Avatar oder die Legende von Korra RPG
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Re: Avatar oder die Legende von Korra RPG
von Mila-Grosa am 10.12.2021 09:14Hiroko Sakamaki
,,Was zeichnest du da?"
Die Stimme meiner Schwester holte mich aus meiner Gedankenblase zurück und ich blickte auf. ,,Was?"
Mit einem Nicken deutete sie auf meinen Block. ,,Ich möchte wissen, was du zeichnest.", wiederholte sie.
,,Ach so." Ich legte die Kohlkreide beiseite und drehte den Block in ihre Richtung, um ihr das bisherige Ergebnis meiner Arbeit zu zeigen. Interessiert beugte sie sich vor und betrachtete meine Zeichnung einige Sekunden lang schweigend. ,,Wow, Hiro. Das sieht echt wahnsinnig toll aus."
,,Findest du?"
,,Aber ja! Ich hätte mir jedenfalls nicht träumen lassen, dass ich so ein gutes Portrait abgeben würde." Mit einem Lächeln ließ sie sich in ihren Sitz zurückfallen und schlug dann ihr Buch wieder auf.
,,Das ist eine große Ehre für dich, Schwesterchen. Sonst zählen nur große Nummern wie Spitzwegerich, Hyazinthe und Springkraut zu meinen Top-Modellen.", witzelte ich, auch wenn sich das nicht besonders komisch anhörte. Shina lachte trotzdem und fügte hinzu: ,,Gut zu wissen, dass meine Ausstrahlung mit der von Mamas Springkraut mithalten kann."
Sie und ich prusteten los. Es war gut, dass wir ein ganzes Zugabteil für uns alleine hatten, sodass sich keiner der anderen Fahrgäste dem grottigem Humor meiner Schwester und mir ausgeliefert sah und uns mit komischen Blicken bedenken konnte. Das dachte sich in diesem Moment auch unser Vater, darauf wettete ich. Ich konnte förmlich spüren, wie er hinter seiner Zeitung gerade die Augen verdrehte. Wahrscheinlich dankte er gerade im Stummen sämtlichen Gottheiten der Erde, dass auf dem Kongress in Ba Sing Se nur die eingeladenen Ärzte erlaubt waren. Ohne ihre Familie. Und ganz besonders ohne ihre Kinder.
Mir war das ganz egal. Anders als Shina hatte ich ein sehr geringes Interesse daran, mich ein ganzes Wochenende lang mit geschwollen daherredenden Fachchninesen und Nobelschnösel in einen Raum zu zwängen und mich über den neuesten chirurgischen Klatsch und Tratsch auszulassen. Die Vorträge an sich stellte ich mir schon recht interessant vor - vorrausgesetzt man interessierte sich dafür und kam mit den darin erläuterten Themen mit. Aber außerhalb ging es dann doch nur darum, wer in welcher Zeit mit welchem Posten befördert worden ist, wer sich welchen Luxusschlitten gekauft hat und wer nach Dienstschluss mit wie vielen Krankenschwestern und Physiotherapeutinnen in der Abstellkammer geschlafen hatte. Damit möchte ich nichts verallgemeinern, wo es doch viele Ärzte gibt, die nicht diesem pseudomoralischem Schema entsprechen, wie zum Beispiel mein Vater. Aber Mama hatte ihn schon oft auf ähnliche Veranstaltungen begleitet und konnte daher gut beschreiben, wie es unter den Herr- und Damschaften der Medizin zuging - natürlich nur mir und Shina. Mein Vater wollte von dem nichts hören obwohl er es selbst am Allerbesten wusste. Er fürchtete wohl, dass meine Mutter mir dadurch den Beruf Arzt endgültig madig machen würde, obwohl sich das Thema für mich bereits erledigt hatte. Aus welchen Gründen auch immer klammerte er sich aber nach wie vor an den Strohhalm, dass ich es mir wahrscheinlich noch anders überlegen und seine Nachfolge antreten würde. Ich hielt das für unwahrscheinlich. Aber das wollte ich ihm so direkt noch nicht ins Gesicht sagen. Mir war es erstmal wichtig, die Schule hinter mich zu kriegen und mich in meiner Freizeit der Kunst zu widmen, die ich eigentlich zu meinem Hauptberuf machen wollte. Den Stress, der nach meiner Verkündung auf mich zukommen würde, musste ich mir früher oder später zwar antun, aber jetzt war noch nicht der Zeitpunkt dafür.
Shina hatte sich wieder in ihr Buch vertieft und ich fuhr damit fort, sie in dieser Position zu zeichnen. Irgendwie mochte ich ihren Gesichtsausdruck, wenn sie las. Daher hatte ich beschlossen, diesen auf unserer Fahrt nach Ba Sing Se zu verewigen. Recht viel Motivauswahl hatte ich ohnehin nicht. Der Zug fuhr zu schnell um eine Landschaftszeichnung anzufertigen. Und Papa, der mit überschlagenen Beinen schräg gegenüber saß, war mit seinem halb vom Zeitungspapier verdeckten Körper nicht gerade eine ideale Muse. Lange würden wir ohnehin nicht mehr unterwegs sein.
Als Shina die Hand hob und sich einige Strähnen aus dem Gesicht wischte warf ich ihr einen vorwurfsvollen Blick zu, erhob mich und versuchte, sie wieder in ihre alte Position zurück zu bringen. Dabei beschmierte ich ihre Stirn versehentlich mit Kohle, was sowohl vor ihr als auch unserem Vater nicht unentdeckt blieb. Seufzend legte er seine Zeitung beiseite und verkündete, in einem der anderen Abteile nach einem Tuch zu fragen. Uns legte er nochmal nahe, keinen Finger zu rühren, bis er wieder zurück war. Als er gegangen war, beugte sich Shina wieder kopfschüttelnd über ihr Buch. ,,Künstler.", sagte sie. Und wieder brachen wir in Gelächter aus.
Es verging noch eine weitere dreiviertel Stunde, dann fuhren wir in den großen Hauptbahnhof von Ba Sing Se ein. Von meinem Sitzplatz aus beobachtete ich die unzähligen Menschen, die zwischen den Bahngleisen umherwuselten. Der Gedanke, gleich in diese geschäftige Menschenmenge hinaus zu müssen, ließ ein unangenehmes Gefühl in mir hochsteigen. Während ich mich daran machte, meine Zeichenutensilien in mein Handgepäck zu verstauen, sprang Shina auf einmal hoch und packte meinen Arm. ,,Oh, Hiro, sie nur!" Aufgeregt deutete sie nach draußen.
Auf dem Bahnsteig vor uns sahen wir eine Bank mit einem jungen Mädchen, in der einen Hand ein Comicheft haltend, in der anderen einen Becher mit Kaffee. Zunächst nicht auffällig. Doch dann erhob sich eine dünne, kleine Säule aus dem Becher, kreiste ein wenig und floss dann direkt in ihren Mund. So eine Art zu trinken hatte ich auch noch nicht gesehen.
,,Mann, wieso kann ich das nicht?", klagte meine Schwester. Ich zuckte mit den Schultern. ,,Weil Mama nunmal eine Erdbändigerin ist, und keine Wasserbändigerin. Jetzt komm endlich. Wir stehen schon."
Glücklicherweise kamen wir in dem Menschenstrom gut vorwärts und befanden uns bald außerhalb des Gebäudes, wo wir uns ein Taxi zu unserem Hotel nahmen. Nach einer kurzen Fahrt und einem noch kürzeren Check-In betraten wir schließlich unser Hotelzimmer. Keine Nobelsuit, aber im großen und ganzen okay. Immerhin hatte es ein eigenes Bad und ordentlich gemachte Betten. Shina ließ sich auf eines von ihnen fallen. ,,Papas Kongress beginnt morgen um Punkt Acht Uhr.", bemerkte sie. ,,Und wann müssen wir bei der Arena sein?"
,,Ungefähr zur selben Zeit.", antwortete ich.
,,Um Acht Uhr beginnt bereits das Turnier.", erwiderte unser Vater und betrat unser Zimmer. ,,Es wäre besser, wenn ihr schon um Sieben dort wärt. Der Einlass zieht sich bestimmt eine Weile, und wenn ihr euch noch was zu trinken kaufen wollt..."
Shina und ich sahen uns an. Eigentlich hatten weder sie noch ich Lust, uns in eine Arena zu begeben und diesen brutalen Kämpfen beizuwohnen, die sie dort veranstalteten. Aber Papas Kongress ging bis mindestens Fünf Uhr abends und etwas anderes, zum Beispiel eine Stadtführung oder ein Konzert, wurde so früh am Morgen noch nicht angeboten. Und unsere Eltern hatten uns strikt untersagt, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Aus Sorge wir könnten uns verlaufen oder auf irgendwelche zwielichtige Gestalten treffen, von denen es in der Stadt nur so wimmelte. Zumindest letzteres konnte ich ihnen nicht verübeln. Uns beiden war klar, dass sie es nur gut meinten, wo wir doch noch nie in Ba Sing Se gewesen sind und uns hier null auskannten. Gleichzeitig wollten sie aber sichergehen, dass wir uns nicht wie so oft in unserem Hotelzimmer verschanzten und unter die Leute gingen. Auch wenn wir uns hierzu einen Arena-Kampf ansehen mussten.
Der restliche Tag verlief ruhig. Weil es noch nicht so spät war hatten wir sogar noch Zeit, uns das Stadtgebiet rund ums Hotel ein wenig anzusehen. Wir besuchten unter anderem einen kleinen Bücherladen und ein Teegeschäft, wo wir einige exotische Teesorten für Mama einkaufen. Als kleines Souvenir. Als es bereits dämmerte, kehrten wir in ein kleines, gemütliches Lokal zum Abendessen ein. Es war ein sehr schöner Abend, sogar Papa wirkte ein wenig gelöster und erwähnte - was in einem Gespräch mit ihm oft selten war - mit keinem Wort den morgigen Ärztekongress oder ein anderes, seine Arbeit betreffendes Thema. Lediglich Shina schwärmte über ihr frisch erstandenes Buch über Heilkunde, in welchem sie später mit großer Wahrscheinlichkeit noch zu schmökern beginnen würde. Sie wäre wirklich die geborene Ärztin. Eine von der Sorte, deren oberstes Ziel es noch ist, den Menschen zu helfen. Gutes zu tun, ohne eine große Gegenleistung zu erwarten. Wenn sie vor Jahren nur nicht diesen verdammten Unfall gehabt hätte...
Nach unserer Rückkehr ins Hotel waren wir alle auf einmal so hundemüde, als hätten wir zwei Tage nicht geschlafen. Papa und sogar meine Schwester waren ins Bett gefallen und kurz darauf tief und fest eingeschlafen. Ich konnte das, obwohl ich wollte, nicht sofort. In meinem Kopf kreisten die Gedanken von den Ereignissen des heutigen Tages und der ganzen letzten Woche. Natürlich dachte ich auch über morgen nach. Es machte mich zunehmend nervös, da ich es nicht mochte, von unzähligen, fremden Menschen umgeben zu sein. Naja... irgendwie würden wir den morgigen Vormittag schon überstehen. Mit diesem etwas positiver gestimmteren Gedanken gelang es mir dann doch, einzuschlafen.
Wie Papa es vorhergesagt hatte war an den Einlassschaltern der Arena reger Betrieb. Wir hatten uns bereits um halb Sieben hier eingefunden, mussten aber trotzdem noch eine gute halbe Stunde warten, bis wir endlich an der Reihe waren. Eine ältere, grimmig aussehende Frau knipste unsere Tickets und wünschte uns gezwungenermaßen eine ,,aufregende Veranstaltung".
,,Ganz bestimmt.", dachte ich und wir machten uns schleunigst auf den Weg zu den Snackbars. Seit dem Frühstück hatte ich keinen Hunger mehr, allerdings würde sich das Turnier bestimmt bis in die Mittagsstunden hinziehen und dann würde es hier noch unerträglicher zugehen wie ohnehin schon. Nach einer weiteren Wartezeit von 20 Minuten hatten wir uns soweit eingedeckt, dass wir unsere Plätze suchen konnten.
,,Ich habe jetzt schon keine Lust mehr!", beklagte sich Shina, nachdem wir uns die letzten Meter zu unseren Sitzen vorkämpften. Dabei mussten wir aufpassen, von den hereinströmenden Massen nicht mitgerissen oder erdrückt zu werden. Von unserer Verpflegung ganz zu schweigen. Unsere Plätze befanden sich ganz vorne, direkt schräg gegenüber der Ehrentribühne, auf denen die Spielemacher gemeinsam mit besonders betuchten Zuschauern ihren Platz einnehmen und die Spiele überwachen würden. Die ersten fanden sich nach und nach schon ein. Es ging also jeden Moment los. Als wir uns endlich hinsetzen konnten kramte meine Schwester nach einem Reiskuchen und biss herzhaft hinein. ,,Schlimmer als das Gewühle hier kann Papas Ärztekongress nicht sein. Lieber hätte ich mich dort in ein stilles Eckchen verkrochen und gelesen als mich hier zertrampeln zu lassen!"
Damit sprach sie mir aus der Seele. Aber ich konnte ihr nicht mehr antworten, weil auf einmal ein lauter Gong ertönte. Ich hätte ohnehin brüllen müssen, weil es um uns herum so laut wurde, dass man kein normal gesprochenes Wort verstehen konnte. Das unangenehme Gefühl in meinem Körper steigerte sich und ich wäre am liebsten aufgesprungen und von hier verschwunden.
Der Tumult unter den Zuschauern legte sich, als ein wichtigtuerisch aussehender Mann mit einem Mikrofon bewaffnet auf das Ansagenpodium der Arena trat und zu sprechen begann. Ich hörte gar nicht richtig zu, weil ich eigentlich schon alles wusste, was ich wissen musste. Unter uns befand sich eine einige Quadratmeter große, von Wasser umgebene Fläche. Die Kampfzone. Es treten zwei Teams an, das stärkere Team, das zum Schluss überbleibt, gewinnt die Spiele. Eigentlich ein ganz normales, sportliches Ereignis, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass wirklich jeder an diesen Spielen teilnehmen konnte bzw. musste. Alte, Kranke, oder Kinder. Oftmals waren die Ausmaße dieser Kämpfe sehr brutal. Wenn nicht sogar tödlich. Ich erinnerte mich an einen Kampf, in dessen Verlauf ein Wasserbändiger einen jungen Feuerbändiger mittels Blutbändigen umgebracht hatte. Die Spiele wurden zwar abgebrochen und der Mörder danach verhaftet, aber für den Jungen kam jede Hilfe zu spät.
Ein weiterer Gong ertönte, der mich aus meinen Gedanken riss. Dann spürte ich Shinas Hand auf meiner Schulter. ,,Sieh mal, jetzt kommen die ersten Teams!", sagte sie. ,,Siehst du die da?" Ihr Finger deutete auf drei Personen, die von der linken Seite mittels einer ausfahrbahren Schiene zur Kampfzone gebracht wurden. Soweit ich das sehen konnte waren es zwei junge Männer und ein Mädchen mit feuerroten Haaren. ,,Die Schärpen. Der Kleinere von ihnen ist ein Erdbändiger, der andere Junge und das Mädchen sind Wasserbändiger." Täuschte ich mich, oder hörte ich sowas wie Begeisterung in ihrer Stimme. Naja, so oder so... Es würden bestimmt nervenaufreibend werden.
,,Mal sehen, wie sie sich schlagen.", antwortete ich und wartete auf den Beginn des Kampfes.
Aria Kinoshita
von Pads am 11.12.2021 12:55Ryo wirkte begeistert davon, dass wir als erstes dran sein sollten. Er murmelte etwas von wegen. „Kaum Erwartungen" und „bessere Chancen" Ich konzentrierte mich lieber darauf unsere Gegner in Augenschein zu nehmen. Bis auf einen einzelnen Erdbändiger wirkten die drei nicht wirklich, als könnten sie etwas gegen uns ausrichten. Aber ich sollte mich noch täuschen. Wir begaben uns in Position. Ein Blick ins Publikum zeigte mir eine überfüllte Arena. Ich konnte es nicht glauben, dass diese Ereignisse immer noch so gut besucht waren. Aber man konnte zumindest davon ausgehen, dass kaum ein Nicht-Bändiger in diesen Reihen nach seinem Platz gesucht hatte. Die einzigen Nicht-Bändiger, die diese Hallen freiwillig betraten waren Angehörige von unfreiwilligen Teilnehmern.
Der Spieleleiter erklärte noch einmal die Regeln des Spiels und wie genau der Ablauf war. Ich hörte kaum zu und auch Ryo konzentriere sich eher auf unsere Gegner. Der einzige aus unserem Team, der wirklich zuzuhören schien war der einzige Erdbändiger unserer Gruppe. Ich vermutete, dass er sich noch nie Gedanken darüber gemacht hatte jemals überhaupt in dieser Arena stehen zu würden. Ich hatte diesen ganzen Mist schon zweimal gewonnen, bei meinem dritten Mal wollte ich nicht verlieren. Ryos Kopf schien auf Hochtouren zu arbeiten, während der Erdbändiger neben mir am liebsten drei Schritte zurück gemacht hätte. Mulmig war mir auch zumute. Mit einem Blick auf den Feuerbändiger der mir gegenüber stand wollte ich ebenfalls am liebsten zurück gehen. Ich war froh, als Ryo meinem Blick folgte und vorschlug die Plätze zu tauschen. Ich sah mich einer noch relativ jungen Wasserbändigerin gegenüber und fühlte mich direkt etwas wohler, sofern man das denn überhaupt sagen konnte.
„Okay. Daichi du versuchst dich erst einmal gegen den Erdbändiger, aber wenn es zu schwierig wird sagst du mir oder Aria Bescheid, verstanden?" Der Erdbändiger neben mir nickte. Mir erschloss es sich nicht, warum es taktisch klug sein sollte denjenigen aus unserem Team, der am wenigsten Ahnung von der ganzen Sache hatte gegen den anderen Erdbändiger antreten zu lassen. Aber wenn Ryo das sagte hatte es sicherlich einen Hintergrund. Daichi nickte und wirkte zum ersten Mal seitdem ich ihn getroffen hatte etwas selbstbewusster und zuversichtlich. Vielleicht beruhigte es ihn, dass Ryo so viel auf ihn setzte. Er schien gut unter Druck arbeiten zu können. Oder vielleicht dachte er, dass der Erdbändiger der schwächste Gegner war, wenn Ryo schon die beiden gegenüber stellt.
„Aria, du übernimmst die Wasserbändigerin. Ich weiß du kannst gut blocken, also nutze das auch." Jetzt nickte ich. Gegen Wasserbändiger konnte ich am einfachsten Kämpfen, mit ihnen war ich aufgewachsen. Ich kannte die Schwächen der anderen Bändiger nicht so gut wie ihre, das kam mir zugute. „Auf einen guten Kampf. Ich weiß wir können das." Kurz sah er mich an und ich versuchte ein zuversichtliches Lächeln zustande zu bekommen, aber es klappte nur halb. Bisher war in keinem meiner Turniere ein Feuerbändiger gewesen, ich hatte immer das Glück gehabt gegen keinen antreten zu müssen. Ein wenig Angst hatte ich schon. Ich war Ryo unglaublich dankbar, dass er ihn für mich übernahm. Und bei Ryos Fähigkeiten war ich mir sicher, dass der Feuerbändiger der erste sein würde, der im Wasser landete.
Der Gong ertönte und das erste was ich sah, war eine Scheibe die an mir vorbei in Richtung Daichi sauste. Daichi wehrte diese zwar gut ab, aber trotzdem wurde er vom Schwung nach hinten gedrängt und befand sich in der zweiten Zone. Aber vielleicht war das so auch besser für ihn, so war der Fokus eher auf Ryo und mich. Ryo musste kaum den kleinen Finger krümmen um den Feuerbändiger im Schach zu halten. Bei ihm sah es so aus, als wäre es ein Kinderspiel. Er bewegte sich so natürlich, dass ich vom Stauen kaum weg kam. Ich wurde aber durch eine ziemlich starke Salve Wasser wieder in die Realität zurück geholt. Mit einem Ausfallschritt konnte ich dem nächsten Zone entkommen. Ich fokussierte meine Gegnerin und schaffte es sie mit einer Windböe in die nächste Zone zu befördern. Lange konnte ich mich auf diesem kleinen Glück aber nicht ausruhen, denn fast sofort sauste eine Scheibe auf mich zu, bei der ich keine Chance mehr hatte ihr auszuweichen. Meine einzige Chance war es mich so weit nach hinten zu beugen wie es mir möglich war. Ich hatte das Gefühl meinen Rücken brechen zu hören als die Scheibe nur ganz knapp über meine Nase flog. Allerdings war ich nicht schnell genug wieder oben um einem Wasserstrahl auszuweichen. Ich wurde zu Daichi in die zweite Zone gedrängt. Ryo stand jetzt ganz alleine vorne und schlug sich auch ziemlich gut. Er hatte den Feuerbändiger in die zweite Zone befördert und versuchte dies nun auch bei dem Erdbändiger. Da die Wasserbändigerin noch ein wenig brauchte um wieder Wasser zu holen, blockte ich den Angriff des Erdbändigers den er auf Ryo schleuderte. Ryo reagierte in Sekundenschnelle und beförderte den gegnerischen Erdbändiger in die zweite Zone, wodurch wir alle drei in ihre erste Zone vorrücken durften. Ich fand mich wieder der Wasserbändigerin gegenüber, die mich grimmig anfunkelte. Ich erwiderte ihren Blick und versuchte mich voll und ganz auf meiner Kraft zu konzentrieren. Als ich bemerkte, dass der Feuerbändiger auf Ryos Gesicht zielte sah ich ungläubig in Richtung des Schiedsrichters. Wozu gab es die überhaupt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die keine saftige Gehaltserhöhung bekamen, damit sie bei so etwas nicht einschritten. Ich war froh, dass Ryo den Angriff gekonnt abwehren konnte. Die Wasserbändigerin mir gegenüber versuchte einen sanfteren Angriff von der Seite, den ich aber abblocken konnte. Sie war sichtlich aufgebracht davon, dass sie es nicht schaffte mich wieder zurück zu drängen, was sie wesentlich unachtsamer machte. Es war ein leichtes für mich sie von ihren Füßen zu reißen und sogar über die dritte Zone hinaus ins Wasser zu befördern. Ich musste mir ein Grinsen verkneifen und konzentrierte mich lieber auf den Erdbändiger, der dabei war Daichi über die Linie zu unserer ersten Zone zu befördern. Kurz darauf wurde auch Ryo zurück geschleudert. Ich fühlte mich unwohl damit alleine an der Front zu stehen, dem Feuer- und dem Erdbändiger alleine gegenüber. Wenigstens waren nur noch zwei Bändiger aus dem gegnerischen Team übrig. Ryo hinter mir konzentrierte sich bereits wieder auf Feuerbändiger, schaffte es aber dadurch nicht, die Attacke des Erdbändigers abzuwehren, was ihm die zweite Zone unserer Seite einbrachte. Zumindest hatte er den Feuerbändiger in seine dritte Zone drängen können.
Der Gong ertönte. Die erste Runde war vorbei. Die erste Röhre der Anzeigetafel färbte sich blau. Lange durften wir uns aber nicht auf unserem ersten Sieg ausruhen, es ging fast sofort weiter. Es war uns gestattet etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Ryo nutzte die Chance um über die kommenden Runden zu reden.
„Auf einen Knock-Out zu hoffen wäre zu viel des guten. Aber wenn wir uns weiter so halten und es vermeiden ihnen einen zu verschaffen können wir das Ding gewinnen. Aria, du musst mehr auf die Angriffe achten. Aber den Angriff des Erdbändigers vorhin hast du gut gelöst. Ich verstehe zwar nicht, dass er dafür nicht disqualifiziert wurde, aber wenn ich das weiterhin hinterfrage müsste ich hier auch einiges anderes hinterfragen. Und Daichi, du hast dich wirklich gut geschlagen, dafür, dass du keine Erfahrung hast. Der Erdbändiger achtet nicht auf seine Füße, wenn du sie angreifst kannst du ihn zu Fall bringen." Daichi nickte. Es schien als freue er sich regelrecht auf die zweite Runde. Ich hätte liebe darauf verzichtet weiter zu kämpfen. Ich hatte das Gefühl als hätte die erste Runde mir bereits alle Kraft abverlangt, das musste nicht unbedingt noch weiter gehen. Aber natürlich hatte ich was das anging kein Mitsprachrecht. Wir stellten uns also wieder auf. Ryo dem Feuerbändiger gegenüber, Daichi stand vor dem Erdbändiger gegenüber und ich sah einer entschlossenen Wasserbändigerin in die Augen.
Die zweite Runde begann schlecht für uns. Sowohl Daichi, als auch ich wurden fast sofort in die dritte Zone zurück geschleudert und Ryo musste sich alleine in der ersten halten, was er aber nicht lange durchhielt und in die zweite zurück gedrängt wurde. Ryo hatte es zumindest geschafft den Erdbändiger von der Plattform zu werfen, aber trotzdem standen wir immer noch der Wasserbändigerin und dem Feuerbändiger gegenüber.
Neben mir ächzte Daichi und versuchte sich auf der Plattform zu halten. Die Wasserbändigerin und der Feuerbändiger hatten es auf ihn abgesehen. Sich lange zu halten schaffte er nicht und Ryo und ich konnten unsere Gegner erst zu spät zurück drängen.
„Mal gucken, wie lange die es noch durchhalten", sagte die Wasserbändigerin. „Ich gebe denen keine halbe Minute" Sie grinste siegessicher, obwohl wir sie gerade wieder zurück in ihre erste Zone geschickt hatten, wirkte sie nicht als würde es ihr sonderlich etwas aus machen. Ich sah kurz zu Ryo, aber er schien sich auch keinen Reim auf ihre Selbstsicherheit machen zu können. Der Feuerbändiger machte einen Schritt nach vorne und griff Ryo an, während die Wasserbändigerin sich auf mich konzentrierte. Ich sah, wie sie eine Wasserblase formte und diese in meine Richtung schleuderte. Ich konnte ihr ausweichen. Der nächste Angriff erwischte mich jedoch und ich wurde bis in die dritte Zone geworfen. Ich rappelte mich kampfbereit wieder auf, aber der Schmerz der kurz darauf in meine Glieder vor ließ mich aufstöhnen. Ich merkte wie sich meine Beine bewegten und ich einen Schritt zurück machte. Ich machte einen zweiten Schritt, ohne, dass ich meinen Körper bewegte. Ich wollte mich schütteln vor Schmerzen, wollte, dass es aufhörte, aber ich konnte nicht reagieren. Mit weit aufgerissenen Augen sah ich ungläubig meine Gegnerin an. Ich wollte meinen Kopf zum Schiedsrichter drehen, aber ich schaffte es nicht, egal wie sehr ich mich anstrengte. Aber niemand schien wirklich etwas zu merken. Niemand sagte etwas, es gab keinen Pfiff.
Ich war froh, als ich endlich den Boden nicht mehr unter mir spürte und ins kalte Nass fiel. Es dauerte nicht lange, bis Ryo neben mir untertauchte.

Shina Sakamaki
von Mila-Grosa am 16.12.2021 22:00Der Kampf begann für das Team mit den beiden Wasserbändigern und dem Erdbändiger mit einem kleinen Rückschlag, als Letzterer von seinem Gegner in die zweite Zone gedrängt wurde. Der Junge rieb sich kurz über die Handflächen, die den Aufprall der Steinplatte voll abgekriegt hatten, ging dann aber wieder in Kampfposition. Seine Nervosität über die Situation war ihm deutlich anzumerken. Verübeln konnte ich ihm das nicht. Ich schätzte ihn auf zwei oder drei Jahren jünger als mich und selbst ich würde unter keinen Umständen an seiner Stelle sein wollen. Wobei ich mit dem Erdbändiger bestimmt klarkommen würde. Seine beiden Teamkollegen waren gerade mit den Teamkollegen des Jungen beschäftigt. Eine große Feuerwalze bewegte sich auf den jungen Wasserbändiger zu, der die Attacke aber gespielt abwehrte und dann seinerseits angriff. Fasziniert beibachtete ich, wie grazil und wendig er mit seinen Wasserarmen nach dem Feuerbändiger peitschte und ihn in einem Moment der Unachtsamkeit zu Boden befördern konnte. Seine Partnerin hatte nicht so viel Glück, sie wurde von einer Wassersalve zurückgeworfen und schlitterte in die zweite Zone. Doch sie kam schnell wieder auf die Beine und schleuderte... Luft?
,,Oh... Sie ist eine Luftbändigerin!", rief ich überrascht aus. ,,Die kämpfen hier doch eher selten, oder?", fragte ich an Hiro gewandt, der einen Schluck von seiner Limonade trank. Er zuckte mit den Schultern und deutete dann nach unten auf die Wasserbändigerin, die ihre Revange erhalten hatte. ,,Oh Mann, sie nur! Sieh hat sie wortwörtlich aus den Socken gepustet."
Ich musste lachen. Das betroffene Mädchen fand die Sache aber bei weitem nicht so komisch wie wir zwei. Im Gegenteil, sie wirkte jetzt sogar ziemlich wütend. Gespannt beugte ich mich ein wenig vor. Ich mochte es zwar nicht recht zugeben, aber irgendwie waren diese Spiele doch interessanter als ich dachte. Hier hatte man die Möglichkeit, alle Elemente in voller Action zu erleben, wobei ich es etwas enttäuschend fand, dass für das Element Erde nicht mehr Möglichkeiten geschaffen wurden als bloß diese Steinplatten.
Als plötzlich eine Feuerzunge knapp am Gesicht des Wasserbändigers vorbeisauste, zuckte ich zusammen. Verdammt, war das knapp! Aber das war doch eigentlich gegen die Regeln, oder? Fragend schaute ich zu meinem Bruder, dem die Verwirrung ebenfalls im Gesicht geschrieben stand. ,,Eigentlich hätte der Kampfrichter eingreifen müssen.", meinte er. ,,Die Nummer eben war jedenfalls nicht zum Übersehen!"
Aber der Kampfrichter blieb stumm und das Turnier ging ganz normal weiter, bis schließlich der Schlussgong ertönte.
Das Team Feuer-Wasser Erde hatte sich wacker geschlagen, trotzdem ging die erste Runde an ihre Gegner. Zurecht, wie ich fand. Irgendwie mochte ich die Ausstrahlung von diesen Dreien. Man merkte, dass sie die Sache als Team angingen und nicht jeder für sich alleine kämpfte. Das zeigte sich auch, als der junge Erdbändiger zu dem Wasserbändiger trat. Er war nach wie vor ziemlich mitgenommen, schien aber in der Gesellschaft von ihm und dem Mädchen mit den Luftkräften etwas gefasster zu werden. Er rang sich sogar zu einem schmalen Lächeln ab.
Die Teilnehmern wurden auf den mechanischen Schienen wieder aus der Arena gebracht, um sich vor Beginn der nächsten Runde ein wenig zu stärken. In fünfzehn Minuten, verkündete der Kommentator über Lautsprecher, würde es weitergehen. Hiroko erhob sich. ,,Ich gehe nochmal zum Kiosk und hole mir was zu trinken. Brauchst du auch was?" Ich verneinte. ,,Pass aber auf, dass du nicht wieder zerquetscht wirst.", ermahnte ich ihn und beobachtete, wie sich ein Teil der Menschen hinter uns ebenfalls erhob, um entweder die Snackbar oder die Toiletten aufzusuchen. Er seufzte bei dem Anblick des erneuten Gedrängels und entkrampfte seine Schultern. ,,Ich werds versuchen. Wenn ich nicht wiederkomme, erbst du mein Kohlkreideset und die Staffelei. Mein Zeichenbuch würde ich gerne mit ins Grab nehmen."
,,Auf keinen Fall!", widersprach ich entsetzt. ,,Die Kreationen von einem Künstler lassen sich nach seinem Ableben doch erst recht zu Kohle machen!" Er trat auf mich zu, packte mich und rubbelte mir ein paar Mal kräftig durch die Haare. ,,Wir sehen uns gleich."
Ich blickte ihm nach, wie er über die Füße der sitzengebliebenen Menschen in unserer Reihe stieg, dann die Stufen nach oben erklomm und im Strom der Menschenmenge verschwand. Gut, dass ich noch genug zu essen und zu trinken hatte. Nie im Leben würde ich mich jetzt wieder in diese Masse begeben und mich umrennen lassen. Schon alleine weil ich es höchst unangenehm fand, von so vielen fremden Leuten auf engsten Raum umzingelt zu sein. Hiroko war, was das angeht, eigentlich um einiges schlimmer als ich, aber im Moment siegte sein Durst über die Behaglichkeit.
Nachdenklich legte ich den Kopf in den Nacken und schloss meine Augen. Im Nachhinein fand ich es eigentlich gar nicht so schlecht, hier zu sein. Der Ärztekongress hätte mich zwar auch brennend interessiert, aber so wirklich Anschluss hätte ich wahrscheinlich nicht gefunden. Hier konnte ich zumindest gemeinsam mit Hiroko sein und die Kunst des Wasserbändigens hautnah miterleben. Ein kleines Lächeln umspielte meine Lippen. Wie gerne würde ich das auch können. Ich fand diese Art von Bändigungskraft schon immer aufregender als die, die ich von Geburt an besaß. Vor allem, weil es mit Wasser so viele Möglichkeiten gab, viel mehr als mit der Erde. Aber das Schicksal wollte, dass ich diesem Element angehörte. Wehmütig blickte ich auf den Wassergraben in der Arena. Das Licht der Scheinwerfer wurde von der Wasseroberfläche als kleine Glitzerpunkte reflektiert.
Mein Magen meldete sich und ich begann, an meinen zweiten Reiskuchen zu knabbern. Die Pause war in wenigen Sekunden um und Hiro war immer noch nicht da. Wahrscheinlich würde es wirklich so enden, dass ich ihn am Ende der Runde zertrampelt auf der Tribüne vorfinden und seine Zeichenutensilien erben würde. Genauso gut könnte ich mir vorstellen, dass ihm die Menschen zu viel geworden sind und er sich irgendwo verbarikadiert hatte. Oder ganz und ohne mich abgehauen war. Nein, das würde er nicht wagen. Das hoffte ich zumindest für ihn!
Der Gong, welcher den Beginn der zweiten Runde signalisierte, ertönte genau dann, als ich das letzte Stückchen Kuchen verputzt hatte. Die Kämpfer befanden sich wieder in ihren Zonen und nahmen es erneut miteinander auf. Allerdings sah es dieses Mal für mein heimliches Favoritenteam um einiges schlechter aus.
Sowohl Wasser als auch Luft und Erde wurden nacheinander um eine bzw. zwei Zonen nach hinten befördert. Dass der Wasserbändiger es schaffte, den Erdbändiger ins kalte Nass zu befördern machte verhältnismäßig leider wenig aus, weil seine Teamkameraden noch mit aller Kraft dabei waren. Die Niederlage hatte sie wohl angespornt und brachte sie dazu, ihr Potential diesesmal voll und ganz auszuschöpfen. Und die beiden waren wirklich hervorragende Kämpfer!
Ungeduldig warf ich einen Blick Richtung Treppe, konnte Hiroko aber nirgends ausmachen. Gerade jetzt, wo der Kampf richtig an Fahrt aufnahm musste er zu spät kommen! Naja... vielleicht auch besser so. So ist ihm nämlich das, was dann passiert war, ersparrt geblieben.
Ich sah es, als ich wieder auf das Kampfgeschehen unter mir achtete. Die junge Luftbändigerin wurde von der Wasserbändigerin erneut um eine Zone zurückgeworfen und landete auf den Boden. Diesesmal schien sie schwer getroffen worden zu sein, denn sie brauchte eine Weile, um sich wieder hoch zu hieven. Bedrohlich wankte sie hin und her und ich hatte schon Angst, sie würde wieder zusammenbrechen, dann schien sie sich aber wieder zu fangen und machte Anstalten, erneut in Angriffsposition zu gehen und ihre Kontrahentin zu attackieren. Ich rechnete mit einer weiteren Windböe, einer Luftkugel oder einem Wirbelsturm - nicht aber damit, dass sie mitten in ihrer Bewegung erstarrte.
Äh... hä? Was war denn jetzt los? Verwundert beugte ich mich nach vorne und kniff die Augen zusammen. Das war jetzt irgendwie komisch. Noch komischer war aber, dass sie dann einen Schritt zurückmachte. Was hatte sie denn bloß? So respekteinflößend wirkte diese Wasserbändigerin doch auch nicht. Bis jetzt hatte sie sich jedenfalls nicht von ihr unterkriegen lassen. Was also war mit ihr los? Mein Blick richtete sich auf das andere Mädchen. Auch sie machte keinerlei Anstalten, die Luftbändigerin anzugreifen. Sie stand nur regungslos, mit erhobener Hand, da, den Blick mit so einer Intensität und Wut auf ihre Gegnerin gerichtet, als wolle sie sie damit durchbohren.
Als das Mädchen- jetzt wusste ich wieder, wie ihr Name lautete: Aria - dann den zweiten Schritt nach hinten in Richtung Abgrund setzte, kapierte ich, was hier los war.
,,Hiro...", hauchte ich fassungslos und wollte nach dem Arm meines Bruders greifen, aber meine Hand ging ins Leere. Ich drehte den Kopf und sah, dass er noch immer nicht zurückgekehrt war. Ein übles Gefühl sowie Hilflosigkeit machte sich in mir breit. Als ich wieder zu Aria hinabblickte, erkannte ich das nackte Entsetzen in ihren Augen - trotz der Entfernung. Wie sollte es auch anders sein, wenn der eigene Körper einem nicht mehr gehorchte und man derjenigen ausgesetzt war, die ihn sich zu ihrem Spielzeug gemacht hatte?
Meine Finger krallten sich in die Kante meiner Sitzbank. Warum zum Teufel unternahm niemand etwas? Wieso half ihr keiner? Ich sah nach oben zum Schiedsrichter. Er musste doch auch sehen, was mit Aria los war, was diese Schlange gerade mit ihr anstellte? Doch es ertönte kein Pfiff, kein Gong, nicht mal der laute Ruf von den Zuschauern, die auch kapiert haben mussten, was hier abging. Es passierte gar nichts. Am liebsten hätte ich geschrien. Ich versuchte es, aber aus meinem Mund kam kein Ton.
Als Aria dann noch einen Satz nach hinten tat, trat ihr Fuß ins Leere. In dem Moment, in dem sie nach hinten kippte, fiel der Einfluss der Wasserbändigerin von ihr ab. Zu spät für sie. Mit rudernden Armen stürzte Aria von der Plattform ins Wasser. Ihre beiden Teamkollegen starrten fassungslos in die Tiefe. Sie waren zwar nur kurz abgelenkt, jedoch reichte das für die Wasserbändigerin aus. Als der Ältere der beiden Jungs realisierte, was gleich passieren würde und reagieren wollte, erging es ihm so wie seiner Verbündeten. Er erstarrte, mitten in der Bewegung bewegte sich nach hinten. Fast augenblicklich begann der Feuerbändiger, eine Salve Flammenkugeln auf ihn loszulassen, denen er, besser gesagt seine Kollegin, geschickt nach hinten weg auswich. Was das für einen Zweck haben sollte, kapierte ich erst im Nachhinein. Jedenfalls befand sich der Wasserbändiger nun ebenfalls an der Kante der letzten Zone. Gleich darauf aber nicht mehr, denn sein Fuß ging beim nächsten Schritt ins Leere und er stürzte - genau wie Aria - in die Tiefe.
Jetzt war nur noch der junge Erdbändiger übrig. Er allein gegen einen hinterhältigen Feuerbändiger und einer größtenwahnsinnigen Wasserbändigerin. Noch immer machte keiner Anstalten, die Runde abzubrechen. Es ging weiter. Bald würde es ohnehin zu einem Ende kommen. Alleine gegen diese zwei hatte der Junge nicht den Hauch einer Chance. Noch immer unter Schock, was seinen Mitstreitern widerfahren war, stand er wie zur Salzsäule erstarrt auf der Plattform und schaute nach unten ins Wasser. Dann schlug der Feuerbändiger zu. Rasend schnell und umbarmherzig. Als der Junge sich zu ihm umwandte, sah er nur noch eine gewaltige Feuerflut auf sich zurollen und wurde von ihr mitgerissen. Geschockt sah ich zu, wie er im hohen Bogen über den Graben hinwegflog, geradewegs gegen einen der massiven Betonfeiler, welche die Zuschauertribüne über den westlichen Block abstützten. Von da fiel er dann ins Wasser und verschwand von der Oberfläche.
Der Schlussgong der zweiten Runde ertönte, was von den Zuschauern kaum wahrgenommen wurde. So schockiert waren sie von dem barbarischen Schlag gegen den Jungen, der nicht mal mehr die Gelegenheit gehabt hatte, sich zu verteidigen. Viele Leute waren aufgesprungen, schrien und vergruben ihre Gesichter an den Schultern ihrer Sitznachbarn. Ich war auch aufgesprungen, aber nur um zu sehen, ob der Erdbändiger wieder auftauchte. Unter mir sah ich die Köpfe von Aria und dem Wasserbändiger erscheinen, nicht aber den des Jungen. Eine Welle der Furcht durchfuhr mich bei dem Gedanken, dass er das Bewusstsein verloren haben könnte. Das war sogar mit ziemlicher Sicherheit der Fall. So einen Aufprall steckte keiner weg, schon gar nicht ein so schmächtiger Junge wie er. Bis das jemand merkte würden sie ihn nicht mehr rechtzeitig herausholen können. Er würde sterben.
Als ich das dachte ging ein Ruck durch meinen Körper. Wie in Trance zog ich mir die Stiefel von den Füßen und kletterte über die Brüstung.
,,Shina!"
Mein Kopf fuhr herum und ich erblickte Hiroko, der sich hastig einen Weg durch die Menschen zu bannen versuchte. Einige seiner schwarzen Haare hatten sich aus seinem Knoten gelöst und hingen ihm wirr ins Gesicht. ,,Shina!"
Ich öffnete den Mund, um ihn zu antworten, aber er war noch zu weit weg. Er hatte von dem Vorfall mit der Wasserbändigerin und dem rücksichtslosen Angriff auf den Jungen nichts mitbekommen und ich hatte leider nicht die Zeit, auf ihn zu warten, um ihn alles zu erklären. Bevor er oder irgendjemand sonst mich aufhalten konnten hielt ich die Luft an und sprang von der Brüstung ab, kopfüber hinein in das Wasser.
Kurz befürchtete ich, bei dem Aufprall ebenfalls das Bewusstsein zu verlieren, immerhin ging es von der Tribüne aus gut und gern zehn Meter in die Tiefe. Doch außer dem Schock des eiskalten Nasses, welches meinen Körper von allein Seiten einhüllte, ging es mir gut. Jetzt bloß einen kühlen Kopf bewahren, ermahnte ich mich selbst. Das war leichter gesagt als getan, denn das Wasser war hier unten bei weitem nicht so klar, wie es von oben aussah. Und es brannte in den Augen, sodass ich diese immer wieder kurz zukneifen musste. Die einzige Orientierung boten mir die Lichter der Scheinwerfer. So konnte ich verschwommen die Körper des Wasserbändigers und der Luftbändigerin ausmachen, die über mir an der Oberfläche schwammen. Noch immer keine Spur vom Erdbändiger. Dann aber erblickte ich unter mir eine dunkle, regungslose Gestalt, die mit ausgestreckten Armen auf dem Grund lag. Sofort machte ich mich auf den Weg zu ihm. Ich musste mich beeilen. Nicht nur für ihn zählte jede Sekunde, sondern auch für mich, weil mir so allmählich die Luft ausging und ich dringend nach oben musste. Endlich bei dem bewusstlosen Jungen angelangt packte ich ihn bei den Armen und zog ihn nach oben. Ein dünnes Rinnsal Blut erhob sich wie eine rote Rauchwolke, als ich seinen Kopf an meine Schulter legte und mich mit ihm vom Grund abstieß. Der Weg nach oben kam mir unerträglich weit vor. Ich bemühte mich, nicht hektisch zu werden, obwohl meine Lungenflügel am zerreißen waren. Verzweifelt hielt ich den Blick nach oben gerichtet und schwamm und schwamm und schwamm. Nach einiger Zeit hielt ich es nicht mehr aus und riss den Mund auf, in der Hoffnung, meine Lungen endlich mit Luft füllen zu können, stattdessen schluckte ich jedoch nur Wasser. Mit der Panik, die mich dadurch ergriff, schaffte ich es, wie wild weiter nach oben zu strampeln, bis ich die Wasseroberfläche durchbrach. Ich konnte nicht das geringste sehen, zum einen weil mich die grellen Lichter blendeten, zum anderen weil meine Haare wie ein dunkler Vorhang in meinem Gesicht klebten. Hustend und spuckend versuchte ich, sie mit der freien Hand beiseite zu streifen. Gleichzeitig musste ich aufpassen, nicht wieder unterzutauchen. Mein Pullover hatte sich vollgesaugt und hing neben dem Jungen wie ein tonnenschweres Gewicht an mir, welches mich nach unten zog. Nach und nach gewöhnten sich meine Augen an das Scheinwerferlicht und ich konnte mich wieder einigermaßen orientieren. Der Junge war nach wie vor ohne Bewusstsein und hatte Wasser in die Lungen bekommen. Er brauchte ärztliche Unterstützung, und zwar sofort!
Ryo Nakamura
von Pads am 17.12.2021 00:34Niemand reagierte. Es herrschte Totenstille im Saal, für einen Moment hörte ich nicht einmal mein eigenes Atmen, alles war ruhig. Als Aria im Wasser ankam realisierte ich viel zu spät was passiert war, zu sehr war ich mit meinem eigenen Gegenüber beschäftigt gewesen. Ich begann damit mir Vorwürfe zu machen, dass ich besser hätte aufpassen müssen und etwas hätte merken müssen. Aber ich wusste selbst, dass ich keine Chance gehabt hatte. Lieber sollte ich mich jetzt darauf konzentrieren die Runde für uns zu entscheiden. Ich sah nach vorne und stellte mich kampfbereit auf. Ich war gewillt alles zu geben, aber der Gegner war mir trotzdem einen kleinen Schritt voraus. Ich wollte gerade zum Gegenangriff ansetzen um Aria zu rächen, als meine Hand sich wie von selbst bewegte. Maschinell gesteuert brach ich meinen Angriff ab und wich in schnellen Schritten nach hinten der Feuersalve meines Gegners aus. Ich versuchte stehen zu bleiben, oder zumindest meine Hand zu heben, aber ich schaffte es nicht, so sehr ich es auch versuchte. Ich war gefangen in meinem eigenen Körper und zum zweiten Mal in meinem ganzen Leben spürte ich die blanke Angst. Gleichzeitig war ich aber auch einfach nur unendlich froh, dass niemand aus meiner Familie anwesend war und das ganze Ereignis miterleben musste. Es war schon schlimm genug selbst dabei zu sein. Ich konnte mir aber gut vorstellen, dass jeder einzelne meiner Arbeitskollegen im Publikum saßen und jetzt am liebsten laut gejubelt hätten. Ich wollte ihnen solch eine Niederlage nicht bieten, aber unser Spiel war ja noch nicht vorbei. Selbst wenn wir diese Runde nicht gewinnen würden könnten wir uns in der dritten und letzten Runde noch unter Beweis stellen. Wir würden zeigen können, was wir konnten. Wir mussten nur alle als erstes auf die Wasserbändigerin gehen, ansonsten hatten wir keine Chance. Wir konnten das schaffen, das würde kein Problem werden.
Unweigerlich bewegte ich mich von selbst rückwärts auf die Kante zu. Ich schielte ins Publikum. Die meisten waren entsetzt oder bestürzt. Wer bei Aria noch nicht verstanden hatte was hier abging hatte es spätestens jetzt gerafft. Einige aber schlürften wieder aus ihren Pappbechern und bissen genüsslich wieder in ihr Essen.
Ich versuchte gar nicht mehr gegen die Kraft die mich im Griff hatte anzukämpfen. Das bedeutete nur weitere Schmerzen. Ich hatte mit meiner Niederlage abgeschlossen. Wehren konnte ich mich ohnehin nicht. Eine Chance hatte ich nicht. Ich hoffte, dass Daichi sich wenigstens noch ein wenig länger halten konnte.
Ich ließ mich ins Wasser fallen uns sobald mein Oberkörper im Wasser versunken war sah ich mich nach Aria um. Ich wollte mich vergewissern, dass es ihr gut ging. Sie muss wesentlich länger unter dem Einfluss der Wasserbändigerin gestanden haben. Als ich sie endlich entdeckt hatte schwamm ich auf sie zu.
„Ist alles gut bei dir?" Sie nickte zwar, aber wirklich überzeugt war ich nicht. Vorsichtig griff ich ihr unter die Arme um sie über Wasser zu halten. Sie wirkte ein wenig unbeholfen und etwas desorientiert. „Warte, ich helfe dir an Land" Ich versuchte sie so gut es ging über Wasser zu halten und an die nahegelegende Leiter zu bringen. Dass sie meine Hilfe nicht abwies überzeugte mich davon, dass es ihr wirklich nicht besonders gut ging.
Als es neben uns platschte drehten wir beide unsere Köpfe in die Richtung. Ich sah aber nichts, was diesen Laut hätte verursachen können. Ein Junge tauchte am Rand der Leiter auf und spähte voller Besorgnis über den Rand der Geländers. Ich legte meine Stirn in Falten und fragte mich, was er begutachtete, rief mich dann aber wieder zur Ordnung und halt Aria vor mir die Leiter hoch. Hoch schaffte sie es selbst. Mit etwas Abstand folgte ich ihr und zog mich am Rand hoch. Ich sah mich nach einer Decke, die ich uns hätte holen können, aber es gab nichts was annähernd einer Decke ähnlich gewesen wäre.
Statt einer Decke tauchte der Junge von vorhin wieder auf und spähte in die Tiefe unter uns. Ich wollte ihn gerade fragen was er so interessant fand, als ich es selbst sah. Ein Mädchen tauchte an der Wasseroberfläche auf und schnappte nach Luft. Ohne zu zögern sprang ich zurück in das kalte Nass und mit ein paar wenigen Armbewegungen war ich bei ihr. Ich verkniff mir zu fragen, was sie hier im Wasser machte und die Frage erübrigte sich auch als ich sah, dass sie krampfhaft versuchte Daichi zu halten. Er musste kurz nach mir ins Wasser gefallen sein, aber da ich zu sehr darauf fokussiert gewesen war Aria zu helfen hatte ich es nicht bemerkt. Ein Glück, dass dieses Mädchen etwas gemerkt hatte und mutig, oder waghalsig, genug gewesen war hinterher zu springen.
„Ich bin hier, du musst nur dich selbst über Wasser halten, schaffst du das?" Vorsichtig griff ich Daichi unter die Arme und nahm ihr langsam sein Gewicht ab. Und trotz seines schlacksigen Körpers wog er dank seiner Klamotten sicher einiges. Es war nicht mehr weit zur Leiter, aber es kam mir vor als würde ich unnötige Runden schwimmen. Daichis Gewicht, so wie mein eigenes, wurden immer schwerer zu ertragen und ich war ein paar mal kurz davor vor Erschöpfung die Augen zu zu machen. Ich hatte die vage Hoffnung, dass jetzt wenigstens jemand helfen würde, aber vermutlich hatte kaum einer etwas von Daichi und dem Mädchen mitbekommen, da die zweite Pause eröffnet worden war und somit auch die Snackbuden wieder bereit waren ihre Waren anzupreisen. Und nach der Runde die ihnen gerade geliefert wurde, hatten sicher auch alle genug Gesprächsstoff für die nächsten fünfzehn Minuten.
Ich hievte Daichi vorsichtig hoch und war froh, als sich mir zwei Arme entgegen streckten die ihn entgegen nahmen. Sobald ich Daichi in Sicherheit wusste drehte ich wieder um. Ich hatte meine Augen weit aufgerissen und versuchte die Silhouette zu entdecken, aber ich schaffte es erst nach mühevoller Suche. Ich kämpfte gegen die Wellen die ich selbst verursachte an und schaffte es mit ungeheurer Anstrengung das Wasser vor mir so zu besänftigen, dass ich es in Ruhe und ohne große Mühe hindurch schaffte. Kurz dachte ich, ich hätte die Silhouette des Mädchens verloren, aber sie wurde wieder größer und als ich endlich bei ihr ankam hatte ich keine Zeit um zu kontrollieren ob sie noch atmete. Ich wollte sicherstellen, dass sie aus dem Wasser kam.
„Wenn du mich hörst, versuch dich so wenig wie möglich zu bewegen und halt dich einfach an meinem Rücken fest. Ich werde dann langsam in Richtung Leiter schwimmen."

Hiroko Sakamaki
von Mila-Grosa am 17.12.2021 12:06Es kostete echt einiges an Kraft - sowohl physisch als auch psychisch - sich durch die unzähligen Menschen zu drängeln, die die Pause so wie ich nutzen wollten, um sich etwas zu Essen oder zu trinken zu holen. Unser Tribünenplatz erwies sich dabei als echter Nachtteil, da ich einen weiteren Weg hatte und mich somit erst nach den Leuten aus den Reihen hinter uns in die Schlange eingliedern konnte. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir zwei Becher mitgenommen. Doch nun war es schon so und ich konnte nichts weiter tun als zu warten, auch wenn ich so den Beginn der zweiten Runde verpassen würde.
Eigentlich war dieser Kampf interessanter, als ich gedacht hatte. Bis jetzt hatte mich sowas nie besonders interessiert, unter anderem weil ich wusste, dass viele Kämpfer nicht freiwillig an diesen Turnieren teilnahmen. Aber es war spannend, vor allem wegen den beiden echt starken Gruppierungen. Ich konnte mich nicht mehr an die Team-Namen erinnern, aber an denen der Teilnehmer. Dachai war der junge Erdbändiger im Team von Aria, der Luftbändigerin, und Ryo, dem Wasserbändiger. Auf der anderen Seite gab es Ren, ebenfalls ein Erdbändiger, der gemeinsam mit Ava und dem Feuerbändiger kämpfte, dessen Name mir nun doch nicht mehr einfallen wollte.
Als ich endlich an der Reihe war hatte die zweite Runde längst begonnen. Hier draußen bekam ich die Stimme des Spielekommentators nur gedämpft mit und konnte nicht richtig verstehen, welches Team sich wie gut schlug. Ich beeilte mich mit dem Zahlen, packte meinen Kram und eilte zurück zu den Tribünen. Eigentlich erwartete ich, dass die Treppen, die zu den Tribünen hinunterführten, während der zweiten Runde geräumt waren. Stattdessen drängelten sich hier wieder Menschen. Einige liefen mir entgegen, andere drängten sich wie ich durch die Menge um sich einen Weg nach vorne zu bannen. Was um alles in der Welt ging den hier vor sich? Warum waren alle in so heller Aufregung? Ich konnte mir das nur soweit erklären, dass etwas während dem Kampf passiert sein musste.
Ich versuchte, einen Blick auf die Plattform zu erhaschen, jedoch wurde mein Blick immer wieder von Menschen versperrt, die sich vor mir drängten oder mich in ihrer Hektik achtlos beiseiteschubsten. Wenn ich nicht aufpasste und hinfiel, würde sich mein Scherz von vorhin noch bewahrheiten und meine Schwester musste mich vom Boden aufkratzen. Apropos meine Schwester... wo war...
Ich entdeckte sie genau in dem Moment, als ich zu unserer Sitzreihe blickte, die noch von dem Gedrängel der Menschen verschont geblieben war. Sie schwang sich über das Gelände. Sie würde doch nicht...
,,Shina!", brüllte ich über das Lärmen der Menschen hinweg. Ihr Kopf drehte sich und sie blickte mich an, mit mindestens so viel Entsetzen wie ich. Etwas an ihrem Blick erschreckte mich und ich wollte sofort zu ihr, um zu erfahren, was es war. Ohne auf mein Umfeld zu achten drängte ich mich nun meinerseits mit aller Macht an den Leuten vorbei, die mir im Weg standen. Ich erntete wüste Beschimpfungen und schmerzhafte Schläge gegen den Rücken und im Gesicht, aber das war mir egal. Was immer Shina da vorhatte, ich musste sie aufhalten! Noch einmal rief ich ihren Namen. Als ich mich endlich aus der Menschentraube befreien konnte und zum Geländer stürzte, war es zu spät. Ihr tannengrüner Pullover war das Letzte, was ich von ihr sah, bevor sie mit einem lauten Platschen in das Wasser eintauchte und verschwand.
,,SHINA, NEIN!"
Hektisch drängte ich mich an unseren Sitznachbarn vorbei zu unseren Plätzen, wo sie eben noch gestanden hatte und suchte die Wasderoberfläche ab. Aber ich sah nur Ryo, der seiner Teamkollegin half, in Richtung der Betonwand zu schwimmen. An ihr befanden sich einige Meter weiter hinten Metallsprossen, an denen die ins Wasser Gefallene wieder nach oben klettern konnten. Sofort machte ich mich auf den Weg dorthin. Mein Gefühl sagte mir, das etwas schlimmes passiert sein musste. Welchen Grund hätte meine Schwester sonst gehabt, sich aus zehn Metern Höhe in den Arena-Graben zu stürzen? Außerdem sah Aria so aus, als würde sie ebenfalls Hilfe brauchen.
Es dauerte eine Weile, bis ich mich zu der Wand mit den Sprossen vorgekämpft hatte. Gleichzeitig hielt ich immer wieder das Wasser unter Beobachtung um zu sehen, ob meine Schwester wieder aufgetaucht war, was bis jetzt nicht der Fall war.
,,Oh Shina...", hörte ich mich mit tonloser Stimme sagen. Wenn ich nur wüsste, was genau passiert war! Ich sah das Gegnerteam mit Ava, Ren und Namenvergessen auf der Plattform, wie sie gerade von der Hebeschiene abgeholt wurden. Ryo hatte mit Aria gerade die Sprossenwand erreicht, von dem jungen Dachai fehlte jede Spur.
Aria machte sich daran, die Sprossen zu erklimmen, dicht gefolgt von Ryo, der ihr half. Und dann sah ich meine Schwester auftauchen, an ihrer Seite der junge Erdbändiger. Regungslos hing er neben ihr und sie hatte sichtlich Mühe, ihn und sich selber über der Oberfläche zu halten. Der Wasserbändiger hatte sie ebenfalls bemerkt und stürzte zurück ins Wasser, um ihr und Dachai zu helfen. Ich war unendlich erleichtert, sie zu sehen. Meine Freude wehrte aber nur kurz, denn ich musste mich wieder aufs Wesentliche konzentrieren. Während Ryo zu meiner Schwester schwamm und ihr Daichi abnahm, kletterte Aria weiter nach oben. Ich hielt ihr meine Hände entgegen und zog sie dann in Sicherheit.
,,Alles okay bei dir?", erkundigte ich mich und checkte flüchtig ab, ob sie sich irgendwo verletzt hatte. Nachdem ich sicher war, dass ihr soweit nichts fehlte, nickte ich ihr kurz zu und kletterte über die Sprossenwand nach unten, um Daichi zu holen. Ich wusste nicht, ob ich es schaffen würde, ihn alleine hochzuziehen, aber ich musste es versuchen. Ryo war inzwischen bei mir angelangt und ich hievte den bewusstlosen Jungen nach einigen Versuchen, bei denen ich selbst nicht im Wasser landen durfte, auf meine Schultern. Ihn festzuhalten und gleichzeitig nach oben zu klettern erwies sich als verdammt schwierig, da Daichi trotz seines schmächtigen Auftretens und dem zusätzlichen Gewicht der Kampfkleidung sehr schwer war. Ich musste immer wieder eine kurze Pause machen, bevor ich weiter nach oben stieg. Oben angekommen half Aria mir, den leblosen Daichi über die Kante zu heben. Bevor ich mich zu ihr kniete um ihn zu betreuen, warf ich noch einen Blick über meine Schulter. Ryo befand sich, mit Shina im Schlepptau, auf den Rückweg zur Sprossenwand. Soweit ich es sehen konnte war sie bei Bewusstsein, mit ihren Kräften aber völlig am Ende. Nur mühevoll konnte sie sich an den Jungen festklammern, spuckte hier und da noch etwas Wasser aus und ließ sich von ihm mitziehen. Ich wusste, dass sie bei ihm in guten Händen war und begutachtete dann den verletzten Daichi. Er musste ziemlich übel erwischt worden sein. Aus einer Wunde am Hinterkopf sickerte Blut und sein Gesicht sowie die Hände waren mit Brandwunden übersäht. Außerdem hatte er Wasser in den Lungen. Das war aber nicht das Schlimmste. Als ich seinen Kopf überstreckte um seine Atmung zu überprüfen, stellte ich fest, dass diese nicht mehr vorhanden war.
,,Kein Puls!", sagte ich zu dem Mädchen. ,,Wir müssen ihn reanimieren. Schnell, ich brauche was, womit ich seine Kleidung zerschneiden kann!"
Shina Sakamaki
Der Anblick des jungen Wasserbändigers vor mir (ich wünschte, ich könnte mich an seinen Namen erinnern) war eindeutig das Schönste, was an diesem Tag bis jetzt passiert war. Nicht in der Lage, ihm mit Worten zu antworten nickte ich heftig mit dem Kopf und ließ zu, dass er mir den bewusstlosen Jungen abnahm. Er packte ihn mit einem Arm unter den Achseln und zog ihn dann in Rückenlage schwimmend hinüber zu einer Betonwand, an der ich einige Metallsprossen entdeckte. An deren oberen Ende erkannte ich eine Person. War das Hiro? Ich konnte ihn nicht richtig erkennen. Noch immer brannte das Wasser in meinen Augen und die bleiernde Müdigkeit, die nun langsam aber sicher in mir hochkroch, machte mir zusätzlich zu schaffen. Ich unterdrückte den Impuls, zu Gähnen, aus Angst, am Ende wieder nur Wasser zu schlucken.
Nach schier endlosen Minuten war der Wasserbändiger wieder bei mir und wies mich an, mich festzuhalten und nichts zu tun. ,,Eine wundervolle Idee...", murmelte ich, vor lauter Müdigkeit halb am Wegdämmern und umklammerte ihn. Gerade kam mir alles so unwirklich vor, wie in einem Traum. War das alles gerade wirklich passiert? Oder würde ich jeden Moment in meinem Zimmer aufwachen?
Die Vorstellung gefiel mir, jedoch wurde sie mit jedem Meter, den wir uns der Leiter näherten, unrealistischer.
Nein, das hier war kein Traum. Mein Retter und das Mädchen, deren Namen ich wieder vergessen hatte, wurden Opfer eines heimtückischen Angriffes und ihr Teamkollege ist schwer verletzt worden. Das war die bittere Wahrheit, die mir bewusst wurde, als wir endlich an der Leuter ankamen. Noch immer etwas benommen rutschte ich von seinem Rücken, sammelte mich kurz und zog mich dann mit viel Kraft an der ersten Sprosse hoch. Jetzt außerhalb des Wassers fühlten sich meine nassen Klamotten noch schwerer an und ich brauchte kurz, um mich an dieses unangenehme Gefühl zu gewöhnen, ehe ich weiter nach oben stieg.
Aria Kinoshita
von Pads am 18.12.2021 02:09Ich war Ryo unendlich dankbar, dass er mir aus dem Wasser half. Ich hätte nicht gewusst ob ich überhaupt die Leiter wieder gefunden hätte, geschweige denn mich aus eigener Kraft dorthin hätte schleppen können. Ich fühlte mich wie eine Last, aber Ryo schien es nicht wirklich etwas auszumachen mir zu helfen, er wirkte als hätte er noch alle seine Kräfte beisammen.
Ryo half mir die Leiter hoch, aber als ich ein ganzes Stück geklettert war stürzte er sich direkt wieder ins Wasser. Ich hatte zwar nicht mitbekommen weshalb er es so eilig hatte wieder zurück ins kalte Nass zu kommen, aber ich wollte mich erst einmal nicht darauf konzentrieren. Fast war ich oben angekommen als sich mir eine Hand entgegenstreckte, die ich dankbar entgegen nahm. Als ich endlich oben angekommen war und wieder stehen konnte, hustete ich ein wenig um das Wasser, dass ich während des schwimmens verschluckt hatte, loszuwerden. Der Junge, dem auch die Hand gehörte, die mir hoch geholfen hatte, fragte mich ob alles in Ordnung war. Ich nickte.
„Weißt du, weshalb Ryo wieder ins Wasser ist?" Aber als ich über das Geländer blickte erübrigte sich meine Frage. Ich sah ein Mädchen im Wasser schwimmen, ihr Gesicht war durch den nassen Vorhang aus Haaren nicht zu erkennen. Sie versuchte mühevoll Daichi mit sich über Wasser zu halten. Ich wollte mir gar nicht ausmalen was für ein ungeheures Gewicht sie gerade stemmen musste.
Immer noch war niemand hier um zu helfen. Das Publikum hatte die Arena für die Pause verlassen. Ich sah in Richtung der Loge des Spieleleiters, aber dort war auch niemand. Wenn ich niemanden fand der half konzentrierte ich mich eben darauf, wie ich helfen konnte.
Ich kniete mich neben die Leiter, damit ich helfen konnte falls jemand Hilfe brauchte hoch zu kommen. Für einen kurzen Moment hatte ich überlegt mit hinunter zu steigen, aber mich würden keine zehn Pferde mehr in dieses Wasser bekommen. Ich hatte genug davon für den Rest meines Lebens.
Ich beobachtete, wie Ryo Daichi in holte und ihn bis zur Leiter schaffte. Der Junge, der auch mir eben geholfen hatte, nahm Daichi entgegen und ich fühlte mich schlecht, dass ich ihm nicht helfen konnte ihn aus dem Wasser zu hieven, aber wenigstens konnte ich ihm helfen indem ich Daichi am Ende der Leiter auf den Boden zog.
Im Gegensatz zu Daichi sah ich aus, als hätte ich meinen besten Tag hinter mir. Daichi war über und über mit Verbrennungen übersät und gab keine Lebenszeichen von sich, er bewegte sich nicht und in meinem Kopf machte sich Hilflosigkeit breit. Was zur Hölle war da noch im Spiel passiert nachdem ich nicht mehr auf dem Feld war. Ich war mir sicher eine ordentliche Salve Wasser hätte Daichi auch dazu gebracht aus der Runde auszuscheiden. Es war nicht nötig ihn zu verbrennen und ihm solche Schmerzen zuzufügen.
Beim Anblick der Verbrennungen des Jungen vor mir tauchten Bilder in meinem Kopf auf. Bilder, an die ich mich lange nicht mehr erinnert hatte. Mir lief es kalt den Rücken herunter. Ich schüttelte meinen Kopf um die Bilder zu verscheuchen, aber es funktionierte. Aus der Ferne hörte ich Schreie, die niemand schrie und Flammen die nicht brannten. Tränen sammelten sich in meinen Augen und stürzten meine Wagen hinunter. Wie durch Watte hörte ich die Stimme des Jungen der Daichi hoch geholt hatte.
„Kein Puls" Ich musste mich zusammen reißen. Damals hatte ich keine Chance gehabt, aber jetzt konnte ich von nutzen sein. Ich konnte helfen, ich konnte etwas tun. Mit den Händen wischte ich die Tränen beiseite und atmete tief durch. Ich sah zu dem Jungen und Daichi, konzentrierte mich auf das hier und jetzt. Ich wollte nicht noch jemanden durchs Feuer verlieren, das würde ich nicht zulassen.
„Wir müssen ihn reanimieren. Schnell, ich brauche was, womit ich seine Kleidung zerschneiden kann" Ich griff meine Tasche ab und als ich die kleine Beule gefunden hatte griff ich hinein. Ich zog das kleine Messer, das sich darin befand hervor.
„Ich kann damit seine Kleidung zerschneiden." Meine Stimme hörte sich brüchig an und ich erschrak, wie erschöpft ich klang. Ich presste meine Lippen aufeinander, damit meine Unterlippe nicht mehr zitterte und legte eiserne Entschlossenheit in meinen Blick, damit er nicht auf die Idee kam mich davon abzubringen Daichis Kleidung in Stücke zu schneiden. Ich war mir nicht sicher, ob der fremde Junge sie mit meinem Messer aufschneiden konnte, aber ich wusste, dass ich es sehr wohl schaffen würde. Vorsichtig, damit ich Daichi nicht aus versehen stach, seinen Ausschnitt zu vergrößern. Ich teilte seine Kleidung in zwei Hälften und zog sie zur Seite, damit sein Brustkorb frei war für den fremden Jungen. Sobald ich fertig war mit meiner Aktion zog ich mein Messer zurück und verstaute es wieder in meiner Hosentasche.
Als ich wieder auf sah, sah ich eine Hand am Rand der Leiter auftauchen und beeilte mich der Person die dort hoch kam von der Leiter runter zu helfen. Es war das Mädchen, das bei Daichi gewesen war. Ich half ihr hoch. Kurz nach ihr tauchte Ryo hinter ihr auf, er sah unendlich erschöpft aus, aber so wie ich ihn kannte hielt ihn das nicht davon ab zu helfen. Bestürzt kam er auf uns zu und kniete sich neben Daichi, richtete sich kurz darauf aber wieder auf.
„Ich organisiere uns Decken"
Ryo Nakamura
Ich versuchte nicht erleichtert auszuatmen als sie mir antwortete. Ich hatte damit gerechnet, dass sie nicht einmal nicken würde, aber ihre Reaktion war besser als alles, was ich mir vorgestellt hatte. Ich griff ihr vorsichtig unter die Arme, darauf bedacht ihr nicht weh zu tun. In meinen Gedanken waren wir beide bereits wieder bei den anderen und ich musste uns nicht beide über Wasser halten. Es half mir ungemein, dass sie sich an mir fest halten konnte und ich mich nur noch darauf konzentrieren musste uns in Richtung Leiter zu bekommen und nicht auch noch darauf, dass ich sie auf meinem Rücken behielt. Allerdings stand dieses Glück auf der Kippe, sie schien immer müder zu werden und ihr Griff wurde zunehmend schwächer. Gerade als ich befürchtete, dass sie ihren Griff lockern würde waren wir an der Leiter angekommen. Ich half ihr die erste Sprosse zu erklimmen und folgte ihr so dicht wie möglich um ihr helfen zu können falls sie den Halt verlor. Aber sie schaffte es langsam aber sicher hoch. Am Ende der Leiter sah ich eine Hand, die ihr half die letzten Sprossen zu erklimmen. Als ich auch endlich wieder Boden unter den Füßen hatte, atmete ich erleichtert durch, aber für stehen bleiben war keine Zeit. Der Junge, der eben Aria hoch geholfen hatte, kniete, genauso wie Aria, neben einem leblosen Daichi. Ich hatte die Hoffnung gehabt Daichi wäre nach der Runde besser weg gekommen als Aria und ich, aber als ich ihn jetzt von nahem betrachten konnte wurde mir klar, dass wir wesentlich besser weg gekommen waren als er. Ich wollte mir nicht vorstellen, wie lange es dauern würde, bis er wieder aussah wie zuvor. Wenn es denn überhaupt je dazu kam. Und das alles nur wegen einer blöden Fensterscheibe.
Wenn ich ihn noch länger betrachtete würde ich kirre werden. Ich hatte das Gefühl irgendjemandem weh tun zu müssen dafür, was Daichi passiert war. Es war nicht fair, dass er so sehr hatte leiden müssen und wenn er starb war das erst recht unfair. Ich setzte stark darauf, dass der Junge neben mir wusste, was er tat und seine Sache gut machte und erfolgreich war. Ich wollte am liebsten auf das gegnerische Team los gehen, aber das würde Daichi auch nicht helfen. Ich kam mir hilflos vor.
Nach einem kurzen Blick auf Aria war mein Entschluss gefasst, dass ich wenigstens ihr und dem anderen Mädchen helfen konnte, wenn ich schon nichts für Daichi tun konnte.
„Ich organisiere uns Decken", murmelte ich eher zu mir selbst als zu den anderen. Ich stand wieder auf und orientierte mich. Wirklich umgesehen hatte ich mich in der Arena nicht, ich hatte mich bisher eher auf das Spielfeld und unsere Gegner konzentriert gehabt. Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass ich den restlichen Bereich überhaupt betreten würde. Ich sondierte meine Umgebung und entdeckte einen Gang an dessen Decke ein Schild mit dem Wort „UMKLEIDE" an drei von eigentlich vier Seilen hing. Schnellen Schrittes stapfte ich in die Richtung. Ich wollte auch nach frischer Kleidung für uns gucken, damit wir nicht weiter in diesen nassen Klamotten herum laufen mussten. Der erste Raum den ich betrat beinhaltete keine Decken. Im zweiten Raum fand ich nur Jacken, die aber zu klein waren um irgendwen von uns auch nur annähernd zu wärmen. Im dritten Raum waren zwei kleine Duschkabinen. Ich rief mir den Weg dorthin wieder in Erinnerung, ich wollte dem Mädchen, dass Daichi gerettet hatte auf jeden Fall den Weg beschreiben wenn ich wieder zurück bei den anderen war. Genau so wie Aria.
Im vierten Raum wurde ich endlich mehr oder weniger fündig. Er beherbergte zwei Decken, die ich mir schnappte und mich mit ihnen wieder auf den Weg zu den anderen machte. Unterwegs schnappte ich aber leise Gesprächsfetzen auf, die mich hellhörig werden ließen.
„...der Junge... außer Gefecht" Ich stutzte. Damit konnte nur Daichi gemeint sein.
„Ich weiß..." Den Rest des Satzes verstand ich nicht, er ging in dem Husten einer anderen Person unter. Ich folgte dem Gespräch und blieb etwas von einem Fenster entfernt stehen.
„Was machen... jetzt?" Ich konnte wesentlich mehr verstehen.
„Es gibt noch zwei in der Reihe, die keinem Team zugewiesen werden konnte, da sie eine Person zu wenig gewesen wären. Wir ordnen ihnen per los einen dieser beiden zu. Dann müssen sie sich eben damit arrangieren." Ungläubig versuchte mein Gehirn das gerade gehörte zu verarbeiten. Die wollten Aria und mich doch nicht wirklich wieder da raus schicken. Ich wusste, dass sie nicht die Kraft dafür hatte und ich genauso wenig.
„Was machen wir mit dem Erdbändiger-jungen? Er braucht Hilfe." Die andere Stimme klang genervt, als sie antwortete:
„Ruf eine Ambulanz" Ich hörte nichts mehr, also ging ich davon aus, dass die Person die gefragt hatte nickte.
„Wenn du verkündest, dass per Los entschieden wird wer die beiden unterstützt wird das gute PR. Niemand hat mitbekommen, dass der Junge nicht mehr aufgetaucht ist. Es wird so aussehen, als hätten wir alles getan um ihm zu helfen, schließlich haben wir die Sanitäter gerufen. Außerdem kannst du dazu sagen, dass sie, wenn das Team gewinnen sollte, alle vier freie Menschen sind. Dieses Spiel wird in die Geschichte der Arena eingehen." Die Person die sprach klang hocherfreut. Ich musste mich beinahe dazu zwingen die andere Richtung einzuschlagen. Der fremde Junge tat alles erdenkliche um Daichi zu helfen und die Spielleiter saßen herum und freuten sich darüber, dass sie das Lob dafür einheimsen können.
Schnellen Schrittes machte ich mich auf den Weg zurück und legte die Decken auf einem der Stühle ab. Ich wollte den anderen davon erzählen was ich gehört hatte, aber die Information schob ich zurück. Stattdessen ging ich auf das Mädchen zu, welchem ich eben geholfen hatte.
„Wenn du möchtest kannst du duschen, ich habe eine Dusche gefunden, es gibt dort sogar Handtücher" Es war banal wie sehr ich mich über diese blöden Handtücher freute. „Ich könnte dir in der Zeit trockene Klamotten organisieren." Ich sah zu Aria, die etwas neben der Spur wirkte. „Du kannst auch duschen gehen, dann musst du hier nicht herum sitzen." Sie nickte und stand auf. Ich beschrieb den beiden den Weg und kniete mich dann noch einmal neben Daichi.
„Kann ich dir irgendwie helfen?", fragte ich den fremden Jungen.

Shina Sakamaki
von Mila-Grosa am 21.12.2021 10:50Als ich endlich am oberen Ende der Leiter ankam war das Mädchen mit den roten Haaren die Erste, die ich sah. Ich ergriff ihre Hand und zog mich schwerfällig nach oben. Noch immer fühlten sich meine Beine seltsam klobig an. Hätte sie mich nicht festgehalten wäre ich wahrscheinlich in mich zusammengesunken.
Dann fiel mein Blick auf Hiroko. Eine Welle des Glückes durchströmte mich bei seinem Anblick, die aber kurz darauf wieder abebbte als ich begriff, dass er den Jungen reanimierte.
Der Wasserbändiger, der mich aus dem Wasser gezogen hatte, kniete sich kurz neben ihn, ehe er sich wieder erhob und verkündete, einige Decken organisieren zu wollen.
Nachdem er verschwunden war, ging ich mit etwas wackeligen Schritten zu meinem Bruder und sank ihm gegenüber auf die Knie. Unnachgiebig drückte er im gleichmäßigem Abstand auf die Brust des Jungen ein. Dieser zeigte nach wie vor keinerlei Regung. Stumm zählte ich mit, wie oft mein Bruder die Hände nach unten drückte als er mit einem Mal aufhörte.
,,Shina, es... wie oft muss ich drücken, ich..."
,,Nicht aufhören!", ermahnte ich ihn. Meine Stimme hörte sich sonderbar fremd an. Ich schluckte während Hiroko mit der Druckmassage weitermachte. Dreizehn, Vierzehn, Fünfzehn...
,,Du musst...", begann ich, aber ich konnte nicht weitersprechen. Wie oft musste er drücken? Zwangzig Mal? Oder doch öfter? Ich... ich wusste es nicht mehr.
In meinem Kopf machte sich ein pochendes, hitziges Gefühl breit und ich fasste mir an die Stirn. Nicht nur, dass meine Finger eiskalt waren. Sie zitterten. Wie der Rest meiner Hand auch. Jedoch lag das nicht an der Kälte.
Hiroko merkte sofort, was mit mir passierte und sagte so ruhig wie möglich: ,,Shina, du weißt, dass ich in sowas nie gut war, aber du schon! Du weißt es. Versuche dich zu erinnern, Shina bitte! Für ihn. Bitte!"
,,Ich..." Tränen traten mir in die Augen und verschleiherten mir die Sicht. Das Bild vor mir verschwamm. Und in dieser Verschwommenheit glaubte ich, etwas Schwarzes zu erblicken. Ein kleines, in Leder gebundenes Buch mit goldenem Siegel. Nicht irgendein Buch. Es war mein Buch. In den Händen jenes geliebten Menschen, welcher es mir vor neun Jahren geschenkt hatte. Zu meinem Geburtstag am...
,,Dreißigsten Mai!", hörte ich mich sagen. Meine Tränen begannen sich aus den Augenwinkeln zu lösen und flossen über meine Wange. Schnell wischte ich sie mir weg und sah meinem Bruder in die Augen. ,,Du musst dreißig Mal drücken und dann zwei Mal beatmen."
Hiroko nickte einmal kräftig und drückte weiter, ehe er sich über den Kopf des Jungen beugte und diesen nach hinten überstreckte. Ich behielt während seiner Atemspende den Brustkorb im Auge, aber noch setzte keine selbstsändige Atmung ein. ,,Von vorne.", wies ich ihn an.
Hiro begann erneut mit der Druckmassage, zunächst leider ohne Erfolg. Doch dann zuckte der Körper des Jungen und er spuckte einen Schwall Wasser aus. Er hustete und würgte solange, bis seine Atemwege frei waren. Seine Augen öffneten sich und zuckten, vom grellen Licht geblendet, hektisch hin und her, doch nach und nach brachte er seinen sich überschlagenen Atem in einen gleichmäßigen Rhythmus und beruhigte sich. Seine Augen schlossen sich zwar wieder, aber er atmete. Hiroko hatte es geschafft!
Langsam erhob ich mich wieder während er den Jungen behutsam in die stabile Seitenlage brachte und dabei beruhigend auf ihn einredete. Ein unsagbar großer Stein fiel mir vom Herzen und ich wäre meinem Bruder am liebsten um den Hals gefallen. Aber noch war es nicht vorbei.
,,Er muss dringend ins Krankenhaus.", sagte Hiro ernst. ,,Weiß jemand, ob die Rettung schon alamiert worden ist?"
Gerade wollte ich ihm antworten als der Wasserbändiger wieder zu uns kam, auf dem Arm einen Stapel Handtücher haltend, die er dann ablegte. Jetzt wo die Spannung allmählich abfiel, bemerkte ich erst, wie durchgefroren ich war. Das hitzige Gefühl in meinem Kopf war weg, jetzt zitterte ich nur wegen der Kälte.
Noch immer war mir komisch zu Mute. Unsicher schaute ich zu meinem Bruder, dem ich gerade jetzt am liebsten nicht von der Seite gewichen wäre, aber er nickte mir nur aufmunternd zu. ,,Ist schon okay.", formten seine Lippen.
Ich antwortete mit einem leichten Lächeln. ,,Gerne.", meinte ich dann zu dem Wasserbändiger und ging dann, gemeinsam mit dem rothaarigen Mädchen in die von ihm beschriebene Richtung. Nach einigen Metern blieb ich stehen, da mir eingefallen war, dass ich mich noch gar nicht bei ihm bedankt hatte und noch nicht mal seinen Namen kannte. Ich beschloss, das später nachholen zu wollen und setzte meinen Weg fort.
Hiroko Sakamaki
,,Du könntest deine Bändigungskraft einsetzen. Seine Brandwunden müssen gekühlt werden.", antwortete ich ihm und zog meine Jacke aus. Vorsichtig hob ich Daichis Kopf ein wenig an und bettete ihn darauf ab, damit er ein wenig weicher lag. Als ich meine Hände besah, klebte Blut daran. Leider hatte ich sonst nichts bei mir, was als Verbandszeug herhalten konnte. Wenn die nächsten Minuten niemand eintraf, der seine Versorgung übernehmen würde, mussten wir oder zumindest ich zusehen, dass er ärztliche Hilfe bekam. Zwar atmete er wieder, aber aufgrund seiner Kopfverletzungen könnte er jederzeit wieder instabil werden.
Während Ryo sich um Dachai kümmerte holte ich die Handtücher, die er gefunden hatte, und breitete sie über den verletzten Erdbändiger aus. So konnte er zumindest nicht weiter auskühlen.
Weil mich die Ereignisse seelisch doch ziemlich geschlaucht hatten lehnte ich mich an eine der verlassenen Sitzbänke zurück und atmete tief durch. Was war hier nur passiert? Wie konnte ein durch und durch strukturierter Kampf so dermaßen aus dem Ruder laufen, sodass einer der Teilnehmer fast mit dem Leben bezahlen musste? Das wussten nur Ryo selbst, seine Partnerin Aria und meine Schwester.
Ihn wollte ich nicht fragen, weil er gerade mit Daichis Versorgung beschäftigt war und sicher genauso unter Strom stand wie die anderen. Ich musste an Shina denken. Der Vorfall hatte sie ziemlich gestresst. So sehr, dass sie wieder einen amnestischen Anfall hatte, den sie aber glücklicherweise schnell überwinden konnte. Beinahe kam ich mir albern vor, in der Hektik so etwas einfaches und lebenswichtiges wie den Ablauf einer Herzdruckmassage vergessen zu haben. Shina kannte den Ablauf genau, sie hatte in ihrer Freizeit schon oft an Erste-Hilfe-Kursen teilgenommen. Aber das gerade war zu viel.
Ich blickte wieder zu Ryo. Beinahe konnte ich mich überwinden, ihn doch zu den Geschehnissen zu befragen, meinte dann aber nur: ,,Danke, dass du meiner Schwester geholfen hast."
Ryo Nakamura
von Pads am 26.01.2022 20:58Ich war unglaublich erleichtert, als ich sah, dass Daichi atmete. Vorsichtig begann ich damit seine Brandwunden zu kühlen. Ich hatte Angst, dass er wieder aufhörte zu atmen wenn ich nichts tat. Irgendwo im Hintergrund hörte ich Sirenen.
Ich holte mir das Wasser aus dem Becken und ich war mir sicher, dass das eigentlich nicht erlaubt war, aber das war mir jetzt herzlich egal. Ich konzentrierte mich darauf Daichi nur zu kühlen und ihn nicht zu ertränken, versuchte das Wasser von seinem Gesicht fern zu halten. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie er versuchte seine Hand zu bewegen und hörte wie er vor Schmerzen stöhnte.
„Bleib am besten ruhig liegen, die Sanitäter sind gleich da, hörst du?" Ich deutete in die Richtung aus der die Sirenen kamen, mir wurde aber direkt darauf bewusst wie dämlich die Aktion warm da Daichi immer noch seine Augen geschlossen hatte. Er öffnete seinen Mund um etwas zu sagen, aber seine Kehle verließ nur ein Krächzen.
„Schon deine Kräfte Daichi. Ich und... Wir sind hier." Ich wusste nicht, wie der Junge mir gegenüber hieß, also übersprang ich seine Anrede lieber direkt. Plötzlich überkam mich eine unglaubliche Müdigkeit, ich war am Ende mit meinen Kräften. Aber ich konnte es mir nicht erlauben jetzt zusammenzubrechen, ich musste auf den Krankenwagen warten. Und ich musste das Spiel zusammen mit Aria gewinnen. Ich wollte mir gar nicht vorstellen, was wäre würden wir nicht gewinnen. Es war viel auf einmal, aber ich war mir sicher Aria würde das schaffen. Und ich musste das auch schaffen.
Man konnte erahnen, dass Daichi nickte, wirklich sehen tat man es nicht. Er schloss seinen Mund wieder und blieb ruhig vor mir liegen. Ein bisschen war es wie vorhin und ich hatte abermals Angst, dass er aufhörte zu atmen, aber seine Brust hob und senkte sich regelmäßig, was mich dann doch ein bisschen beruhigte. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem schmerzverzerrten Grinsen.
„Ich verspreche dir, dass die Sanitäter dir gleich helfen. Und Aria und mir geht es gut. Du bist aus dem Schneider, du brauchst keine Angst mehr haben eingesperrt zu werden, wenn es dir wieder gut geht, bist du ein freier Mann Daichi" Ich versuchte Begeisterung in meiner Stimme mitschwingen zu lassen und ich war mir sicher, dass Daichi unter normalen Umständen hören würde, dass ich nicht wirklich zuversichtlich war. Aber unter diesen Umständen fragte ich mich, wie viel er von dem was ich sagte überhaupt mitbekam.
Ich drehte mich zu meinem Gegenüber um und öffnete meinen Mund zum reden, ich musste loswerden was ich eben gehört hatte.
„Wir werden weiterspielen müssen, Aria und ich. Für Daichi wurde eben eine Ambulanz gerufen, damit die Spieleleiter den Ruhm für seine Rettung einheimsen können. Wir werden per los einen der beiden nicht zugewiesenen Spieler bekommen.", sprudelte es aus mir heraus. „Ich hoffe so sehr, dass Aria nicht zusammenklappt wenn ich es ihr berichte. Immerhin kann sie eben duschen, aber ich will eigentlich nicht, dass sie wieder alleine da raus muss. Ich möchte auch nicht wieder da raus. Es ist einfach so unfair."
Aria Kinoshita
Ich spürte den Drang etwas zu sagen, aber ich wusste nicht wirklich was, also schwieg ich und ging schweigend neben dem anderen Mädchen her. Wir folgten Ryos Wegbeschreibungen und machten vor dem entsprechenden Raum halt. Mit einer ausladenden Handbewegung bedeutete ich ihr, dass sie vor gehen sollte, was sie auch tat. Ich folgte ihr in die Kammer, als die man es eher betiteln konnte als einen Raum. Es gab vorne eine kurze Bank auf der Handtücher lagen und hinten waren zwei kleine Duschkabinen, in der man sich, vermutlich wenn überhaupt sehr unkomfortabel, kaum drehen konnte. Ich griff nach einem der Handtücher um es vor die linke Duschkabine zu legen, ich würde es brauchen.
„Danke, dass du Daichi gerettet hast", sagte ich nun doch, während ich meinen Kampfanzug los wurde. Ich wusste gar nicht, wie ich meine Ehrfurcht in Worten ausdrücken sollte. An ihrer Stelle hätte ich vermutlich lange nicht so ehrenhaft reagiert. Vermutlich hätte ich einfach nur ausdruckslos oben am Geländer gestanden. „Ich bin übrigens Aria" Ich nickte ihr zu.
„Ich hoffe Ryo kommt rechtzeitig mit den Klamotten und lässt uns nicht allzu lange warten.", lachte ich dann.

Re: Avatar oder die Legende von Korra RPG
von Mila-Grosa am 07.02.2022 23:44Hiroko Sakamaki
Der Klang seiner Stimme verriet mir, dass er nicht zu denen gehörte, die freiwillig an diesen Spielen teilnahmen. Und das Mädchen - diese Aria - auch nicht. So oder so, er hatte mit dem, was er sagte, recht. Die Spiele würden bis zum Schluss durchgezogen werden, ganz egal, wie viele Verletzte es noch gegeben hätte und vielleicht noch geben wird. Gut für die dadurch profitierenden Spielemacher und den ignoranten Hohlköpfen im Publikum, denen weiterhin eine gute Show geboten wird. Aber für die Spieler selbst... zumindest für die aus Ryos Team... das war mehr als unfair! Das war menschenverachtend! Ganz egal aus welchem Grund sie in dieser Arena sein mussten!
Bekümmert blickte ich auf den verletzten Daichi herab. Noch immer ertönte ein leises Stöhnen aus seiner Kehle, aber er wirkte jetzt ein wenig ruhiger. Ryo wich nicht von seiner Seite. Auch nicht, als sich ein Trupp weiß gekleideter Männer mit einem Ärztekoffer und Trage durch die Menschen drängte und auf uns zustapfte. Die Sanitäter schoben sich unwirsch an uns vorbei, führten ihrerseits noch einige letzte Untersuchungen an ihm durch und hievten ihn schließlich auf die Trage.
Obwohl ich wusste, dass Daichi jetzt in guten Händen war, hatte ich ein ungutes Gefühl im Bauch. Nicht wegen ihm, sondern wegen seinen Teamgenossen. Ein Blick auf die Ehrentribüne und es war klar, dass die Spiele bald weitergehen würden. Für Ryo und Aria war es noch nicht vorbei. Und nach dem, was sie eben erleben mussten, war es fraglich, ob sie die nächsten Runden weiterhin heil überstehen könnten. Ryo schien einen ähnlichen Gedanken zu haben, dass sagte zumindest sein Blick aus. Gerne hätte ich etwas aufmunterndes gesagt, aber ich wusste zum einen nicht, was, zum anderen, wie er darauf reagieren würde. Also schwieg ich und stand stattdessen auf. Meine Jacke, die als Unterlage für Daichis Kopf gedient hatte, war von Wasser und Blut total durchnässt. Ich knüllte den verdreckten Stoff mit einer Hand zusammen und berührte mit der anderen Ryos Schulter. ,,Wir können hier nichts mehr tun, Ryo. Lass uns nach den Mädchen suchen. Sie werden noch Hilfe benötigen, vermute ich."
Shina Sakamaki
,,Das hoffe ich auch.", antwortete ich. Meine Stimme klang brüchig und heißer, weswegen ich mich räusperte, um ihr einen etwas festeren Klang zu verleihen. ,,Ich freue mich, dich kennenzulernen. Ich heiße Shina. Shina Sakamaki."
Mit steifen, vor Kälte immer noch zittrigen Fingern machte ich mich daran, mir den klatschnassen Pullover über den Kopf zu ziehen und ließ ihn zu Boden fallen. Für die restlichen Klamotten drehte ich mich weg, damit sowohl sie sich als auch ich mich unbeobachtet entkleiden konnte. Ich war noch nie eine Freundin von Sammelduschen und empfand es heute noch als höchst unangenehm, mit anderen Menschen zusammen zu duschen. Aber jetzt nagte die Kälte an mir und ich freute mich, als ich kurz darauf das heiße Wasser über meinen Körper laufen lassen konnte.
Nachdem ich mich weitestgehend aufgewärmt hatte fiel es mir leichter, zu reden. Es war eigentlich nicht mein Ding, das Wort zu ergreifen, weil ich für gewöhnlich nicht wusste, was ich erzählen sollte, aber jetzt verspürte ich das Bedürfnis, mit Aria zu sprechen. ,,Ich habe euren Kampf gesehen. Ich habe gesehen, wie ihr von der Plattform geschleudert worden seid und wie der Junge... wie Daichi... wie er nicht mehr aufgetaucht ist. Ich... weiß nicht, woher ich plötzlich diesen Impuls hatte, aber ich hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen, weil sonst keiner etwas unternahm. Mein Bruder war nicht da, und die Leute um mich herum... ich habe mich wie in einer Luftblase gefühlt. Ich habe... nicht mehr gehört, nichts mehr gesehen... ich bin einfach über diese Brüstung und dann ins Wasser."
Ryo Nakamura
von Pads am 10.02.2022 20:27Ich nickte zustimmend. Es missfiel mir zwar, Daichi mit den Sanitätern und dem Arzt alleine zu lassen, aber mehr konnte ich wirklich nicht mehr für ihn tun, da hatte er schon Recht. Trotzdem: Daichi war wohl kaum in der Lage für sich selbst einzustehen in seinem Zustand und ich wäre viel lieber an seiner Seite geblieben um alles für ihn zu regeln. Irgendwie erinnerte er mich zu sehr an einen meiner Brüder. Ich versuchte den Gedanken an Daichi zu verdrängen und mich darauf zu konzentrieren den Weg zu den Mädchen zu finden. Wir sammelten auf dem Weg trockene Kleidung ein und blieben dann vor der Tür zu den Duschen stehen. Vorsichtig klopfte ich an, öffnete aber die Tür nicht, da ich nicht wollte, dass eine der beiden sich unwohl fühlte.
Ich fühlte mich unwohl mit den Nachrichten, die ich Aria überbringen musste. Irgendwo fühlte ich mich schuldig an der Misere, auch wenn ich sehr genau wusste, dass ich nicht daran Schuld war, in keinster Weise. Wenigstens würde sie das ganze von einem Freund erfahren und nicht von einem Spielleiter, kurz bevor die Runde begann.
„Wir haben trockene Kleidung für euch. Und für dich, Aria, einen neuen Anzug, damit du gleich wieder antreten kannst. Denn das müssen wir, aber wir schaffen das und werden als Sieger hier raus gehen, klar? Wir lassen uns nicht nieder machen, nicht von Menschen, die bei so etwas zu sehen und sich dazu entscheiden nichts zu tun. Mir wird schlecht bei der Vorstellung ich würde so handeln."
Aria Kinoshita
Ich lächelte zufrieden unter der Dusche. Für einen Moment vergaß ich völlig, aus welchem Grund und wofür ich hier war. Ich genoss einfach nur das lauwarme Wasser und wollte die Dusche nie wieder verlassen. Ich war nicht der größte Fan vom duschen, aber nach den Strapazen die wir durchgemacht hatten konnte ich es mehr als gebrauchen. In mir löste sich die ganze Anspannung und ich hatte das Gefühl gleich auf den Boden zu sacken. Stattdessen taten das meine Tränen. Ich konnte kaum fassen, was ich da eben miterlebt und vor allem auch gesehen hatte. Ich konnte nicht fassen, dass niemand außer diesem Mädchen, Shina Sakamaki, etwas getan hatte. Aber gleichzeitig war ich so unendlich froh, dass sie so selbstlos und unüberlegt gehandelt hatte. Ich suchte nach Worten um ihre Tat zu beschreiben, ihr zu danken. Aber es war kaum in Worte zu fassen.
„Ich bin dir so unendlich dankbar, Shina Sakamaki, dass du Daichi gerettet hast." Ich versuche so ruhig wie möglich zu sprechen und meine Tränen nicht durchklingen zu lassen. „Ich möchte mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn..." Ich schaffte es nicht weiter zu sprechen, zu grauenvoll war die Vorstellung. „Ich weiß nicht, ob ich in dieser Situation so ehrenhaft reagiert hätte. Ich glaube kaum einer hätte das getan. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie grauenhaft das für dich gewesen sein muss."
Ich hörte ein Klopfen, aber ich wollte nicht herein sagen und für 'Hallo?' war ich zu langsam. Erleichtert atmete ich aus, als ich Ryos vertraute Stimme von der anderen Seite der Tür vernahm. Als ich jedoch seine erschütternde Nachricht hörte zog meine Brust sich zusammen und ich hatte das Gefühl ich bekam keine Luft mehr. Ich hatte selbst keine Ahnung, was ich erwartet hatte, aber ganz sicher nicht, dass wir sofort wieder da raus mussten und das Spiel weiter geführt werden würde. Ich wollte da nicht wieder raus, aber ich wusste genau, dass daran kein Weg vorbei führen würde. Ich musste wieder da raus, und Ryo genauso. Mir wurde schlecht bei dem Gedanken wieder dort draußen zu stehen und gegen unser Gegnerteam zu kämpfen. Ich wollte einfach nur noch nach Hause, aber das war auch keine Option. Ich realisierte, dass ich absolut keine Wahl hatte, also rappelte ich mich zusammen. Ich schaltete die Dusche aus und wickelte mir ein Duschhandtuch um meinen nackten Körper.
„Du kannst die Tür ein wenig öffnen und die Kleidung auf den Boden legen. Ich bin in knappen fünf Minuten startbereit."



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