Das super coole TM original RPG mit coolen Leuten (do not steal)
Erste Seite | « | 1 ... 12 | 13 | 14 | 15
[ Nach unten | Zum letzten Beitrag | Thema abonnieren | Neueste Beiträge zuerst ]
🐏
von Selo03 am 14.05.2023 23:48"mhmm..." Eine kleine weile verging nun, während ich weiterhin geduldig auf Enos erwachen wartete. Meine Augen geschlossen und mein Kinn an meiner Hand angelehnt... Ich könnte selber jetzt noch jeden moment in den Schlaf geraten, ich spürte wie die leichte schwere meines Körpers langsam auf mich fiel.. war ich denn wirklich so erschöpft? wenn ich so darüber nachdenke...war es natürlich schon ein sehr langer Tag.. es ist vieles passiert.. aber eigentlich.. Ich seufzte. Ich weiß ja auch nicht.. irgendwie kommt mir es seltsam vor... aber nun ja.. jetzt habe ich wenigstens etwas Zeit um mich zu erholen. Es tat jedenfalls gut..
Langsam vernahm ich eine leise sowohl als auch eine zerbrechliche Stimme "S-Selo?" ... "Wo ist...mein Schiff?" Ich erbilickte zu ihm, zu Eno.. Er war wieder Wach doch noch immer schwach.. Warte- Schiff? Was für ein Schiff? Wie kommt er denn darauf.. bedeutet es etwa er besitzt ein Schiff? Das ist aber echt cool.. Meine Augen leuchteten auf für einen Moment auf bis ich schnell meinen Kopf schüttelte. Warte stop- das ist nicht der richtige Zeitpunkt um beeindruckt zu sein- Gedanken wie diese von seiner können auch vom Nahtod kommen.. vorallem wenn ihm sein Schiff wichtig ist, immerhin ist es das erste wonach er nach seinem erwachen gefragt hat. Ich atmete noch einmal ein und sprach lansam zu ihm "Hier ist kein Schiff.. hast du geträumt?" Ich beugte leicht meinen Kopf auf die seite "...Wie fühlst du dich, Eno? Magst du mir erzählen was passiert ist..?" fragte ich vorsichtig und versuchte ihn mit einem zutraulichen Blick anzusehen.

Re: Das super coole TM original RPG mit coolen Leuten (do not steal)
von David am 14.08.2023 17:21Ein stechender Schmerz durchfährt meinen Kopf wie ein Pfeil, der mir in die Stirn geschossen wurde. Ich erinnere mich, einen Säbel auf das Plakat mit meinem Gesicht gejagt zu haben, und meine Erinnerung ist so klar, dass sie mir real erscheint. Ich schaue auf mich hinunter, auf meine Kette, die ich aus dem Meer gerettet hatte, auf meine blutverschmierten Hände. Und dann sehe ich wieder zu Selo, die ihren Kopf leicht zur Seite geneigt hat und mich neugierig ansieht. Ich schüttle den Kopf, zu verwirrt, um zu antworten. Dann blicke ich nach oben, in ein grelles, flackerndes Licht, das mir die Augen zusammenkneift. Als ich die Augen schließe, spüre ich wieder das Schaukeln meines Schiffes, das Salzwasser in meinem Mund. Einen Moment halte ich inne, spüre den Geschmack von Meersalz auf meiner Zunge. Aber als ich sie wieder öffne, ist alles verschwunden, was auch nur im Entferntesten mit meinem Schiff oder dem Meer zu tun hat. Selo sieht mich noch immer aufmerksam an und scheint auf eine Antwort zu warten. Ich gebe ihr nur einen tiefen Seufzer, gefolgt von der Frage: "Wo... bin ich?"
Meine Stimme ist heiser und schwach und tut weh. Ich versuche, meinen Fokus von den Schmerzen weg auf Selo zu lenken, aber ich bleibe an dem Blut an meinen Händen hängen und mir wird schwindelig, als ob mein Schiff stark geschaukelt hätte. Und in meinem Kopf zieht ein Sturm auf und es donnert und es blitzt und es hört nicht auf.

Mamiko
von Miau-Wau am 03.09.2023 22:42Das Lachen tut uns beiden gut. Nach allem, was heute passiert ist, wollen sich alle vermutlich nur noch ausruhen. Aber das können wir natürlich nicht. Nicht, solange wir nicht wissen, wer uns auflauert. Mein Lachen verstummt und ich lehne mich wieder an Tibi. Neben mir beginne ich, einen Turm aus Kieselsteinen zu bauen, der immer wieder zusammenfällt und dabei die Stille der Nacht ausfüllt.
In meinem Kopf lasse ich den Tag revue passieren.
Das Auftauchen von Nosic. Selo, die zufällig ein passendes Gegenmittel hatte.
Das Verschwinden der Menschen.
Eno, wie er uns alle aufgeteilt und losgeschickt hat.
Der Supermarkt und das komische Buch.
Das komische Mädchen, das aus dem Nichts auftaucht und einfach wieder verschwindet.
„Du hast etwas, das mir gehört."
Der Angriff.
Eno.
„Sag mal...", starte ich einen Satz.
„Hm?" Tibi dreht sich ein Stück zu mir.
„... Ach nichts."
Dann sitzen wir wieder eine ganze Weile lang schweigend da. Ich kann nicht glauben, dass Randomy immer noch bewusstlos ist. Für einen Menschen wäre das sicherlich nicht normal. Aber da wir es hier nicht mit einem Menschen zu tun haben, bin ich nicht sicher, ob wir überhaupt etwas tun sollten oder ob wir nicht schon zu viel angerichtet haben. Deshalb warten wir einfach ab.
Und obwohl alles um uns herum so still ist gibt mein Kopf mir keine Ruhe. Ich frage mich, wie das Leben für Jemanden sein muss, der nicht dauerhaft Klänge hört. Wenn man einfach mal den Frieden genießen kann. Ob Tibi das kann? Ich drehe meinen Kopf ein Stück weit nach rechts, um sie aus dem Augenwinkel sehen zu können. Alles, was ich dabei sehen kann, ist ihr Rücken und ihr braunes Haar. Ich sehe wieder auf meinen zusammengefallenen Steinturm und baue.
„Wir haben doch vorhin über Hobbys gesprochen." Eine Glöckchenstimme ertönt. Danach ein paar fallende Kieselsteine. Ich hatte nicht erwartet, dass sie plötzlich ein Gespräch anfängt.
„Oh entschuldige. Hab ich dich erschreckt?"
„Nein, nein. Alles in Ordnung."
„Ok, gut", sagt Tibi erleichtert, „Also. Schreibst du gerne, so wie Randomy gesagt hat?"
„Nicht Schreiben. Malen."
Ich spüre, wie Tibis Rücken sich von meinem löst und sie sich ganz zu mir dreht. Ich hingegen erwidere die Geste eher halbherzig.
„Wow, das ist toll! Ich konnte nie so richtig malen, deshalb bewundere ich Leute, die Talent für sowas haben", lächelt sie.
„Das hat doch nichts mit Talent zu tun..." Ich sehe auf den Boden. Sie denkt also auch, dass es Talent ist. Sie sieht mich verwundert an. „Was meinst du?"
„Na... das... kann man doch alles lernen. Es ist nichts Besonderes." Jeder kann das schaffen, mit nur ein bisschen Willenskraft. Niemand ist doch von irgendeiner Fähigkeit ausgeschlossen, nur weil er kein Talent hat. So etwas wie Talent kann es doch gar nicht geben. Warum versteht sie das nicht?
„Was meinst du? Ich raff's einfach nicht. Sprich mal Klartext!"
„Mach ich doch!"
Tibi lächelt.
„Du meinst also, dass es jeder schaffen kann, wenn er nur hart genug dafür arbeitet?" Ich sehe sie an.
„Mach dir keine Sorgen. Ich hab dich verstanden. Und ich bin sicher nicht die Einzige. In deinem Leben wird es bestimmt noch mehr Menschen geben, die dich verstehen. Auch wenn du dich manchmal echt sehr dämlich ausdrückst."
„Was gibt's da zu lachen..."
„Du..", hauche ich hervor.
„Hm?" Tibi legt den Kopf schief.
„Gar nichts. Das war genau das, was ich sagen wollte." Ich sehe wieder auf den Boden.
Tibi lacht kurz auf. „Ich find's toll, dass wir uns so gut verstehen. Aber sag mal, während wir hier so auf Dornröschen warten... wie wär's, wenn du mir mal deine... hart erarbeiteten Fähigkeiten demonstrierst?" Während sie das sagt, macht sie eine Bewegung, die so aussieht, als wollte sie mit ihren Muskeln angeben. Schon irgendwie lustig. Ich überlege. Was spricht schon dagegen. Solange ich nicht zu viel Tinte verbrauche, sollte es schon gehen.
Ich greife meinen Rucksack und öffne ihn. Ein unappetitlicher Anblick streckt sich mir entgegen. „Urgh..."
Auch Tibi linst neugierig hinein. „Oh nein..."
Die Tintenpatronen, die ich vor zwei Stunden hastig eingepackt hatte, sind allesamt ausgelaufen. Auf meinem Papier – nicht ganz mein Papier, aber wen kümmern die Einzelheiten – breiten sich schwarze Flecken aus, von meinem Rucksack ganz zu schweigen. Ich bin nur froh, dass man außen nichts sieht. Eilig packe ich alles aus. Meine Finger sind jetzt auch ganz schwarz. „Bleib lieber weg davon", rate ich Tibi. „Okay." Ich werde definitiv neues Papier und neue Schreibutensilien brauchen. Nicht nur, um Tibi ihren Wunsch zu erfüllen, sondern auch, um kämpfen zu können. Ich muss nochmal los. Am besten sofort. Wer weiß, wann wir angegriffen werden. Randomy ist außer Gefecht gesetzt, immer noch. Tibi kann kämpfen. Glaube ich. Hoffe ich. Bis zum Supermarkt ist es nicht weit. Mit Randomy im Schlepptau haben Tibi und ich kaum Strecke überwunden und uns den nächstbesten Rastplatz gesucht. Ich kann schnell zurück sein.
Allerdings wartet Eno im Supermarkt. Allein der Gedanke macht mich rasend. Um unser beider Willen sollte ich ihn vorerst meiden. Wie gut, dass wir Drei alles gut durchgegangen sind. Ich kenne ein paar Ecken und Umwege, damit ich Eno nicht begegnen muss. Selo wird wohl auch noch bei ihm sein. Wenn ich so drüber nachdenke möchte ich mir vor ihm sowieso nicht die Blöße geben. So ein Fauxpas würde seinem Ego zu sehr schmeicheln. „Das hier bleibt unter uns, okay?", bitte ich Tibi. „Natürlich!" Übermotiviert und gespielt ernst salutiert sie. Ich seufze. Dann sehe ich sie an.
„Hör mal, ich werde mir neues Papier besorgen gehen. Ich bin bald wieder da. Kannst du kämpfen?" Tibi überlegt, dann nickt sie zögerlich. „Sollte ich schaffen, ja." Ich bin besorgt. „Bist du sicher?" Sie muss sich und Randomy verteidigen können, während ich weg bin. Andernfalls bleibt mir keine andere Wahl, als zu warten.
„Ja, ja ich bin sicher. Was ist mit dir?"
„Ich schaff' das schon. Es ist ja nicht weit. Hier hab ich noch ein brauchbares Papier. Und mit der Menge an Tinte an meinen Händen wird ein Pinsel oder sonstiges nicht nötig sein. Außerdem bin ich auf dem Rückweg ja wieder vollends gewappnet." Ich bin bereit, zu gehen.
„Du scheinst dir das schon gut überlegt zu haben." Tibi steht auf. „Weißt du was? Ich vertraue dir. Also vertrau du mir auch. Ich krieg' das hier schon hin. Und du beeilst dich und kommst heile wieder an."
Ich stehe auch auf. „Verstanden." Sie lächelt mich an. Ich lächele zurück.
„Bis gleich."
„Bis gleich!"
Damit mache ich mich auf den Weg zurück zum Supermarkt. Es dauert wirklich keine drei Minuten, bis ich ankomme. Vor wenigen Momenten noch, als Tibi und ich gemeinsam Randomy getragen haben, hat der Marsch doppelt so lange gedauert. Wir müssen uns wohl einfach noch ein besseres Teamwork zulegen. Aus dem Inneren höre ich dumpfe Stimmen. Das müssen Selo und Eno sein. Sie haben sich wohl nicht großartig fortbewegt. Mein Glück.
Vorsichtig trete ich durch das zerbrochene Glasfenster und sehe zu, innen auf keine Scherben zu treten. Meine Schuhe sind zwar dick genug, aber ich habe nicht vor, auch nur ein einziges Geräusch von mir zu geben. Eno und Selo sind zu nah.
Ich halte mich nah an der Wand und sehe abwechselnd zu Boden und den anderen Beiden. Anführer samt Schoßhündchen zeigen mir ihre Rücken. Nicht wagend zu atmen hangele ich mich weiter. Ein Blick zur Wand verrät mir allerdings, dass meine Hände tintige Abdrücke hinterlassen haben. Verdammt. Aber die machen immerhin keine Geräusche. Also kann mir das erst einmal egal sein. Ich beobachte Eno wieder. Es scheint ihm wirklich nicht gut zu gehen. Ein Blick zurück zum Boden. Dose! Augenblicklich friere ich ein und halte den Atem an. Fast draufgetreten.
Endlich erreiche ich den Schreibwarenladen. Bevor ich jedoch neues Papier mitnehmen kann, muss ich diese schreckliche Tinte loswerden. Normalerweise ist eine Kasse gut ausgestattet. Ich sehe mich um und entdecke eine ganz in der Nähe des Eingangs. Behutsam schleiche ich dorthin. Ein Schrank. Nicht abgeschlossen. Hier scheinen alle vor Feierabend verschwunden zu sein. Mit zitternden Händen öffne ich die Türen. Ein Knarzen erfüllt den Raum und ich beiße mir auf die Zähne. Seid doch still! Sofort stoppe ich die Bewegung und horche auf. Nichts. Keine Schritte. Keine lauter werdenden Stimmen. Meine Hände bewegen sich wieder und ich find tatsächlich so etwas wie eine Küchenpapierrolle im Inneren.
Mit endlich mehr oder weniger sauberen Händen stehe ich um ein weiteres Mal vorm Papierregal. Immerhin färben sie nicht mehr ab. Einen vollgestopften Rucksack später mache ich mich auf die Suche nach Bleistiften. Nie wieder Tinte. Ich muss nicht lange suchen und schon eröffnet sich mir eine bunte Auswahl aller möglicher Sorten. An einem normalen Tag würde eine normale Person mit einem normalen Interesse am Zeichnen vermutlich einige Stifte austesten und sich seinen Liebling aussuchen. Danach würde sie vermutlich freudestrahlend nach Hause spazieren und sie voller Elan praktisch einsetzen. Ein grober Griff in irgendeines der mir tausend erscheinenden Ablagen erledigt die Arbeit für mich auch. Jetzt habe ich, was, sechs, sieben Bleistifte mitgenommen? Das sollte reichen. Ich stelle meinen Rucksack wieder auf dem Boden ab und verstaue die Utensilien. Technisch gesehen stehle ich gerade. Aber wer soll mich schon dran kriegen. Mein Geld habe ich sowieso zu Hause gelassen. Das zahl ich später.
Ich richte mich auf. Plötzlich höre ich ein lautes Geräusch, das durch den gesamten Markt hallt. Ich zucke zusammen und bewege mich keinen Zentimeter. Die Stimmen haben aufgehört. Ich sehe auf den Boden neben mir. Ein Kieselstein. Es sieht aus wie der, den ich vor einiger Zeit auf dem Weg zum Supermarkt eingesteckt habe. Verdammter Mist. Ich höre, wie Schritte auf mich zukommen. Ein dumpfes „Warte genau da" verrät mir, dass es Selo ist, die da im Begriff ist, mich zu entdecken. Immerhin sie. Aber... sollte sie mich finden, wird das sicherlich auch Enos Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Und das ist ja genau das, was ich vermeiden will. Was soll ich jetzt tun? Die Schritte werden immer lauter und klarer. Ich seufze. Weg hier.
Ich ducke mich und schwebe förmlich durch den Laden. Immer in entgegengesetzter Richtung zu der, in der ich Selo vermute. „Halloooo ist da jemand?" Bitte verschwinde doch einfach! Mein Herz ist so viel Aufregung nicht gewohnt.
Wir spielen unser Spiel, bis Selo schließlich aufgibt und sich zum Ladenausgang begibt. Was ein Glück. Ich befinde mich in irgendeiner Ecke des Ladens, umgeben von Bilderrahmen und Leinwänden. Durch eine kleine Spalte kann ich Selo sehen. Komplett angespannt, meine Schultern angezogen und immer noch geduckt. Als sie fast den Ausgang erreicht hat, löst sich meine gesamte Anspannung mit einem Mal in Luft auf.
"Seid ihr fertig mit spielen?"
"Ah!" Vor mir steht wieder das blasse Mädchen mit dem viel zu aufwändig dekoriertem Kleid. Allerdings hat mich ihr plötzliches Auftauchen so sehr erschreckt, dass ich nicht anders konnte, als kurz aufzuschreien. Natürlich ganz entgegen meines Plans, nicht entdeckt zu werden. Was tut sie hier?
Selo bleibt stehen. Sie dreht sich um. Sie sieht in meine Richtung. Mein Atem und Herzschlag verschnellern sich. „Ist da wer?" Mit schnellen Schritten läuft sie zielstrebig dort hin, wo ich mich befinde. "Oh nein, entschuldige, hab' ich dich auffliegen lassen?", flüstert das Mädchen und duckt sich auch. So, als könnte sie nicht einfach jederzeit verschwinden. Ich sollte meinem Schicksal einfach ins Auge sehen und meine Niederlage akzeptieren. Eine Niederlage. Das gab es in meinem Leben ja schon lange nicht mehr. Ich setze mich auf den Boden, bereit, entdeckt zu werden und schließe die Augen. Das Mädchen ist tatsächlich schon wieder weg. „Hal-"
...
Selos Satz wird abgeschnitten. Ihre Stimme verstummt. Was ist passiert? Hat sie es sich doch anders überlegt? Ich öffne die Augen. Und halte den Atem an. Von einer Sekunde auf die nächste bin ich hellwach und stehe. Und ich bin bereit, mich zu verteidigen.
„~ Wer hätte bloß gedacht, dass wir uns so schnell wieder sehen... ~" Ein bittersüßes Lächeln blitzt mir entgegen. Es ist das Mädchen, das Tibi, Randomy und mich hinterhältig angegriffen hat.
„Du...", sage ich mit gedämpfter Stimme, „wo sind wir?"
Die Bilderrahmen und Leinwände sind verschwunden. Die restlichen Regale, gefüllt mit Zeichenutensilien, haben sich ebenfalls in Luft aufgelöst. Selo ist nicht mehr da. Der Schreibwarenladen existiert nicht mehr.
Stattdessen befinden wir uns in einem kleinen, dunklen Zimmer, erhellt von einer einsamen Deckenlampe ohne Schirm. Darunter ein niedriger, einfacher Holztisch. Das Mädchen sitzt geradeaus von mir auf einem weinroten Sessel, der nach vintage aussieht. Sie hat die Beine verschränkt und stützt ihren Kopf auf ihrem linken Arm, den sie auf einem der Sessellehnen abstützt. Sie kichert.
„~ Wie kommst du nur darauf, dass ich das wüsste? ~"
„Spiel keine Spielchen!", rufe ich, „Du hast bestimmt etwas damit zu tun."
Sie überlegt. Dann kichert sie wieder.
„~ Heute will ich mal großzügig sein. Ja, ich bin dafür verantwortlich. ~" Ihr hinterlistiges Lächeln verschwindet nicht aus ihrem Gesicht. Plötzlich steht sie auf. Unsicher trete ich einen Schritt zurück. Sie steuert genau auf mich zu, macht vor dem Tischchen Halt und beugt sich vor, damit sie besser aus der Nähe betrachten kann.
„~ Den Rest findest du aber selbst heraus ~", wispert sie und knallt dann etwas auf das Tischchen. Ich sehe hin. Es sieht aus wie ein Buch. Nein, ein Fotoalbum. Ich blicke zurück zum Mädchen. Besser gesagt ist das mein Plan. Sie ist verschwunden. Nur noch ich und das Fotoalbum. Mein Herz schlägt unfassbar schnell. All die Zeit über habe ich es nicht gewagt, zu atmen. Meine Nerven zerreißen. Was geht hier bloß vor sich? Skeptisch sehe ich mich im Raum um. Es ist niemand mehr hier. Dann öffne ich das Fotoalbum.
Und verstehe alles. Nosics Angriff, das Verschwinden der Menschen, das Auftauchen des Mädchens. Alles ergibt auf einmal Sinn. Wenn das, was ich hier sehe, stimmt, dann sind Nosic und sie-
Plötzlich durchfährt mich ein stechender Schmerz. Alles wird schwarz vor Augen. Warum? Ich höre eine Stimme, die klingt, als wäre sie unendlich weit weg und genau an meinem Ohr zugleich.
„~ Ich hab' keine Lust mehr auf Großzügigkeit. ~" Diese... ich versuche, meine Augen zu öffnen. Es fällt mir unglaublich schwer. Das Tischchen ist plötzlich an der Wand festgenagelt. Nein, ich liege selbst auf dem Boden. Dann tauchen plötzlich Schuhe vor mir auf, eine Hand greift sich das Fotoalbum.
„~ Das nehm' ich mir wieder. ~"
„W-warum..." ...hast du mir das überhaupt gezeigt, will ich fragen. Aber ich bin zu schwach zum Sprechen. Ich kann ja kaum Atmen. Alles tut weh. Mein Kopf. Mein Brustkorb. Meine Arme. Meine Beine.
„~ Warum du das sehen durftest? ~" Sie kichert schon wieder. „~ Ich dachte nur, du willst vielleicht die Wahrheit erfahren, bevor du stirbst. Weißt du...~", sie kniet sich zu mir herunter und ich strenge mich an, meinen Blick zu heben, „~ so gemein bin ich auch wieder nicht. ~"
Bevor ich...
Meine Augen brennen. Mein Blick fällt wieder und wird verschwommen. Weine ich? Verzweifelt gebe ich meinem Körper das Kommando, sich aufzurichten. Aber nichts passiert. Komm schon. Komm schon! Komm schon, mach schon, beweg dich! Beweg dich! Beweg dich... Bitte.
Weder mein Körper noch meine Gedanken funktionieren. Das Mädchen erhebt sich wieder.
„~ Oh Mann, du bist erbärmlicher, als ich dachte ~", seufzt sie, „~ dabei hatte ich dich für eine der Schlaueren aus deiner komischen Truppe gehalten. Ihr habt mir ja ganz schön eine reingehauen. Hm, lag wohl daneben. Was soll's, dann muss ich es eben beim Nächsten versuchen. Bye bye~"
Beim Nächsten? Will sie die anderen etwa wieder angreifen? Das kann ich nicht zulassen. Ich muss hier irgendwie rauskommen. Ich muss Selo warnen. Ich muss Tibi warnen. Sogar Enos Gesicht wäre mir jetzt ein beruhigender Anblick. Aber statt, dass mein Körper meinen Befehlen gehorcht, wird er immer schwächer und meine Augen schwerer. Es fühlt sich an, als wäre ich im Begriff, einzuschlafen. Ein warmes Bett wäre jetzt schön. Eine Glöckchenstimme. Miller-Milch.
„Aaaah, irgendwie schaff' ich dieses Spiel einfach nicht!"
„Wo ist das Problem?"
„Ich sterbe immer direkt am ersten Tag! Ich brauch' deine Hilfe Miko..."
„Na dann gib' mal her. Wie kann man nur so schlecht darin sein? Gleich am ersten Tag zu sterben... Typisch."
„He, was meinst du damit? Willst du wieder 'ne Kitzelstrafe? Hahaha, komm heeeer!"
Gleich am ersten Tag zu sterben. Wie erbärmlich.
„Hör mal... mach dir nichts aus dem, was die anderen sagen. Auch, wenn ich nicht mehr an deiner Seite sein kann, heißt das nicht, dass du nicht noch bessere Freunde als mich finden kannst."
„Das ist unmöglich! Ich werd' niemals jemanden so lieben finden wie dich."
„Haha, nein, tatsächlich nicht. Du wirst noch viel tolleren Menschen über den Weg laufen und sie werden auch sehen, wie großartig du eigentlich bist."
Meine Augen fallen endgültig zu. All das dagegen Ankämpfen hat schlussendlich nichts bewirkt. Mein Atem wird trotz des Schmerzes komisch ruhig.
„Dann werd' ich nicht aufgeben. Du musst dir keine Sorgen um mich machen."
Was Tibi wohl gerade macht? Ob Randomy schon wach geworden ist? Unterhalten sich die beiden? Warten sie auf mich? All das, wo ich gerade auf dem Weg war, Kameraden zu finden.
„Bis gleich!"
Ob Selo die Suche aufgegeben und zu Eno zurückgekehrt ist? Haben ihn meine Worte sehr verletzt? Werden sie mit den Händen voller Dosen zu den Anderen stoßen? Werden sie es schaffen? Können sie das alles wieder gut machen?
Der Schmerz verschwindet. Ich spüre ein leichtes Kribbeln im Herzen. Alles, was ich jetzt noch tun kann, ist, meine Freunde anzufeuern. Viel Glück.

Re: Das super coole TM original RPG mit coolen Leuten (do not steal)
von TIbia am 18.06.2024 18:00Nachdem sich Mamiko verabschiedet hatte, sah ich ihr noch eine Weile hinterher, bis sie letztendlich außer Reichweite war und in dem Eingang des Supermarktes verschwand. Seufzend wand ich mich dem Boden zu und umfuhr mit dem Finger die Kieselsteine, die meine neue Freundin wenige Momente zuvor immer wieder neu gestapelt hatte. Ich war wirklich schon gespannt, eine Malerei von Mamiko betrachten zu können. Hoffentlich würde sie bald zurückkehren, denn auch wenn Randomy mehr oder weniger hier bei mir war, die Stille und plötzliche Abwesenheit von Mamiko ließen mich alleine fühlen, und ich mochte es nicht alleine zu sein. Vor allem in dieser Situation nicht. Das Bild des Mädchens aus der Mall, das meine Freunde einfach angegriffen hatte, war immer noch in meinem Kopf vorhanden, und die Sorge, sie könnte wieder kommen, drohte sich zu verstärken, je länger Mamiko weg war.
Bitte, komm einfach schnell wieder!
Und komm wohlauf wieder.
.
.
.
Es verging eine längere Zeit. So langsam verging meine gute Laune von dem Gespräch mit Mamiko, und Nervosität breitete sich in meinem Körper aus. Um keine Panik um meine Freundin zu bekommen, summte ich mir bekannte Lieder, zählte die Sterne am klaren Himmel oder stupste Randomy hin und wieder einmal in die Wange, in der Hoffnung, sie würde aufwachen, und als wäre nie etwas passiert über MillerMilch reden, während Mamikos Stimme schon von weitem erklingen würde. Es wäre schön, wenn ich Mamikos Stimme bald wieder einmal hören konnte. Oder sie zumindest sehen könnte. Oder auch Selo und Eno. Die beiden sollten auch immer noch in dem Supermarkt sein, richtig? Ob wohl alles in Ordnung war? Vielleicht hatten sie Mamiko angetroffen, und nun hatten die drei zusammen viel zu besprechen. Schließlich gab es vorhin eine ziemliche Auseinandersetzung zwischen ihr und Eno. Ob mit Selo wohl auch alles okay war? Ich konnte mich kaum mehr an die Furcht vor ihr erinnern, als sie dem Nosic den Todesstoß gegeben hatte. Es schien schon so lange her zu sein. Dabei war es womöglich erst vor ein paar Stunden geschehen. Trotzdem, es fühlte sich an wie Monate, wenn nicht Jahre. Wie lange war es schon her, dass die Gruppe sich getrennt hatte? Wo war Huxley? Ging es Miu gut? Hoffentlich waren sie in einer besseren Situation als wir hier gerade. Ob Randomy heute noch aufwachen würde? Warte, wie spät war es überhaupt? Hat mein Handy noch Akku? Ich konnte meinen Magen knurren hören. Stimmt, ich hatte heute kaum etwas gegessen. Aber warte, hatte ich nicht noch einen Keks von Selo? Stimmt auch, ich hatte ihn nie gegessen. Ob es ihr wohl aufgefallen war, dass einige ihr Gebäck schnell entsorgt hatten, nachdem Nosic zu Boden gegangen war?
Ich nestelte an meiner Tasche herum und hielt schließlich einen krümeligen Keks in der Hand. Zugegeben, er sah wirklich sehr lecker aus. Wäre ich Nosic, hätte ich ihn womöglich auch ohne groß nachzudenken vernascht, vor allem wenn er in der zweifachen Größe wäre. Doch obwohl ich Hunger hatte, sehr großen Hunger sogar, konnte ich den Cookie nicht essen. Es wäre sinnvoll, etwas zu mir zu nehmen, doch Appetit hatte ich nicht ansatzweise. So laut, wie ich mein Herz schlagen hören konnte, so kalt, wie sich meine Hände fühlten, und so schwindelig vor Sorge, wie mir mittlerweile war, befürchtete ich, den Keks nicht runterzubekommen. Also ließ ich ihn wieder in meiner Tasche verschwinden und lehnte meine Stirn an die Knie.
.
.
.
Jahre. Es fühlte sich an wie Jahre, die ich wartend verbringen musste. Die Welt um mich schien sich zu verdunkeln, Kreaturen mit übergroßen Augen schienen in den Schatten zu lauern und mittlerweile wurde die Stille lauter als mein eigener Atem, der immer unregelmäßiger ging. Wie lange war Mamiko nun weg? Es musste schon eine Stunde gewesen sein. Wieso kam sie nur nicht wieder? Ihr war doch nichts zugestoßen, oder?! Hätte ich sie begleiten sollen? War ich wirklich so dumm gewesen? So naiv? Aber warte, nein, wir hätten Randomy nicht alleine hier liegen lassen können. Das wäre nicht gegangen.
Wenn zumindest Selo und Eno zurückgekehrt wären. Doch auch sie ließen sich nicht blicken. Wo blieben sie alle nur? War etwas passiert? Wieso kamen sie nicht zurück? Wieso wachte Randomy nicht auf? Wieso war ich so alleine?
Mittlerweile war ich von dem Boden aufgestanden und wanderte unruhig umher. Meine Nägel mussten mittlerweile daran glauben, während meine Zähne immer wieder hinein bissen. Wo blieben meine Freunde? Wo blieben sie? Ich wollte nicht alleine sein. Wollte Mamiko mir nicht ihre Malerei zeigen? Wir hatten uns doch gut verstanden, oder? Ich hatte mich gefreut, zu sehen, was Mamiko so malen kann. Ich freute mich immer noch. Wo blieb sie also? Diskutierte sie immer noch mit Selo und Eno? Wieso kam mich niemand holen? Ich wollte ihre Namen rufen, doch die Angst, ungewollte Gesellschaft zu wecken, hielt mich davon ab.
Ich wollte nicht alleine sein.
,,Hey, Randomy, wach bitte auf."
Ich wisperte ganz leise, während ich Randomy sanft an den Schultern rüttelte. Ich wollte nicht alleine sein.
,,Randomy, Mamiko kommt nicht mehr zurück. Selo und Eno sind auch noch nicht wieder hier. Ich muss sie suchen gehen. Bitte wach auf, ich möchte dich nicht alleine hier zurücklassen."
Ich wollte nicht alleine sein.
,,Randomy, bitte wach auf..."
Ich wollte nicht alleine sein.
Ohne dass ich es beabsichtigte, musste ich anfangen zu weinen. Ohne dass ich es bemerkte, kullerten Tränen meine Wangen hinunter und landeten direkt auf der Wange meiner bewusstlosen Freundin, während meine Hände immer noch ihre Schultern rüttelten.
,,Randomy.."
Kraftlos ließ ich mich wieder auf den Boden fallen und bedeckte mein Gesicht mit meinen Händen. Ich durfte jetzt nicht weinen. Ich musste stark und standhaft bleiben, Schwäche zu zeigen war jetzt nicht richtig. Es konnte jederzeit ein Gegner kommen, und ich musste zwei Leben beschützen.
Doch ich konnte nichts dagegen tun, egal wie sehr ich mich bemühte. Die Tränen flossen einfach, und das Schluchzen aus meinem Mund ließ sich nicht herunterschlucken.
Ich war ganz alleine. Die anderen waren nicht hier.
Oh, wenn ich sie doch nur suchen gehen könnte. Doch ich konnte, ich wollte, ich durfte Randomy nicht verlassen. Sobald ich weg wäre, würde ich sie nicht mehr zurückbekommen. Die Dunkelheit würde sie sich holen und ich wäre dafür verantwortlich. Und das durfte nicht geschehen. Ich konnte Randomy nicht alleine tragen.
Ich möchte kämpfen und tapfer sein, aber dunkle Wolken füllen meinen Kopf und ich schaffe es nicht mehr, klar zu denken. Ist es okay, schwach zu sein? Ist es in Ordnung, nicht mehr weiter zu wissen?
Oh, bitte lass es ihnen allen gut gehen. Bitte lass sie schnell wieder zurückkommen!
Ich vermisse dich, Mamiko. Du wachst auch nicht auf, Teufelskind. Ich vermisse dich, Randomy. Ich vermisse euch, Selo und Eno. Miu, ich vermisse dich, und dich, Huxley, vermisse ich auch.
Ich kenne euch alle kaum. Aber ich vermisse euch so sehr. Und in dem Moment wünschte ich mir nichts mehr, als dass ihr alle bei mir wärt, selbst wenn ihr euch teilweise nicht ansatzweise leiden könnt.
Bitte. Kommt schnell wieder zurück.

ATUA
Re: Das super coole TM original RPG mit coolen Leuten (do not steal)
von TIbia am 08.08.2024 10:07
<3
ATUA



Antworten

