb etwas von einem Fenster entfernt stehen.
„Was machen... jetzt?" Ich konnte wesentlich mehr verstehen.
„Es gibt noch zwei in der Reihe, die keinem Team zugewiesen werden konnte, da sie eine Person zu wenig gewesen wären. Wir ordnen ihnen per los einen dieser beiden zu. Dann müssen sie sich eben damit arrangieren." Ungläubig versuchte mein Gehirn das gerade gehörte zu verarbeiten. Die wollten Aria und mich doch nicht wirklich wieder da raus schicken. Ich wusste, dass sie nicht die Kraft dafür hatte und ich genauso wenig.
„Was machen wir mit dem Erdbändiger-jungen? Er braucht Hilfe." Die andere Stimme klang genervt, als sie antwortete:
„Ruf eine Ambulanz" Ich hörte nichts mehr, also ging ich davon aus, dass die Person die gefragt hatte nickte.
„Wenn du verkündest, dass per Los entschieden wird wer die beiden unterstützt wird das gute PR. Niemand hat mitbekommen, dass der Junge nicht mehr aufgetaucht ist. Es wird so aussehen, als hätten wir alles getan um ihm zu helfen, schließlich haben wir die Sanitäter gerufen. Außerdem kannst du dazu sagen, dass sie, wenn das Team gewinnen sollte, alle vier freie Menschen sind. Dieses Spiel wird in die Geschichte der Arena eingehen." Die Person die sprach klang hocherfreut. Ich musste mich beinahe dazu zwingen die andere Richtung einzuschlagen. Der fremde Junge tat alles erdenkliche um Daichi zu helfen und die Spielleiter saßen herum und freuten sich darüber, dass sie das Lob dafür einheimsen können.
Schnellen Schrittes machte ich mich auf den Weg zurück und legte die Decken auf einem der Stühle ab. Ich wollte den anderen davon erzählen was ich gehört hatte, aber die Information schob ich zurück. Stattdessen ging ich auf das Mädchen zu, welchem ich eben geholfen hatte.
„Wenn du möchtest kannst du duschen, ich habe eine Dusche gefunden, es gibt dort sogar Handtücher" Es war banal wie sehr ich mich über diese blöden Handtücher freute. „Ich könnte dir in der Zeit trockene Klamotten organisieren." Ich sah zu Aria, die etwas neben der Spur wirkte. „Du kannst auch duschen gehen, dann musst du hier nicht herum sitzen." Sie nickte und stand auf. Ich beschrieb den beiden den Weg und kniete mich dann noch einmal neben Daichi.
„Kann ich dir irgendwie helfen?", fragte ich den fremden Jungen.

Hiroko Sakamaki
from Mila-Grosa on 12/17/2021 12:06 PMEs kostete echt einiges an Kraft - sowohl physisch als auch psychisch - sich durch die unzähligen Menschen zu drängeln, die die Pause so wie ich nutzen wollten, um sich etwas zu Essen oder zu trinken zu holen. Unser Tribünenplatz erwies sich dabei als echter Nachtteil, da ich einen weiteren Weg hatte und mich somit erst nach den Leuten aus den Reihen hinter uns in die Schlange eingliedern konnte. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir zwei Becher mitgenommen. Doch nun war es schon so und ich konnte nichts weiter tun als zu warten, auch wenn ich so den Beginn der zweiten Runde verpassen würde.
Eigentlich war dieser Kampf interessanter, als ich gedacht hatte. Bis jetzt hatte mich sowas nie besonders interessiert, unter anderem weil ich wusste, dass viele Kämpfer nicht freiwillig an diesen Turnieren teilnahmen. Aber es war spannend, vor allem wegen den beiden echt starken Gruppierungen. Ich konnte mich nicht mehr an die Team-Namen erinnern, aber an denen der Teilnehmer. Dachai war der junge Erdbändiger im Team von Aria, der Luftbändigerin, und Ryo, dem Wasserbändiger. Auf der anderen Seite gab es Ren, ebenfalls ein Erdbändiger, der gemeinsam mit Ava und dem Feuerbändiger kämpfte, dessen Name mir nun doch nicht mehr einfallen wollte.
Als ich endlich an der Reihe war hatte die zweite Runde längst begonnen. Hier draußen bekam ich die Stimme des Spielekommentators nur gedämpft mit und konnte nicht richtig verstehen, welches Team sich wie gut schlug. Ich beeilte mich mit dem Zahlen, packte meinen Kram und eilte zurück zu den Tribünen. Eigentlich erwartete ich, dass die Treppen, die zu den Tribünen hinunterführten, während der zweiten Runde geräumt waren. Stattdessen drängelten sich hier wieder Menschen. Einige liefen mir entgegen, andere drängten sich wie ich durch die Menge um sich einen Weg nach vorne zu bannen. Was um alles in der Welt ging den hier vor sich? Warum waren alle in so heller Aufregung? Ich konnte mir das nur soweit erklären, dass etwas während dem Kampf passiert sein musste.
Ich versuchte, einen Blick auf die Plattform zu erhaschen, jedoch wurde mein Blick immer wieder von Menschen versperrt, die sich vor mir drängten oder mich in ihrer Hektik achtlos beiseiteschubsten. Wenn ich nicht aufpasste und hinfiel, würde sich mein Scherz von vorhin noch bewahrheiten und meine Schwester musste mich vom Boden aufkratzen. Apropos meine Schwester... wo war...
Ich entdeckte sie genau in dem Moment, als ich zu unserer Sitzreihe blickte, die noch von dem Gedrängel der Menschen verschont geblieben war. Sie schwang sich über das Gelände. Sie würde doch nicht...
,,Shina!", brüllte ich über das Lärmen der Menschen hinweg. Ihr Kopf drehte sich und sie blickte mich an, mit mindestens so viel Entsetzen wie ich. Etwas an ihrem Blick erschreckte mich und ich wollte sofort zu ihr, um zu erfahren, was es war. Ohne auf mein Umfeld zu achten drängte ich mich nun meinerseits mit aller Macht an den Leuten vorbei, die mir im Weg standen. Ich erntete wüste Beschimpfungen und schmerzhafte Schläge gegen den Rücken und im Gesicht, aber das war mir egal. Was immer Shina da vorhatte, ich musste sie aufhalten! Noch einmal rief ich ihren Namen. Als ich mich endlich aus der Menschentraube befreien konnte und zum Geländer stürzte, war es zu spät. Ihr tannengrüner Pullover war das Letzte, was ich von ihr sah, bevor sie mit einem lauten Platschen in das Wasser eintauchte und verschwand.
,,SHINA, NEIN!"
Hektisch drängte ich mich an unseren Sitznachbarn vorbei zu unseren Plätzen, wo sie eben noch gestanden hatte und suchte die Wasderoberfläche ab. Aber ich sah nur Ryo, der seiner Teamkollegin half, in Richtung der Betonwand zu schwimmen. An ihr befanden sich einige Meter weiter hinten Metallsprossen, an denen die ins Wasser Gefallene wieder nach oben klettern konnten. Sofort machte ich mich auf den Weg dorthin. Mein Gefühl sagte mir, das etwas schlimmes passiert sein musste. Welchen Grund hätte meine Schwester sonst gehabt, sich aus zehn Metern Höhe in den Arena-Graben zu stürzen? Außerdem sah Aria so aus, als würde sie ebenfalls Hilfe brauchen.
Es dauerte eine Weile, bis ich mich zu der Wand mit den Sprossen vorgekämpft hatte. Gleichzeitig hielt ich immer wieder das Wasser unter Beobachtung um zu sehen, ob meine Schwester wieder aufgetaucht war, was bis jetzt nicht der Fall war.
,,Oh Shina...", hörte ich mich mit tonloser Stimme sagen. Wenn ich nur wüsste, was genau passiert war! Ich sah das Gegnerteam mit Ava, Ren und Namenvergessen auf der Plattform, wie sie gerade von der Hebeschiene abgeholt wurden. Ryo hatte mit Aria gerade die Sprossenwand erreicht, von dem jungen Dachai fehlte jede Spur.
Aria machte sich daran, die Sprossen zu erklimmen, dicht gefolgt von Ryo, der ihr half. Und dann sah ich meine Schwester auftauchen, an ihrer Seite der junge Erdbändiger. Regungslos hing er neben ihr und sie hatte sichtlich Mühe, ihn und sich selber über der Oberfläche zu halten. Der Wasserbändiger hatte sie ebenfalls bemerkt und stürzte zurück ins Wasser, um ihr und Dachai zu helfen. Ich war unendlich erleichtert, sie zu sehen. Meine Freude wehrte aber nur kurz, denn ich musste mich wieder aufs Wesentliche konzentrieren. Während Ryo zu meiner Schwester schwamm und ihr Daichi abnahm, kletterte Aria weiter nach oben. Ich hielt ihr meine Hände entgegen und zog sie dann in Sicherheit.
,,Alles okay bei dir?", erkundigte ich mich und checkte flüchtig ab, ob sie sich irgendwo verletzt hatte. Nachdem ich sicher war, dass ihr soweit nichts fehlte, nickte ich ihr kurz zu und kletterte über die Sprossenwand nach unten, um Daichi zu holen. Ich wusste nicht, ob ich es schaffen würde, ihn alleine hochzuziehen, aber ich musste es versuchen. Ryo war inzwischen bei mir angelangt und ich hievte den bewusstlosen Jungen nach einigen Versuchen, bei denen ich selbst nicht im Wasser landen durfte, auf meine Schultern. Ihn festzuhalten und gleichzeitig nach oben zu klettern erwies sich als verdammt schwierig, da Daichi trotz seines schmächtigen Auftretens und dem zusätzlichen Gewicht der Kampfkleidung sehr schwer war. Ich musste immer wieder eine kurze Pause machen, bevor ich weiter nach oben stieg. Oben angekommen half Aria mir, den leblosen Daichi über die Kante zu heben. Bevor ich mich zu ihr kniete um ihn zu betreuen, warf ich noch einen Blick über meine Schulter. Ryo befand sich, mit Shina im Schlepptau, auf den Rückweg zur Sprossenwand. Soweit ich es sehen konnte war sie bei Bewusstsein, mit ihren Kräften aber völlig am Ende. Nur mühevoll konnte sie sich an den Jungen festklammern, spuckte hier und da noch etwas Wasser aus und ließ sich von ihm mitziehen. Ich wusste, dass sie bei ihm in guten Händen war und begutachtete dann den verletzten Daichi. Er musste ziemlich übel erwischt worden sein. Aus einer Wunde am Hinterkopf sickerte Blut und sein Gesicht sowie die Hände waren mit Brandwunden übersäht. Außerdem hatte er Wasser in den Lungen. Das war aber nicht das Schlimmste. Als ich seinen Kopf überstreckte um seine Atmung zu überprüfen, stellte ich fest, dass diese nicht mehr vorhanden war.
,,Kein Puls!", sagte ich zu dem Mädchen. ,,Wir müssen ihn reanimieren. Schnell, ich brauche was, womit ich seine Kleidung zerschneiden kann!"
Shina Sakamaki
Der Anblick des jungen Wasserbändigers vor mir (ich wünschte, ich könnte mich an seinen Namen erinnern) war eindeutig das Schönste, was an diesem Tag bis jetzt passiert war. Nicht in der Lage, ihm mit Worten zu antworten nickte ich heftig mit dem Kopf und ließ zu, dass er mir den bewusstlosen Jungen abnahm. Er packte ihn mit einem Arm unter den Achseln und zog ihn dann in Rückenlage schwimmend hinüber zu einer Betonwand, an der ich einige Metallsprossen entdeckte. An deren oberen Ende erkannte ich eine Person. War das Hiro? Ich konnte ihn nicht richtig erkennen. Noch immer brannte das Wasser in meinen Augen und die bleiernde Müdigkeit, die nun langsam aber sicher in mir hochkroch, machte mir zusätzlich zu schaffen. Ich unterdrückte den Impuls, zu Gähnen, aus Angst, am Ende wieder nur Wasser zu schlucken.
Nach schier endlosen Minuten war der Wasserbändiger wieder bei mir und wies mich an, mich festzuhalten und nichts zu tun. ,,Eine wundervolle Idee...", murmelte ich, vor lauter Müdigkeit halb am Wegdämmern und umklammerte ihn. Gerade kam mir alles so unwirklich vor, wie in einem Traum. War das alles gerade wirklich passiert? Oder würde ich jeden Moment in meinem Zimmer aufwachen?
Die Vorstellung gefiel mir, jedoch wurde sie mit jedem Meter, den wir uns der Leiter näherten, unrealistischer.
Nein, das hier war kein Traum. Mein Retter und das Mädchen, deren Namen ich wieder vergessen hatte, wurden Opfer eines heimtückischen Angriffes und ihr Teamkollege ist schwer verletzt worden. Das war die bittere Wahrheit, die mir bewusst wurde, als wir endlich an der Leuter ankamen. Noch immer etwas benommen rutschte ich von seinem Rücken, sammelte mich kurz und zog mich dann mit viel Kraft an der ersten Sprosse hoch. Jetzt außerhalb des Wassers fühlten sich meine nassen Klamotten noch schwerer an und ich brauchte kurz, um mich an dieses unangenehme Gefühl zu gewöhnen, ehe ich weiter nach oben stieg.


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