dance with the devil || Amary & ich

[ Go to bottom  |  Go to latest post  |  Subscribe to this topic  |  Latest posts first ]


malitsuki

76, male

  Hand-Model

Posts: 20

dance with the devil || Amary & ich

from malitsuki on 09/06/2019 04:52 PM

Und hiers Nummer 2 :)


Steckbriefe

Name: Luzifer (Luc Weston)

 

Alter: Irgendwann hat er aufgehört zu zählen

Aussehen: Luzifer kann sein Erscheinungsbild relativ beliebig ändern, meistens sieht er jedoch aus wie ein junger, englischer Gentleman, so um die 23. In dieser Form sind seine Augen blau, seine Haut ziemlich blass und seine Haare sind dunkelbraun. Er ist hochgewachsen und trägt gerne elegante Kleidung. Wenn sich Luzifer in die Hölle begibt, lässt er sich gerne schwarze Flügel und Hörner wachsen. Man kann ihn auch relativ regelmäßig in der Form eines Geiers antreffen. Manchmal läuft er da unten auch mit einem furchteinflößendem Mischwesen rum, einem wunderschönem Mann mit scharfem Schnabel und Vögelfüßen.

Sonstiges: Da das hier mein Teu'fel ist ändere ich einfach alles so ein bisschen. Luzifer ist nicht, wie oft angenommen wird, ein gefallener Engel Gottes. Tatsächlich ist Gott eigentlich Luzifers Zwillingsschwester (und sie heißt Noctavi). Die beiden haben sich jedoch wegen ein paar minimalen Meinungsverschiedenheiten (Luzifer kann ein ganz schöner Sad'ist sein und Noctavi findet das doof) Auseinandergelebt. Da Luc aber nun mal ein nachtragender Gott ist, versucht er seitdem die Menschen zu verführen die Noctavi so am Herzen liegen. Sonst ist die Hölle relativ so wie wir sie uns vorstellen. Es gibt allerdings ein paar Menschen die Luc ausgetrickst haben und in ihrem Vertrag mit ihm vereinbarten, dass sie ein gutes Leben in der Hölle führen werden würden.

Name: Elizabeth Margot Hemingway

Alter: 20

Aussehen: Eliza's Haar hat sie schon von kleinauf in Schwierigkeiten gebracht und wäre sie nicht aus reichem Haus, wäre sie vermutlich auf dem Scheiterhaufen längst verbrannt worden. Ihre seidig lockige rote Löwenmähne ist kaum zu bändigen, zum Leidwesen ihrer Eltern, denn gepuderte Perücken lassen sich darauf nur schlecht setzen.
Ihre Augen sind in einem tiefem smaragdgrün, welche von ihrem Ehering komplimentiert werden, da dieser ebenfalls einen kleinen Smaragdstein besitzt. Sie ist für die damalige Zeit recht groß, etwa 1,70m, mit langen hellen Beinen. Seit sie ein kleines Mädchen ist, wollte ihre Mutter sie in ein Korsett zwingen -zumeist hat es nur bei äußerst festlichen Veranstaltungen geklappt. Ihre Lippen sind schmal und meist zu einem Lächeln verzogen, ihre Wimpern voll und lang und ihre kleine Stupsnase leicht schief.

Sonstiges: Sie ist seit 2 Jahren mit dem Sohn eines sehr reichen Bankkaufmanns verheiratet, Thomas Hemingway. Die Ehe ist, wie zu erwarten, nicht sonderlich erfüllend. Noch hat sie kein Kind bekommen, weshalb es momentan auch zwischen den beiden arg kriselt. Davon abgesehen laufen momentan auch die Geschäfte ihres Mannes sowie ihres Vaters eher weniger gut ... Am liebsten würde sie einfach davon rennen und als einfache Musikerin für den Rest ihres Lebens durchs Land reisen.

Reply

malitsuki

76, male

  Hand-Model

Posts: 20

Re: dance with the devil || Amary & ich

from malitsuki on 09/06/2019 04:56 PM

Luce


Irgendwann langweilt man sich selbst in der Hölle. Nach ein paar tausend Jahren sind auch die Schreie gequälter Seelen einfach nur noch monoton. Wann immer sich also meine unendliche Zeit mal wieder zu lange hinzieht besuche ich meine besten Freunde: Die Menschen.

 

Sobald ich einen Fuß in die Straßen Londons setzte drang mir der Geruch von menschlichen Seelen in die Nase. Mein Magen zog sich fast schmerzhaft zusammen. Ich hatte seit Jahrhunderten keine Seele mehr gegessen. Meine Schwester hatte mir verboten ihre Menschen auch nur anzurühren. Und die, die sich auf meinen Vertrag einließen, verdarben ihre Seele damit. Eine unreine Seele schmeckte nicht. Genervt lief ich über das Kopfsteinpflaster. Ich hatte eine grüne Kniehose an, darüber eine Weste und einen Rock in der selben Farbe. Irgendwo hier musste doch etwas passieren...

Ich war noch nicht allzu lange durch die Straßen der Stadt gestrichen, als ich endlich eine Ansammlung von mehreren Menschen wahrnahm. Auch Speisen und Alkohol konnte ich riechen. Der perfekte Nährboden für ein Samenkorn An Sünde. Mit meinem charmantesten Lächeln und einem Schwenker meines Handgelenks näherte ich mich dem Wächter der Pforte. Ich hatte mir vor ein oder zwei menschlichen Jahren eine Persönlichkeit in den adligen Kreisen Londons errichtet, dort war ich auch bekannt als
Duke Lucian Weston of Suffolk, ein Titel, den ich dem eigentlichen Würdenträger abgekauft hatte. Als ich diesen Titel dem Wächter nannte, zuckte er kaum merklich zusammen und öffnete mir dann sofort die Tür. Es hatte auf jeden Fall seine Vorteile ein Duke zu sein.

Der Ball, der bereits in vollem Gange war, fand in einem hohen Saal statt. Die hunderten von brennenden Kerzen lockten mich frech ein Inferno zu starten, aber ich unterdrückte das Verlangen danach, diesen Raum in einen Ofen zu verwandeln, denn meine Augen wurden plötzlich auf Jemanden am anderen Ende des Raums gezogen. Dort, fast schon verdeckt von den Schatten eines massiven Vorhangs, standen zwei junge Menschen. Der eine war definitiv eine Frau, der andere vermutlich ein Mann. Neugierig bewegte ich mich in die Richtung des, offensichtlich in einer Meinungsverschiedenheit verstrickten, Paares. Die Frau hatte wunderschöne rote Haare. Schon wieder fühlte ich das Verlangen alles in Flammen aufgehen zu lassen, aber auf eine andere Art und Weise als sonst. Die Frau war auf einen seltsamen Weg anziehend, ihre Wangen leicht gerötet. Der Mann der neben ihr stand, besaß keinen solchen natürlichen Charme. Er redete leise, doch bestimmt auf das Mädchen ein. In seiner Stimme lag etwas bestimmtes und vor allem etwas herablassendes. Er klang als redete er mit einem Kind. Kurzentschlossen tippte ich dem Mann auf die Schulter und hielt ihm meine Hand entgegen. Ich stellte mich mit meinem ausgedachten Namen vor und tat als würde mich seine Antwort darauf interessieren. Ich konnte die Irritation in seinem Gesicht sehen.
"Dürfte ich ihre bezaubernde Begleitung wohl um einen Tanz bitten?" säuselte ich breit lächelnd. Ich wartete weder auf die Antwort des Mannes, noch auf die Antwort der Frau, sondern zog sie einfach mit mir zu den anderen Paaren, die sich grade für ein Menuett aufstellten.
"Wie lautet ihr Name?" fragte ich die Frau an meiner Hand, kurz bevor ich sie losließ um die Startposition des barocken Tanzes einzunehmen.

Elizabeth

Mein Vater war ein absoluter Narr. Nein, Narren taten manchmal auch gute Dinge, trafen gelegentlich die richtigen Entscheidungen und erheiterten den Hof. Auf meinen Vater passte keine dieser Beschreibungen, oh nein. Er war ein geldgieriger, gnadenloser Mann, dem das Ansehen seiner Familie wichtiger war als ihr Wohlergehen. Es sollte mich eigentlich nicht wundern, dass der Gentleman, den er für mich erwählt hatte, dieselben Züge aufwies. Sogar der Ton, in dem er zu mir sprach, glich dem meines Vaters, mi***r auch manchmal dem meines Bruders.

"Elizabeth, ich will endlich einen Sohn! Wofür habe ich deinem Vater denn sonst die Mitgift von tausend Goldstücken gegeben? Ich will meinen gebürtigen Erben und ich will ihn jetzt." Männer hielten sich für so intelligent, doch sie schienen immer noch nicht begreifen zu können, dass der weibliche Körper nicht sofort nach jeder Hochzeitsnacht ein Kind kreieren wollte.
"Du bist doch nicht etwa unfruchtbar, oder? Habe ich mein Geld wirklich so sehr verschwendet?", setzte er nach, in einem äußerst garstigen Ton, als würde ich ihm den Sohn mit Absicht verweigern. Meiner Meinung nach war es besser, dass sich noch kein Kind in meinem Bauch gebildet hatte. Thomas würde nicht zufrieden sein, wenn er erfuhr, dass unsere Familie seit jeher mehr Frauen als Männer zur Welt brachte ... Dabei hätte heute ein so schöner Abend sein können. Nach ein paar Gläsern Wein hätte er mich womöglich sogar zum Tanz aufgefordert, doch ... In dieser Fassung schien mir dies unmöglich zu sein. Dabei trug ich sogar dieses schreckliche Korsett, in dem ich kaum atmen konnte, sobald ich auch nur drei Schritte tat. "Ich kann nicht glauben, dass ich jemanden wie dich geheiratet habe ..." Wobei ich überhaupt kaum glauben konnte, tatsächlich geheiratet zu haben. Es fühlte sich auch viel mehr so an, als wären Mutter und Vater mit ihm verheiratet, während ich nur ein kleines Schmuckstück an seiner Seite war. Wieso nur musste ich mir so etwas bieten lassen? Er-
Nanu? Das- ... Wer war denn dieser junge Mann hier?
Erneut hatte ich keine Wahl, doch ... Im Moment war es vielleicht gar nicht so schlecht. Am Ende hätte ich mich noch für meinen Mann entscheíden müssen, doch dieser schien genauso überrascht und verwirrt zu sein wie ich.
Der Duke Lucian Weston of Suffolk also? Warum hatte ich noch nie von ihm gehört, geschweige denn ihn auf einem Ball angetroffen?
"Mein Name ist ... Margot Hemingway." , stellte ich mich mit dem Namen meiner Mutter vor. Es war nicht die ganze Wahrheit, doch auch keine Lüge. Für einen Tanz würde dieser Name auf jeden Fall reichen.
"Wissen Sie, ich glaube, mein Mann ist nicht allzu erfreut darüber, dass sie mich einfach so von ihm stehlen." Leise seufzte ich, begIeitet von dem Hauch eines Augenrollens.
"Immerhin hat er ganze tausend Goldstücke bezahlt, um meine reizende Anwesenheit für den Rest seines Lebens genießen zu können."
Der Duke schien auf jeden Fall zu wissen, wie man einen netten Tanz führte ... Anders als Thomas. Natürlich wusste er es in der Theorie, schließlich war es ein wichtiger Teil seines Unterrichts gewesen, doch ... Es schien, als würde er sein Wissen nicht allzu gern mit mir teilen wollen.
"Nun, werter Duke, dürfte ich erfahren, was Sie auf diesen Ball treibt - und das ganz allein? Sie suchen doch nicht etwa nach einer Duchess, oder?"

Luce

Margot Hemmingway. Der Name passte nicht zu der jungen Frau, aber das äußerte ich nicht. Am ende hätte sie das noch als Beleidigung angesehen. Ich lächelte leicht, als sie begann über ihren Mann zu sprechen.
"Ganze tausend Goldstücke?" fragte ich leicht ironisch nach, "Welch absolut angemessener Preis für eine junge Dame." Ich lachte leise. "Nun auf der Suche nach einer Duchesse bin ich natürlich immer," log ich. Menschliche Frauen interessierten mich absolut gar nicht. "Und ich war fast schon der Meinung ich hätte Jemanden gefunden. Aber leider seid ihr ja schon verheiratet," kokettierte ich. "Wobei man natürlich allem und jedem Abhilfe schaffen kann," überlegte ich mit gesenkter Stimme, "Verraten sie mir doch, was ist es, das sie am meisten begehren? Ein frühzeitiges Ende ihres Mannes? Oder einen Sohn? Vielleicht die Liebe eines anderen Mannes, vielleicht sogar die Liebe einer anderen Frau?" fragte ich leise nach, schelmisch. Meine Stimme war samten und beruhigend. Um wirklich das Vertrauen der Frau vor mir zu gewinnen begann ich jetzt noch ein Hormon in die Luft strömen zu lassen, das in Menschen Wärme und Glücksgefühle auslöste. Über die Jahre war mir oft aufgefallen, dass dies der Punkt war, an dem viele der Menschen sich fallen ließen. Selten widerstand Jemand meinen Überzeugungskünsten und noch seltener waren es junge Menschen mit mehr Wünschen als Gehirnzellen.
Ich lächelte die Frau an und wirbelte sie zu der Musik der Geigen durch den Raum. Jeder Mensch hatte einen Herzenswunsch, etwas, dass dieser Mensch mehr als alles andere auf der Welt wollte. Man musste ihn nur finden, diesen Wunsch, dieses Verlangen.
Oft waren es b***e Dinge: Liebe, Gesundheit, Geld.
Das wirklich bizarre an Menschen war jedoch die Tatsache, dass ich ihnen keine Grenzen auferlegte und sie dies weder begriffen noch ausnutzten. Ich würde vielleicht keinen dieser Idioten zu einem Gott machen, aber hätte einer von ihnen die Kontrolle über das Wetter verlangt, dann hätte ich sie ihm nicht vorenthalten. Aber nein, Menschen wollten lieber erfolgreich als unsterblich sein. Es war lächerlich. Und sie zu überzeugen war lächerlich einfach. Erneut drehte ich meine Partnerin schwungvoll und lächelte sie an.
"Ich kann ihnen all diese Sachen geben. Ich kann ihnen sieben Söhne geben oder sieben Töchter, ich kann ihnen einen neuen Mann besorgen, oder ihnen das dritte Auge schenken. Sie müssen nur einen Wunsch aussprechen," inzwischen flüsterte ich fast, die Distanz zwischen unseren Körpern war grade noch genug um nicht unhöflich zu wirken.
"Vielleicht einfach nur einen schlimmen Fall von Gelbfieber im Körper ihres charmanten Mannes?" fragte ich noch einmal nach. Ich konnte die Wünsche von Menschen nicht sehen, aber dieses Mädchen schien mir relativ offensichtlich unglücklich in ihrer Ehe zu sein. Also warum nicht ein Philanthrop sein und ihr behilflich werden?


Elizabeth

Wieso ließ ich mich noch gleich auf einen Tanz mit einem mir völlig fremden Mann ein? Vermutlich, da der andere, mir völlig fremde Mann, welcher sich mein Ehemann schimpfte, nie für einen Tanz mit mir zu haben war. Würde ihn eine der jüngeren Magden fragen, würde er sicherlich nicht verzagen, mit ihr das Tanzbein zu schwingen und ihr ein paar "Schritte" zu zeigen. Ohnehin war es unglaublich, dass er von mir verlangte, ihm einen Sohn zu gebären, wenn er mich sonst nie mit auch nur einem Auge betrachtete. Was dachte er denn, wie Kinder entstanden?
Der Mann, welcher mich so elegant über das Parkett führte, schien wohl die Ansichten meines Gatten zu teilen. Natürlich, tausend Goldstücke waren absolut angemessen für eine junge Dame wie mich. Und - was hörte ich da? Scherzte er wirklich darüber, mir den Hof zu machen? Ein Scharlatan war er alle Male, wenn auch mit einer überraschend silbernen Zunge ausgestattet. War er wirklich ein Duke oder nur ein äußerst begabter Schausteller?
Jedoch ein äußerst frecher Schausteller. Was für "Wünsche" unterstellte er mir da? War er einer von Thomas' Freunden, die ihm helfen sollten, meine Treue zu prüfen? Es war eine Beleidigung, dass er tatsächlich glaubte, mich ungestraft so etwas fragen zu können. Jedoch war momentan nicht der richtige Augenblick, um diesen Mann mitzuteilen, wie ich über seine verlockenden Vorschläge dachte.
Schwach schüttelte ich den Kopf, schenkte ihm ein sanftes, wenn auch nicht allzu ernstes Lächeln.
"Ihr könnt mir wirklich jeden Wunsch erfüllen?", hakte ich noch einmal nach, während ich mich ein weiteres Mal von ihm herumwirbeln ließ. Er war ein durchaus talentierter Tänzer, doch leidet schien der richtige Ton im Gespräch mit einer Lady eher zu seinen Schwächen zu zählen.
"Wenn dem wirklich so ist, dann- Ach, nein ... Ich weiß nicht so recht. Das erscheint mir doch ein wenig viel, verzeiht ... Allein der Gedanke daran ..." Doch er ließ nicht nach, vermutlich gerade, weil ich es ihm so vermeintlich einfach machte. Es war fast schon niedlich, der Blick in seinen Augen ... Aber noch viel schöner würde es sein, wenn ich erst die Enttäuschung in seinem Gesicht sehen würde.
"Na schön, wenn Ihr darauf besteht ... Es ist auch ein Wunsch, den wohl nur ein Mann wie Sie erfüllen kann. Wenn Ihr mir diesen Wunsch tatsächlich erfüllen könntet, wäre ich Euch auf ewig dankbar." Langsam trat ich einen Schritt näher heran und legte meine Lippen an sein Ohr.
"Ihr dürft diesen Wunsch auf gar keinen Fall verraten, ja? Es ist unser kleines Geheimnis ..."
Sanft lehnte ich mich wieder zurück und schenkte ihm ein geheimnisvolles Lächeln.
"Okay, also ... Was ich mir am sehnlichsten wünsche, ist ... Das Ende dieses Tanzes mit euch, und zwar jetzt sofort."

Luce

Die Frau schien auf meine lockenden Worte eingehen zu wollen. Voller Neugier lehnte ich mich nach vorn um ihren Wunsch zu hören. Als sie ihn jedoch aussprach sank meine Stimmung sofort. Was für eine freche Göre war das denn? Ich grinste die Frau, vollkommen unamüsiert, an und ließ dann von ihr ab.
"Wie ihr wünscht. Aber ihr solltet nicht überrascht sein, wenn solch undurchdachte Worte nicht ohne Konsequenzen bleiben," wisperte ich noch einmal, leise, dann drehte ich mich um und ging auf den Mann des Mädchens zu.
"Ihr solltet euch in eurer Ehe wohl mehr durchsetzen. Ihr Weib hat mir erzählt, dass sie euch mit Absicht den Wunsch nach einem Erben verwehrt, da sie der Meinung ist, dass sie es nicht wert sind ein Kind mit ihr zu zeugen. Es klingt als wäre sie in dringender Not einer wahren Lektion," log ich munter vor mich hin. Um sicher zu stellen, dass meine Worte auch den gewünschten Effekt hatten, ließ ich noch etwas Testosteron in die Luft fließen. Ein Mann der, von seiner eigenen Männlichkeit überzeugt, so in seinem Stolz verletzt wurde war niemals lange friedlich. Grinsend drehte ich mich um und verließ den Raum. Auch wenn der Abend, vermutlich, in einem Triumph für mich geendet hatte, hatte mir die Frau die Lust auf die Menschen verdorben. Sobald ich außer Sichtweite des Wächters an der Tür war, verschwand ich im Schatten eines hohen Gebäudes. Dann verschwand meine menschliche Form in der eines Schattens und ich fuhr zurück hinab in mein Heim.

Ein paar menschliche Tage waren vergangen und die verdammte Frau war mir nicht aus dem Kopf gekommen. Ich hatte seit Jahrzehnten niemanden mehr getroffen, der sich meinen Versprechungen widersetzt hatte. Im ersten Moment war ich wütend gewesen, aber bereits nach ein paar Minuten wurde mir klar, dass ich mich dem menschlichen Fehler des Stolzes hingegeben hatte. Sie hatte mich gekränkt, dabei suchte ich doch bereits seit Jahren nach einem Menschen der mir auch nur annähernd die Stirn bieten konnte. Und da war sie, direkt vor mir gewesen und hatte genau dies getan und ich hatte es nicht erkannt.
Ich war seit diesem Tag nicht mehr auf der Erde gewesen, aber als ich jetzt in der Straße materialisierte, nieselte es auf mich hinunter. Die paar Menschen die auf der Straße herum eilten hatten ihre Hüte tief ins Gesicht gezogen und sahen generell miserabel aus. Ich dagegen war fast schon ekstatisch. Die Witwe eines kürzlich verstorbenen Kaufmannes hatte mir sein Stadthaus an der Themse verkauft und ich hatte Kontakt mit jemandem aufgenommen, der mir bei meiner Suche nach Margot Hemingway sehr behilflich sein würde. Ihrem Vater. Er war ein bekannter und einflussreicher Mann, der vor Kontakt mit englischer Nobilität nicht zurückschreckte. Da ich nicht wusste, was der Name ihres Mannes war, hatte ich mich an ihrem Nachnamen orientieren müssen.
Ich hatte dem Vater fast sofort einen Brief geschrieben in dem ich mich als lang verschollenen Sohn des eigentlichen Dukes ausgegeben hatte, eine Geschichte die ich auch mit dem alten Mann ausgemacht hatte, falls sich einer seiner alten Freunde bei ihm über mich erkundigen würden, der, jetzt wo er als adliger, junger Mann alleine in London lebte, nach Vertrauten suchte. Mr. Hemingway war sofort darauf angesprungen und hatte mich am Sonntag zum Tee mit seinem laut ihm "Hoch gebildeten Sohn und gehobenen Schwiegersohn" eingeladen. Ich nahm an, dass sein Schwiegersohn der Mann von Margot war und sie vielleicht sogar mitbringen würde. Ich hoffte es zumindest.

Elizabeth

"Steh gerade, Darling! Du willst doch nicht schon wieder Schmach über dieses Haus bringen. Du kannst überhaupt froh sein, dass wir dich hieran teilhaben lassen. Der Duke ist ein sehr wichtiger Mann und du hast mich auf dem Ball vor ihm gnadenlos beschämt."
Zitternd biss ich mir auf die Lippe und atmete tief ein und aus - einerseits, weil das Korsett mir wieder einmal die Luft abschnürte und andererseits, da ich mich noch allzu gut an den werten Duke erinnerte. Da hatte ich ein einziges Mal versucht, ehrlich zu sein und mir von einem unhöflichen Mann nichts sagen zu lassen, weil ich naives Ding gehofft hatte, dass mein Mann zu mir halten würde ... Wirklich, wie konnte ich nur so eine Narrin sein? Das war doch einfach nicht gerecht, nein. Gerechtigkeit kannte dieses Haus ohnehin nicht.
"Du dumme Gans! Ich habe dir doch gesagt, dass du noch mehr Puder auftragen sollst!"
Vater und Thomas waren sich wie immer darin einig, wie sie es am besten schafften, meinen Willen zu zerschlagen.
"Ich- ... Verzeiht. Ich werde mich sofort daran setzen."
Den vermeintlich adligen violetten Ton auf meinem rechten Auge würde man dennoch sehen, aber mit ein bisschen Glück interessierte es den werten Mann nicht, was er angerichtet hatte. Wie konnte er es nur wagen, meinem Gatten so eine Lüge zu erzählen - und wie konnte es sein, dass jener ihm auch noch mehe glaubte, als seinee eigenen Frau!
"Müssen wir wieder mit den Büchern üben? Nun stell dich endlich wie eine richtige Dame hin oder du bleibst in deinem Gemach."
Wie gern ich das doch tun würde. Stumm nickte ich, denn Widerspruch würde mich besonders in dieser Situation in die HöIIe schicken.
Tief ein- und ausatmen. Beruhigen. Es war nur ein Tee - im schlimmsten Fall würde ich von Kopfschmerzen klagen und mich rasch vom Tisch entschuldigen, damit ich niemandem mehr eine Last war (und niemand mich belasten konnte).
"Duke Weston, was für eine Ehre, Sie in unserem kleinen aber bescheídenem Heim willkommen zu heißen.", begrüßte mein Vater den Mann mit einem warmen Lächeln.
"Es ist schön, Sie wiederzusehen, mein Herr.", stimmte Thomas hinzu, während ich lediglich ein gezwungenes stummes Lächeln von mir brachte, mein Blick leicht nach unten gerichtet.
"Kommt doch herein, wir haben einen wundervollen Tee für Euch vorbereitet - ich hoffe doch, dass Ihr schwarzen Tee mögt. Aber wir haben natürlich noch eine Menge anderer Variatäten, falls es Ihnen nach etwas anderem verlangt."
Langsam (hauptsächlich, weil es mir die Luft abschnürte), schritt ich hinter meinem Mann her und setzte mich an der Tafel neben ihm.
Ich hätte gern eines der köstlichen Macarons gehabt, doch ich würde wohl Glück haben, wenn ich überhaupt ein Schlückchen Tee bekommen würde. Mein Auge schmerzte nach wie vor ein klein wenig, aber da konnte man ja nichts machen.
"Und, werter Duke? Was treibt Euch so in die Stadt? Irgendwelche dringenden Geschäfte, bei denen wir Euch behilflich sein können?"

Luce

Die menschlichen Tage verflogen schnell und als ich am Sonntag vor der massiven Haustür des Landhauses stand, in welchem Mr. Hemingway lebte, fühlte ich zu ersten Mal seit langem so etwas wie Vorfreude. Ich hatte lange keine Herausforderung mehr gehabt.
Kaum, das ich den Türklopfer einmal gegen das Holz geschlagen hatte, wurde die Tür auch schon geöffnet. Mir stand ein ernst aussehender Mann gegenüber, in einem schwarzen Rock und einer weißen Weste, der mich, nachdem ich mich vorgestellt hatte, sofort in das Haus bat. Der Butler führte mich durch einen Gang ins Esszimmer, in dem Mr. Hemingway, der Mann von Margot und Margot selbst standen. Ich erwiderte die Begrüßungen der beiden Männern mit ähnlich falschen Worten. Ich hatte noch nie verstanden, warum Menschen so verdammt höflich sein mussten. Als wir uns an den Tisch gesetzt hatten und der Tee aufgetragen wurde, wanderte mein Blick zu der Frau die mich auf dem Ball so fasziniert hatte. Erst jetzt fiel mir die violette Färbung ihres Auges auf. Ich fühlte mich nicht schuldig, ich konnte keine Schuld empfinden, aber der Anblick gefiel mir dennoch nicht. Ich hatte einen Moment der Schwäche gehabt, hatte mich von einem Menschlein kränken lassen und sie bestraft. Das hatte mir nicht zugestanden. Natürlich quälte ich die Seelen der Menschen, die sich auf einen Vertrag mit mir einließen, aber Margot hatte ja genau dies nicht getan. Ich fühlte Reue, nicht wegen dem Mädchen, sondern weil ich mich nicht benommen hatte, wie es von einem Gott zu erwarten wäre.
Ich ließ das Gerede des Vaters über mich ergehen und antwortete hier und da. Als er mich nach meinen Geschäften in der Stadt ausfragte, kam mir eine interessante Idee.
"Nun, tatsächlich bin ich hier um nach einer Gemahlin Ausschau zu halten. Ich nehme an sie haben nicht noch eine Tochter, die es mit der Schönheit dieser hier aufnehmen könnte?" fragte ich, nur ganz leicht ironisch, "Oder kennen sie vielleicht eine junge Frau, die an dem Leben als Duchess interessiert wäre? Nichts würde mich glücklicher stimmen als meine Reichtümer mit einer Familie teilen zu können."
Ich konnte die Gier fast schon in den Augen des Mannes vor mir lesen. Ich war mir sicher, dass Thomas ein etablierter, reicher Gentleman war, aber ein Duke war eben doch der höchste Ehrenträger, nach dem König, und damit konnte er, vermutlich, nicht mithalten. Er hatte sich mir zwar nie vorgestellt, weshalb ich mir im Bezug auf seinen Titel nicht sicher sein konnte, aber er erschien mir doch etwas zu demütig mir gegenüber, als das er auf der sozialen Leiter über mir stehen würde.
Innerlich grinsend nahm ich mir einen der Macarons und biss hinein, meine kleine Anspielung auf ein gewisses Interesse an Margot würde sie wohl kaum in Schwierigkeiten bringen. Und selbst wenn, dann hatte ich dies zumindestens nicht mit der Motivation sie zu bestrafen ausgelöst.
Ich biss in ein weiteres der süßen, französischen Gebäckstücke. Der Zucker zerging mir auf der Zunge und ich meinte den neidischen Blick der Frau auf mir zu spüren.
"Diese Macarons sind ausgesprochen deliziös," lobte ich, bevor ich die P*** zu Margot schob, "ihr solltet einen probieren werte Dame," sagte ich höflich. Durfte sie in so einer Situation überhaupt ablehnen? War sie wohl wütend auf mich?
"Apropos, ich glaube nicht, dass wir uns bereits wahrhaftig vorgestellt worden sind," sagte ich, an sowohl sie, als auch ihren Mann gerichtet.

Elizabeth

Es war mir immer noch schIeierhaft, was für Geschäfte mein Vater mit diesem Mann trieb. Ohne Frage musste er eine Menge Gold und Silber besitzen, sonst wäre Vater vermutlich gar nicht an ihm interessiert. Zwar gab es eine gewisse Macht, welche die soziale Stellung des Mannes versprach, doch für meinen werten Herr Vater war Reichtum mehr wert als Macht, wobei der Duke sicherlich beides in üppigen Mengen besaß.
Dennoch war mir fremd, weshalb die beiden Männer überhaupt darauf bestanden hatten, dass ich dieser Sitzung beiwohnte. Zwar war es möglich, dass Vater den Mann mit seinem "hübschen Kind" den Duke Weston beeindrucken wollte, doch ... Wäre das am Ende nicht ohnehin nur Trug und Schein? Schließlich war ich bereits verheiratet und unserem Besucher war das durchaus bewusst, denn er hatte mich ja erst vor Kurzem meinem Gemahlen auf dem Ball gestohlen.
Mit einem spöttischen Lächeln (dabei konnte er mir nichts vormachen; dieser Mann verspottete mich definitiv), schob mir der junge Duke ein paar Macarons zu. Ich erwiderte sein Lächeln, wenn auch hoffentlich ein wenig authentischer und lehnte höflich ab. In diesem Aufzug würde ich keinen Bissen herunter bekommen - nicht umsonst nahm ich meine Mahlzeiten zumeist vor einem Ball ein.
"Apropos, ich glaube nicht, dass wir uns bereits wahrhaftig vorgestellt worden sind."
Sofort räusperte sich mein Mann und nickte wichtigtuerisch, bevor er mit einem Lächeln fortfuhr.
"Natürlich, verzeiht ... Mein Name ist Thomas Hemingway, Sohn Arthur Hemingways. Ich hoffe inständig, dass Ihr bereits von den Geschäften meines Vaters gehört habt. Und das hier ist meine wunderschöne Frau, Elizabeth Margot Hemingway."
Besonders auf seinen Namen legte er großen Wert. Jedes Mal, wenn er uns vorstellte, betonte er eben diesen am stärksten.
"Es freut mich sehr, erneut Eure Bekanntschaft zu machen.", log ich so sittenhaft wie möglich, bevor ich meinen Mund wieder schloss. Ein gutes Mädchen sollte schließlich nur gehört und nicht gesehen werden, richtig? Jedes Mädchen, das sich nicht daran hielt, würde nur Schande über seine Familie bringen.
"Wie würde Euch eine kleine Führung des Hauses gefallen? Natürlich nicht sofort, wir wollen schließlich noch unseren Tee genießen, doch ich würde Euch nur zu gern unser Anwesen zeigen.", klinkte sich Vater wieder ein, bevor er sich einen Macaron gönnte. Ich hingegen ergriff sanft meine Teetasse, spreízte den kleinen Finger leicht ab und nahm einen leichten Schluck. Wenigstens der Tee war vorzüglich, doch gegen die Süße eines Macarons hätte ich wirklich nichts einzusetzen.
"Seid Ihr ein Freund der Musik, mein Herr?", fragte Thomas, vermutlich mehr, um ihn zu beeindrucken als aus Interesse. Würde er mich denn meine Violine spielen lassen, wenn der Duke sie gern hören würde?

Luce

Ich versuchte dem Mann zuzuhören, während er mir seinen Namen nannte, aber etwas an seiner Stimme machte ihn so unglaublich langweilig, dass es mir tatsächlich ziemlich schwer fiel. Das er jedoch keinen Adelstitel hatte, prägte ich mir ein, genau wie den Namen seines Vaters, bei dessen Erwähnung ich so tat als fände ich es unglaublich spannend, mit seinem Sohn an einem Tisch zu sitzen. Was natürlich nicht der Fall war, aber wenn er so viel Geld erwirtschaftet hatte, dass sein Sohn mit der Frau eines so offensichtlich geldgierigen Mannes verheiratet worden war, dann war er unter den kläglichen Menschen bestimmt äußerst bekannt. Ich nickte also und lächelte. Ich war tatsächlich so konzentriert auf meinen Gesichtsausdruck, dass ich fast die Erwähnung seiner Frau verpasst hatte.
Elizabeth Margot Hemingway.
Hatte sie mich angelogen, als sie sich mit Margot vorgestellt hatte? Oder nutzte sie ihren Zweitnamen als Rufnamen? Nein das wäre doch sehr verwunderlich. Nun, jedenfalls in Begleitung ihres Ehemanns würde ich sie wohl sowieso mit Mrs. Hemingway ansprechen, um nicht distanzlos zu erscheinen. Trotzdem... Irgendwann würde ich sie fragen, welcher denn nun ihr wahrer Vorname war. Elizabeth passte ohne Frage deutlich besser zu ihr.
Die Frau sagte etwas, aber ich hörte ihr nicht richtig zu. Ihre Stimme rann durch meine Sinne, über meinen Rücken und brachte die Luft zum Knistern. Verdammt. Das konnte ja wohl nicht wahr sein, sie war doch nur ein Mensch.
Nur ein Mensch.
Aber warum hallte der Klang ihrer Stimme dann so in meinem Mund nach? Warum konnte ich ihre Haare aus dem Augenwinkel lodern sehen? Ich hatte mich erst einmal so gefühlt, so von einem Menschen fasziniert, als mich ein gewisser englischer Dichter verführt und ausgetrickst hatte. Jetzt lebte er in der Unterwelt und blickte aus meinem Schloss auf die Menschen in den Flammen. Allein der Gedanke an die Art wie er Worte verdrehen konnte, brachte mich zum schmunzeln. Er war mit Abstand der Mensch, der, von all jenen die ich getroffen hatte, am geschicktesten mit seiner Zunge war. Auf mehrere Arten.
Aber Margot, Elizabeth, hatte mich ja noch einmal ausgetrickst, wir hatte noch nichtmal eine wahre Konversation geführt. Also hatte ich keinen Grund mich so von ihr beeinflussen zu lassen.

Genervt verbannte ich das Gefühl aus meinem Kopf und lächelte ihr zu. Sie hatte keine Frage gestellt, dafür sah sie zu uninteressiert an meiner Antwort aus. Generell schien ihr Fokus jetzt auf ihrer Teetasse zu liegen weshalb ich meinen Blick von ihr abwandte.

Als der alte Mann wieder zu sprechen begann drehte ich mich langsam zu ihm. Ich war dankbar für die Ablenkung, auch wenn mich eine Tour ihres menschlichen Hauses nun wirklich ganz und gar nicht interessierte.
"Nun wie kann man so ein verlockendes Angebot abschlagen? Ich bin ein großer Freund der Londoner Architektur" sagte ich, leise lachend. Der Mann sah zufrieden aus. Sofort wurde die nächste Frage auf mich abgefeuert. Musik? Musik mochte ich tatsächlich, sie war eine der wenigen Erfindungen der Menschen die ich bewunderte.
"Ja. Ich genieße besonders den Klang von Streichinstrumenten," gab ich, dieses mal voll und ganz ehrlich, zu. Ob sie wohl ein Cello auf ihrem Anwesen hatten? Oder gar eine Violine? Ich hatte mich an beiden Instrumenten versucht, aber, mit einer so fest verankerten Verachtung für die Menschheit, war es schwer einen Lehrer zu finden, den ich respektierte, weshalb ich beide male relativ schnell gescheitert war. Warum ich als Gott, nicht über die Kapabilitäten des Instrumente Spielens verfügte war mir ein Mysterium, aber ich konnte es nun mal nicht.

Elizabeth

Das hier war absolute Zeitverschwendung. Weshalb wollte Vater denn unbedingt solche guten Beziehungen mit dem Duke pflegen? Die Heiratsangelegenheiten waren doch bereits geklärt, und ob dieser Mann nun tatsächlich den Geschäften meines Vaters helfen könnte ... Ich bezweifelte das doch eher stark. Sicherlich wusste er schon, was er tat, nur ... Musste er wirklich versuchen, den Namen dieser Familie mit so einem Mann aufzuwerten? Es war einfach nur ermüdend, zu mal ich bei all ihren Gesprächen dabei sein musste, obgleich ich ohnehin nichts sagen durfte.
Wenigstens war der Tee angenehm, doch leider konnte er mir nicht diesen Nachmittag versüßen - selbst ein Macaron hätte das nicht geschafft, wobei ich nach wie vor versucht war, es zu probieren. Würde ich das jedoch, bekäme ich später noch ein blaues Auge.
Seufzend nahm ich einen weiteren tiefen Schluck, während Vater aufgeregt dem Duke zuhörte. Er schien sich also für Musik zu interessieren, ja? Insbesondere Streichinstrumente? Was für ein Zufall - ein Zufall in der Tat, oder? Er hatte das doch unmöglich wissen können. Wie denn auch? Außer Thomas und Vater wusste es nur mein Lehrer. Zumindest durfte es eigentlich nur er noch wissen, aber ... Wie es aussah, würde sich das genau in diesem Moment ändern.
"Ihr seid also ein Freund der Streicher? Das ist ja vortrefflich! Meine Tochter spielt gern auf der Violine herum - es ist nichts besonderes, natürlich, aber wenn Ihr möchtet, könnt Ihr das gute Stück gern einmal unter die Lupe nehmen. Mein Vater hat es damals von einem von Beethovens Violonisten geschenkt bekommen!"
War es denn wirklich von Bedeutung? Die Geige war ein Qualitätsstück, ein wunderschönes Einzelstück, das niemals in die falschen Hände geraten durfte.
"Dann würde ich sagen, lasst uns einmal das Musizierzimmer aufsuchen! Wenn Ihr euch für Architektur begeistern lasst, wird euch die Einrichtung unseres Musizierzimmers besonders gut gefallen."
Warum sollte er sich für die Architektur des Raumes interessieren? War es denn nicht viel wichtiger und interessanter, all den wunderschönen Instrumenten Beachtung zu schenken? Eine Violine, ein Cembalo, eine Laute, eine Bratsche ... Tatsächlich spielten nur Thomas und ich, aber mit seinen Instrumenten konnte Vater trotzdem angeben. Vielleicht sollte er sich demnächst mehr mit den Investitionen beschäftigen, die ihm tatsächlich auch etwas brachten.
Mit einem Lächeln hielt Thomas mir die Hand hin und half mir auf, was in diesem Kleid zwar nicht nötig war, aber wenigstens bemühte er sich darum, ein Gentleman zu sein. Vermutlich war das auch nur, um dem Duke zu imponieren.
"Darling, möchtest du uns begIeiten? Oder ist es bereits Zeit für-"
"Natürlich möchte sie uns begIeiten! Es wäre doch äußerst schade, wenn sie unseren Gast schon jetzt verlassen müsste. Elizabeth hat schließlich auch mit der Einrichtung des Musizierzimmers geholfen, ich bin mir sicher, dass sie gern Eure Meinung dazu hören wollen würde."
Seufzend nickte ich, mein Lächeln könnte kaum gezwungener sein. Warum? Vater interessierte sich sonst doch auch nicht dafür. Wieso konnte ich nicht einfach auf mein Gemach? Vater hatte doch nicht etwa wirklich vor, mich und diesen Mann zu verbandeln?

Luce

Sie spielte also gerne Violine? Irgendwie wurde das hier immer schlimmer. Ob sie gut spielte? Hoffentlich nicht, ich brauchte nicht noch mehr Gründe, die Frau zu bewundern. Sie hatten eine Geigen von einem von Beethovens Violine geschenkt bekommen? Ich kannte den Namen des Mannes, aber er befand sich nicht in meiner Unterwelt. Ich nahm an ein Mensch wäre von so etwas beeindruckt, weshalb ich mein Gesicht so verzog, dass es hoffentlich Bewunderung ausdrückte. Dabei interessierte mich das Instrument nun ja wirklich gar nicht. Ich wollte wissen wie sie spielte.
Wir erhoben uns und, während der alte Mann weiterhin über Architektur erzählte, wendete ich meinen Blick nicht von der Frau vor mir ab. Sie sah gequält aus, wie sie so dasaß, den Rücken grade, das Gesicht starr. Wie eine seltsame Puppe. Als ihr Mann ihr seine Hand reichte, sah ich weg. Ich kam mir lächerlich vor, wie ein Schuljunge, der seine neugefundenen Gefühle noch nicht verstand, geschweige denn kontrollieren konnte. Ich mochte das Gefühl ganz und gar nicht.
Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass sie seine Hand ergriff und sich von ihm aufhelfen ließ. Mein Gebiss verkrampfte sich unwillkürlich.
"Die beiden sind verheiratet" lachte eine Stimme in meinem Kopf, "sei doch bei so etwas nicht eifersüchtig, sie schlafen in einem Bett"

Ich räusperte mich, und verdrängte die Gedanken an das junge Paar in einem gemeinsamen Schlafgemach aus meinem Kopf. Daran musste ich jetzt wirklich nicht denken. Leicht genervt, folgte ich dem Alten Vater durch ein angrenzendes Zimmer in einen kleinen Saal, in dem sich Instrumente befanden. Ein Mensch hätte wohl gestaunt, in Anbetracht der reichen Ausstattung des Raumes, aber mir war diese egal. Ich wollte jetzt Jemanden Musik spielen hören. Herausfordernd blickte ich die Frau an:
"Wollt ihr mir nicht etwas vorspielen?" ich wandte mich dem Vater zu "Es ist wirklich ein wunderschönes Zimmer, und die Instrumente sind ebenfalls sehr beeindruckend," log ich. Ich sah ihn stolz lächeln und entschied, dass dieser Mann wohl die Sozialkompetenz einer Tomate besaß, wenn er nicht einmal durch solch offensichtliche Lügen blicken konnte. Nun gut, es war besser für mich. Leise lächelnd blickte ich wieder zu Thomas und Margot (Elizabeth?), die hinter uns standen. "Nun meine Liebe ich habe nicht den ganzen Tag," sagte ich gönnerhaft zu Elizabeth und lächelte sie an, zuckte jedoch so übertrieben auffällig mit dem Kopf in Richtung der Instrumente, dass meine Ungeduld hoffentlich kaum übersehbar war. Man konnte ja nie wissen wie dumpf diese Menschen waren.

Elizabeth

Seufzend richtete ich meine Kleider und folgte den drei Herren mit hoffentlich überdeckter Langeweile. Zwar würden mich nach dieser Führung auch keine schöneren Aufgaben erwarten, doch wenigstens konnte ich mich von diesem Mann fernhalten. Wieso beschäftigte er sich mit uns? Er war doch am Ball noch so beleidigt gewesen. Hatte er etwa vor, sich an mir zu rächen? Dabei hatte er das ja bereits erreicht. War er noch nicht befríedigt? Wollte er es tatsächlich noch auf die Spitze treiben?
"Oh, ich weiß wirklich nicht, ob ihr etwas von mir hören wollt. Vielleicht könnte Thomas ja-"
"Ach Darling, jetzt stell dich doch nicht so an. Wir haben einen Gast, der dich freundlich gebeten hat, etwas vorzuspielen. Jetzt spiel gefälligst!" Mit einem Lächeln wandte er sich an den Duke. "Glaubt mir, sie könnte genauso gut eine Spielfrau sein."
Eine Spielfrau? Wollte er mich damit etwa beleidigen? Vermutlich, doch ich würde ihm nicht die Genugtuung geben. Das Spielvolk lebte davon, dass es gut spielen konnte - war das denn nicht das größte Kompliment? Zwar war es ein harter, undankbarer Beruf, da die meisten Fürsten einem nicht den vereinbarten Lohn zahlten, doch ... Wenigstens lebten sie frei.
Ja, frei. Vogelfrei..
"Wenn Ihr es unbedingt hören wollt ... Aber ich muss euch warnen, ich habe eine Weile nicht mehr spielen können - es könnte jetzt etwas schmerzhaft für Ihre Ohren werden."
Aber herausreden konnte ich mich trotzdem nicht mehr, was?
Mit einem erneuten Seufzen legte ich die Violine an mein Kinn und setzte meinen Bogen an. Durchatmen, ein und aus, so tief, wie es mir in diesem gottlosen Korsett möglich war. Männer müssten diese mal tragen, dann wüssten sie, was für unnötige Schmerzen sie uns bereiteten. Wie sollte ich mich denn so frei bewegen? Zwar war ich es mittlerweile gewohnt, in einem Korsett zu spielen, doch ... In meinen gemütlichen Schlafkleidern spielte es sich viel besser, wenn auch Thomas das nicht erfahren durfte. (Schließlich war ich schon kaum erlaubt am Tage zu spielen, geschweige denn bei Nacht.)
Doch während dieses wundervollen Stückes konnte ich wenigstens für einen Moment meine Augen schließen und meinen Gedanken freien Lauf lassen. Sangen nicht die einfachen Leute manchmal so ein Lied? "Die Gedanken sind frei"? Aber sie mussten doch selbst wissen, dass selbst dies nicht der Wahrheit entsprach.
Nach etwa drei weiteren Minuten legte ich schließlich mit einem zauberhaft falschen Lächeln meine Violine ab. Nun gut, möglicherweise funkelte tatsächlich für einen kurzen Moment so etwas wie Freude in meinen Augen, doch das war allein der Musik und diesem wunderschönen Instrument geschuldet.
"Verzeiht, ich bin wohl etwas eingerostet.", entschuldigte ich mich, obwohl es keinen Grund dafür gab - ich hatte das Stück fehlerfrei gespielt,
für alles andere würde ich schließlich büßen müssen. Doch eine Frau sollte schließlich stets tugendhaft und demütig sein, nicht wahr?

Reply

malitsuki

76, male

  Hand-Model

Posts: 20

Re: dance with the devil || Amary & ich

from malitsuki on 09/06/2019 05:01 PM

Luce


Ich sah den Unmut in ihren Augen, als das Mädchen die Violine anlegte. Als sie jedoch ihren Bogen ansetzte und begann ihn kunstvoll über die Saiten zu ziehen, schlossen sich ihre Augen kurz. Sie schien es zu genießen, was mich freute. Jedenfalls irgendwo. Die klaren Geigentöne erfüllten die Luft um uns und ich genoss die sanfte Melodie. Es dauerte ein paar Minuten, bis Elizabeth wieder aufhörte zu spielen, doch als sie das tat, wurde ich von der Stille unwillkürlich aus meiner Trance zurückgerissen. Bedauernd sah ich zu, wie sie das Instrument absetzte. Sie spielte verzückend, was mich nicht wirklich verwunderte.
Was hatte ich schon groß erwartet?
Das Gerede der Menschen ignorierte ich größtenteils. Die Bedeutung ihrer Worte konnte ich wahrnehmen ohne zuzuhören. Es hatte doch Vorteile ein Gott zu sein. Als der Vater jedoch wieder begann vor sich hin zu schwafeln und ich von dem dröselnden, nasalen Gerede bald unglaublich genervt war, erhob ich plötzlich meine Hand. Der Mann verstummte, ebenso wie die Bewegung der Uhr an der Wand des Zimmers. Meine liebe Schwester sah wohl grade nicht zu, sonst hätte sie mich sofort davon abgehalten die Zeit ihrer Menschen zu manipulieren. Aber vermutlich hatte sie grade andere Probleme. Vorsichtig bewegte ich mich durch den Raum, an Vater und Ehemann von Elizabeth vorbei, zu ihr. Als ich fast direkt vor ihr stand, nahm ich erst wirklich war, wie fragil sie doch aussah. Aß sie nicht genug? Vermutlich nicht.
Bewundernd ließ ich meine Finger über ihr Gesicht streifen. Sie war erstarrt, so wie die beiden anderen Menschen im Raum, doch im Gegensatz zu den Männern sah sie nicht bizarr aus, in der Bewegung erstarrt, sondern wie eine Wachsfigur, eine Violinistin, auf einer Bühne. Das Bild einer Frau, mit einem besseren Leben. Ihre Haut war eben und hell, wie Porzellan, nur ihr Auge zerstörte die Perfektion ihres Gesichts. Sanft strich ich über die Verfärbung der Haut. Ich konnte spüren, dass es schmerzte, das Gefühl pulsierte durch meine Fingerspitzen wieder. Normalerweise genoss ich das Wissen, dass ein Mensch leidete, aber das hier gefiel mir gar nicht.
Ich legte meinen Zeigefinger und Ringfinger auf die Wunde und konzentrierte mich auf eine Fähigkeit, die ich seit Jahren nicht benutzt hatte. Es dauerte, Minuten, bis ich das Kribbeln in meinem Inneren fühlen konnte. Ich lockte es, flüsternd, bis es schließlich, endlich, bis in meine Finger vordrang. Vorsichtig, die Färbung nicht zu verändern, heilte ich den Schmerz, der von ihrem Auge ausging. Als ich zufrieden mit dem Ergebnis war, zog ich mich, mit einem letzten Blick auf Elizabeths Gesicht, wieder auf meine Stelle zurück und ließ die Zeit wieder ihren Lauf nehmen.
Sofort ging das Gerede des Vaters weiter, der es überhaupt nicht zu bemerken schien, dass mein Blick nicht auf ihm, sondern allein auf seiner Tochter lag.

Elizabeth

 

Wenigstens war mir ein Moment der Ruhe vergönnt gewesen. Doch jetzt war es wohl zu Ende, nicht? Die angenehme Stille, untermalt von der vertrauten Melodie meiner Violine. Vater und Thomas würden weiterhin versuchen, auf die gute Seite des Dukes zu gelangen, während ich mit einem stummen, erzwungenen Lächeln und geradem Rücken zusehen und nicken musste. Es war zwar besser, als ein aufgedrungenes Gespräch zu führen, doch ... Ihnen zuzuhören war nicht sehr viel besser. Vater hatte ein Talent dafür, solch langweilige, anstrengende Gespräche (oder eher Monologe) zu führen, dass es schien, als würde die Zeit nicht vergehen. Sie floss so zäh wie schwerer Honig, doch fühlte sich nicht annähernd so süß an.
Möglicherweise würde ein weiterer Tee mit einem Hauch von Honig mein Gemüt etwas besser stimmen. Wie es aussah, würde ich jedoch bis zum Abschied unseres Gastes, welcher sein Auge einfach nicht von mir abwenden wollte, warten müssen.
Wieso war sein Blick so ... heiß? Nein, das traf es nicht ganz, doch seine Augen trugen definitiv eine gewisse Wärme in sich. Doch warum war dann eine gewisse Kälte in ihnen gefangen?
Seufzend legte ich meine Violine in langsamen, ausgedehnten Bewegungen zurück in ihren Kasten. Vielleicht möchte ich es ja deswegen so gern, mit ihr zu spielen; Wir waren schließlich beide nicht allzu verschieden. Gefangen in einem kleinen, dunklen, unbequemen Gefängnis, bis sich jemand an unserer schönen Melodie für einen kurzen Moment erfreuen wollte. Danach jedoch ging es zurück in den Käfig, sonst könnten sich schließlich am Ende noch unsere wahre Laune zeigen. Während Vater weiterhin Thomas und den Duke mit der Geschichte dieses Hauses langweilte, riskierte ich einen kurzen Blick in die spiegelnde Fläche des Fensters. Die Farbe meines Auges hatte sich kein Stückchen verändert, doch ... Merkwürdigerweise fühlte es sich anders an. Es fühlte sich ehrlich gesagt nach gar nichts mehr an. Vielleicht hatten Violinen ja doch heilende Kräfte?
"Ah! Apropos, werter Duke, es trifft sich nur zu gut, dass Ihr hier seid. Sagt, Ihr wärt nicht zufällig daran interessiert, in eine der erfolgreichsten aufstrebenden Handelsfirmen Englands zu investieren? Rutherford Corporation würde sich glücklich schätzen, einen Mann ihres Calibers einen Partner nennen zu können."
Oh, das musste doch ein schlechter Scherz sein. Es musste so sein - Vaters Witze waren nie gut.
"Uhm,Vater,der Duke ist sicher ein sehr beschäftigter Mann, ich denke, er wird mit seinen eigenen Geschäften mehr als genug zu tun haben.", warf ich ein.
Er konnte doch unmöglich Zeit dafür haben, unnötigerweise in unserem Haus herumzugeistern. Außerdem liefen die Geschäfte auch so schon schwierig genug - was dachte sich Vater nur dabei?

Luce

Ich beobachtete Elizabeth, während ihr Vater vor sich hin schwafelte, ganz genau. Sie erschien schüchtern, aber ich bezweifelte, dass ihr wahres Wesen tatsächlich so stumm war, wie sie vorgab zu sein. Erst als Ihr Vater von seinem Gesprächsthema des Hauses abwich, um mich direkt zu adressieren, blickte ich von ihr weg zu ihm.
Ob ich daran interessiert war in seine Firma zu investieren? Was war das denn für ein lächerlicher Mensch? Ich kannte ihn ja kaum. Andererseits war mir die Währung der Menschen nun wirklich Nichts wert.
Ich überlegte noch, wie man als Duke wohl auf solch eine Frage reagieren würde, als Elizabeth plötzlich etwas sagte. Ich blickte überrascht zu ihr. Sie schien nicht zu wollen, dass ich in das Geschäft ihres Vaters involviert war.
"Nun, mein guter Freund, ich wäre einem solchen Geschäft unter keinen Umständen abgeneigt und so beschäftigt bin ich auch nicht meine Liebe," richtete ich mein Wort an Elizabeth, "Natürlich würde ich mich allerdings freuen, wenn mir eine Art von Sicherheit für mein Investment geboten werden würde. Vielleicht könnten wir uns regelmäßig hier treffen um gemeinsam die Buchhaltung zu besprechen, die in ihrer Firma geführt wird? Dann wäre ich auf jeden Fall an einem Geschäft interessiert." Ich sah mich schnell um, das Blick des Mannes zeigte pure Gier, "ich bin mir sicher, dass wir über dieses Geschäft beide noch einmal nachdenken sollten. Lasst uns doch darüber schlafen und diesen schönen Tag nicht mit Gesprächen von Geschäften verdrießen," schloss ich langsam. Der Vater sah nicht aus als wolle er lange darüber nachdenken mir mein Geld abknüpfen zu wollen, aber ich wollte ihm das nicht einfach versprechen. Er musste schon etwas dafür arbeiten.
Als der Mann schon wieder zu reden begann, sah ich mich neugierig um. Ob es wohl einen Weg gab mich mit Elizabeth zu unterhalten? Ich müsste die beiden Männer irgendwie ablenken.
"Nun Mrs. Hemingway, ich hoffe ich erscheine nicht distanzlos, wenn ich sie darum bitte, mich mit ihrem Vater und Ehemann allein zu lassen. Ich habe ein Geschäft zu besprechen, das für die Ohren einer wohlerzogenen Frau wohl kaum angemessen ist," rezitierte ich lächelnd, und leicht von oben herab, den Satz, den Männer in ganz England schon in meiner Präsens zu ihren Töchtern, Frauen und Schwestern gesagt hatten. Ich fragte mich immer, ob diese Männer je die Wut oder die Liebe einer Frau gekannt hatten. Solch eine Kreatur zu unterschätzen war ein törichter Fehler, denn ihr Gott, meine Schwester, favorisierte das weibliche Geschlecht allgemein. Aber der Hochmut eines Mannes war wohl oft der Grund für seinen Fall und ich genoss es wenn Menschen fielen.

Elizabeth

Das konnte doch unmöglich wahr sein. Wie ... wieso musste Vater ausgerechnet diesen unhöflichen, unverfrorenen vermeintlich charmanten Duke in seine Geschäfte miteinbeziehen? Davon abgesehen, glaubte Vater wirklich, dass ein Mann seines Kalibers in diese Firma investieren wollte? Zwar gab es viele Männer in unseren Kreisen, welche zwar reich an Geld doch nicht reich an Weisheit waren, aber dieser Mann hatte bereits bewiesen, dass er wusste, wie er sich zu geben hatte, um an das zu gelangen, was er wollte. Jedoch konnten Anteile an dieser Firma unmöglich von Interesse für ihn sein!
Thomas sah ähnlich wie Vater viel zu begeistert darüber aus, dass der Duke nicht sofort mit höflichem Respekt ablehnte. Nein, stattdessen ließ er sogar verlauten, dass er eventuell Interesse an seinen Geschäften hegte - dabei wusste er doch kaum, womit sich Vater überhaupt beschäftigte! Das hier konnte doch unmöglich wahr sein. Merkte Vater denn nicht, dass dies eine furchtbare Idee war?
Der Duke wusste es bestimmt, aber ließ sich trotzdem auf mögliche weitere geschäftliche Gesprächr mit Vater ein. Eine Nacht darüber schlafen? Sie würden garantiert nicht schlafen, bis sie seine Antwort erfahren hatten. Hoffentlich würde mir wenigstens etwas Ruhe vergönnt werden. Wenn ich mich in mein Gemach verzog, sollte ich wenigstens von diesen außerordentlich wichtigen Geschäftsgesprächen verschont werden, nicht?
"Hm?", murmelte ich leise, als sich der Duke erneut an mich wandte. Moment - er wollte mich wegschicken? Konnte er etwa meine Gedanken lesen oder störte ihn meine Anwesenheit auf einmal? Dabei war er doch vor Kurzem noch so begeistert von unserem Tanz gewesen.
"Natürlich. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Aufenthalt - ich werde mich in mein Gemach zurückziehen.", verabschiedete ich mich mit einem höflichen Knicks und einem erzwungenen Lächeln, bevor ich mich endlich von Ihnen abwenden konnte. Meine Schritte trugen mich jedoch nicht sofort in mein Zimmer, sondern in die Bibliothek. Vater mochte es zwar nicht, wenn ich in seinen Büchern las, da es sich für eine junge Dame nicht ziemte, doch ... Er war schließlich beschäftigt, nicht? Mit einem Gespräch, das für die Ohren einer wohlerzogenen Frau nicht geeignet war?
Was genau sollte das denn bedeuten?
Er hatte doch nicht etwa vor, mit zwei verheirateten Männern über derartige Geschäfte zu reden? Das ...Nein. So unverfroren konnte er doch unmöglich sein ... Oder?

Luce

Elizabeth verschwand so schnell aus dem Zimmer, dass ich das Gefühl nicht loswerden konnte, dass ihr meine Anwesenheit irgendwie lästig war. Aber gut, dass war ja doch irgendwo verständlich. Der Ehemann und der Vater sahen mich neugierig an. Hatte ich ihre Namen mal gewusst? Vermutlich. Sie waren mir egal. Sie fragte sich wohl worüber ich reden wollte, welches Thema es wohl zu besprechen gab, vor dem man die Ohren einer Frau schützen musste. Ich wusste es selbst nicht ganz. Die gesellschaftlichen Regeln der Welt in der ich mich befand waren mir nur bedingt geläufig. Ob ich wohl eine Konversation über Geschäfte beginnen sollte. Sicherlich trauten diese Männer ihren Frauen nicht zu so einem Gespräch zu folgen.
"Meine Freunde," begann ich, fast säuselnd, "Ich wollte sie bitten mir einen Moment ihr Gehör zu schenken..." Die Beiden sahen mich erwartend an, genervt darüber, dass ich keine Ahnung hatte, wie ich die beiden loswerden sollte, und unsicher darüber, wie viel ich mir erlauben konnte, ließ ich einen der Kerzenständer, dem die beiden ihre Rücken zugewandt hatten, umfallen und auf dem schweren Stoff der Vorhänge landen.
"Um ehrlich zu sein brauche ich ihre Hilfe," zog ich die Aufmerksamkeit der beiden auf mich, während ich das Feuer hinter ihnen blitzschnell in die Höhe wachsen ließ. Die Flamme verschlang grade den Vorhang als endlich der ältere der Beiden, offensichtlich der Klügere, etwas bemerkte, ob Hitze oder Geruch, und sich umdrehte. Ein Schrei entwich ihm und er begann sich nach etwas umzusehen. Vermutlich einem Weg das Feuer zu löschen. Auch der Ehemann von Elizabeth hatte sich nun umgedreht und ein spitzendes Schnappgeräusch von sich gegeben.
Während die beiden noch entsetzt herumstanden, glitt ich an ihnen vorbei und in den Gang, in dem Elizabeth verschwunden war. Ich konnte ihren Herzschlag durch die Wände hören und betrat schnell das Zimmer, in dem sie sich offensichtlich befand.
Als ich die Tür hinter mir schloss, fiel mein Blick nicht auf ein Bett, so wie ich es erwartet hatte, sondern auf Reihen von Bücherregalen, hinter denen Elizabeth stand und in einem der Bücher las.
Ich räusperte mich und trat an sie heran.
"Meine Dame," Flüstere ich und sah sie an, "Ich wollte mich nach ihrem Wohlbefinden erkunden. Sie erscheinen mir etwas abgeneigt, diesem ganzen Treffen gegenüber."
Vorsichtig strich ich eine ihrer Haarsträhnen hinter ihr Ohr und sah sie an. Sie war wunderschön. Ob sie das wohl wusste? Ob ihr Mann ihr dies sagte?

Elizabeth

Wie kam dieser Mann nur immer auf solch wundervolle Ideen? Dieser Thomas Nashe war ein wahrhaftes Genie ...Warum konnten die Thomases die ich kannte nicht über solch Verstand und Intellekt verfügen? Ihn interessierten ja kaum irgendwelche der Bücher - nicht einmal die, über die fantastischen Geschichten über die Kolonien! Wie konnte es ihn nicht interessieren? Eine neue Welt wartete auf uns! ... Oder zumindest auf all die Männer, die sie erkunden durften.
Mein Mann wäre dazu vermutlich kaum in der Lage - er kannte sich schließlich nicht einmal auf der englischen Karte aus. Wie sollte er dann hinter den Horizont blicken können, oder was auch immer es war, das dieser Kopernikus entdeckt hatte. Nein, nicht ... Nicht Kopernikus. Wer war es noch gleich? Kolumbus oder so? Vielleicht könnte Charles mir ja damit helfen. Ob ich Thomas zu einem kleinen Spaziergang an der Themse überreden könnte? Vielleicht-
"Meine Dame ..."
Was zum-
Was machte dieser unverfrorene Gentleman hier? Wie- Wie hatte er diese Räumlichkeiten überhaupt gefunden? Vater und Thomas waren doch gar nicht hier. Warum war er nicht bei ihnen? Sollten sie nicht ein Gespräch unter "Gentlemen" führen? Es-
Wie konnte er es nur wagen? Wie konnte er es wagen, mich zu berühren und mit seiner "Silberzunge"einlullen zu wollen? Dieser-
"Fasst mich nicht an." brachte ich mit unterdrückter Wut hervor. "Bitte.", fügte ich noch mit einer süßlichen Stimme hinzu, "Meine Haut verträgt sich momentan fürchterlich ... Deswegen würde ich es vorziehen, wenn Sie mich nicht berühren - nicht, dass Sie sich diese Unannehmlichkeiten auch noch einfangen. Das verstehen Sie doch hoffentlich."
Mit einem langen Schritt trat ich etwas zurück, um ein wenig Distanz zwischen uns zu bringen. Hatte er das Buch wahrgenommen? Rasch stellte ich es zurück an seinen Platz.
"Ich wollte nur ein bisschen diese Bücher entstauben ... Sie sehen sehr hübsch aus, es wäre doch schade, wenn sie so einstauben.", log ich vor mich hin. Wobei, gelogen war es ja nicht direkt. Manche der Bücher sahen sehr kunstvoll aus. Nur war der Inhalt dieser Werke weitaus kostbarer als ihre bloße Erscheinung.
"Aber vielen Dank für ihre Besorgnis, es geht mir ausgezeichnet. Habt ihr etwa bereits eure Geschäfte mit Vater und Thomas erledigt?"
Warum zum Teufel unterhielt ich mich überhaupt noch mit diesem Mann?

Luce

Warum sie wohl log? Ich hatte sie doch lesen sehen. Ob sie das nicht durfte? Welcher Mann verbot denn seiner Frau zu lesen?
"Ja unsere Geschäfte sind ganz und gar erledigt," grinste ich und blickte zu ihr. Sie hatte sich von mir distanziert. Ekelte ich sie so an? Vielleicht sollte ich mein Aussehen verändern? Ich vernahm den Geruch von Flammen aus dem anderen Zimmer. Die beiden Männer hatten es wohl nicht Geschäft das Feuer zu löschen. Wie lächerlich.
"Elizabeth, ich sehe, dass ihr Angst habt, auch wenn ich nicht weiß wovor. Ich möchte euch nicht zu Nahe treten und ich will euch auch nicht beleidigen, aber ich glaube ihr habt etwas besseres verdient als euren Mann, als euer ganzes Leben. Ich sehe, dass ihr nichts von mir haltet, was wohl auch eine gesunde Einstellung ist, aber mein Angebot steht immer noch. Ihr müsst nur einen Wunsch aussprechen, irgendeinen und ich kann ihn euch erfüllen," ich blickte der Frau tief in die Augen und hoffte, dass sie wusste, dass ich es ernst meinte. Ich wollte nicht, dass sie ihr Leben in Unterdrückung leben musste.
Als ich die Stimmen der Männer vernahm, die das Dienstpersonal auf die Straße scheuchten, weil das Feuer zu groß wurde, ließ ich die Flammen auch in der Bibliothek sprießen. Durch meinen Willen wuchsen sie schnell. Bald war der Raum mit Rauch gefüllt und dann, auf einen meiner Blick hin, kollabierte Elizabeth auf den Boden. Es war ja vermutlich auch vollkommen unmöglich in diesem Kleid zu atmen und erst recht dann nicht, wenn der halbe Raum in Flammen stand und schwarzer Rauch alles Licht verdeckte.
Ich nahm sie vorsichtig hoch, in meine Arme, und trug sie aus der Bibliothek. Die Flammen wuchsen hinter mir, die Bücher und Regale ein gefundenes Futter.
Ich trat grade auf die Straße, als aus einem Seiteneingang auch der Mann und Vater von Elizabeth stürmten. Der jüngere sah mich und eilte sofort hinüber.
"Eliza...Elizabeth," stammelte er. Ich sah ihn unwillig an, übergab ihm seine Frau dann jedoch schließlich. Sie war so leicht, dass selbst er sie ohne Probleme tragen konnte. Ich stellte sicher, dass es ihr gut ging und weder Rauch noch Flammen Schäden hinterlassen hatten, dann sah ich wieder auf das Haus, das grade in Flammen aufging. Vorsichtig versteckte ich mein Grinsen und wandte mich dem Vater zu.
"Wie schrecklich. Ich hoffe allen Angestellten und ihnen geht es so weit gut? Ich möchte mein Anwesen herzlichst als Unterkunft für sie und ihre Familie, sowie ihr Dienstpersonal anbieten... Wenn sie Interesse haben würde ich sie nur zu gerne dort begrüßen."

Elizabeth

Warum ... warum fühlten sich meine Augen nur so furchtbar schwer an? Ich hatte doch nur in der Bibliothek gelesen. Sicher machte dies irgendwann müde, aber wohl kaum so schnell, oder? Ich konnte doch unmöglich in der Bibliothek eingeschlafen sein. Hatte mich etwa das Korsett abgezwängt? Womöglich, doch das hätte ich schon vorher gemerkt ...
Moment. Ich trug mein Korsett doch überhaupt nicht mehr. Es- Wieso? Wieso konnte ich frei und unbeschwert atmen - Wieso zogen mich meine schweren Gewänder nicht zu Boden?
Erschrocken fuhr ich auf und öffnete meine Augen. Der Raum, in dem ich mich befand, war mir fremd. Er war in einem samtenen Rot gekleidet sowie mit einer hölzernen Kommode, Stühlen, einem Tisch und einem weiten seidigen Himmelbett bestückt. "Ah, Ihr seid auf.", bemerkte eine blonde Frau mit einem freundlichen Lächeln. Wo kam sie denn auf einmal her?
"Ich werde dem Herren sofort Bescheid sagen gehen. Bewegt Euch nicht vom FIeck, okay?"
"I-ich ... Okay.", stammelte ich, noch immer ein klein wenig überrumpelt. Das hier war definitiv keines unserer Gemache ... Oder? Aber wenn ich nicht zuhause, wer war dann bitte diese Frau? Und von welchem Herren sprach sie?
Erschöpft atmete ich aus und blickte an mir herab. Mein Leib war in ein leichtes, weißes seidenes Kleid gehüllt, welches mir bis zu den Knien reichte. Meine Kleidung lag sauber zusammengelegt auf der Kommode. Auf dem Tisch stand eine wunderschöne blau verzierte Porzellanvase, welche rote Rosen behauste. Auf dem Tisch lag ein Buch, dessen Titel ich nicht erkennen konnte. Dank des großen Fensters schien die warme Nachmittagssonne in das Zimmer, damit ich wenigstens nicht in der Dunkelheit tappen musste. Die Kerzen waren nicht angezündet.
"Der Herr ist gleich bei Ihnen.", meldete sich die Frau schon bald noch einmal bei mir und reichte mir eine Tasse Tee.
"Ich hoffe, Ihr mögt Darjeeling."
"S-sicher. Vielen Dank."
Sie stellte schließlich ein Tablett mit Tee und Gebäck auf den Tisch und wandte sich der Tür zu.
"Keine Sorge, Eurem Mann und Eurem Vater geht es gut."
Es- Moment. Mein Mann und mein Vater? Das- ... Moment-
Natürlich. Natürlich musste er es sein, der durch diese Tür eintrat. Natürlich musste es dieser TeufeI sein!
"Wa-was treibt Ihr hier? Wo- ... W-wo bin ich? U-und warum trage ich dieses Kleid?"

Luce

Ich saß auf meinem Balkon und blickte zu den Sternen hinauf. Die Männer hatten mein Angebot angenommen, womit ich ja auch gerechnet hatte, aber die Beiden nervten mich trotzdem jetzt schon. Ob ich sie wohl mit irgendetwas aus meinem Haus locken könnte? Aber dann würden sie Elizabeth bestimmt mitnehmen. Es würde mir nicht helfen, wenn die beiden merkten, dass ich sie nur wegen der Frau in ihrem Leben tolerierte. Vielleicht konnte ich ja wenigstens ihren Mann von einer Kutsche überrollen werden lassen?Das wäre doch lustig.
So überlegte ich hin und her von einem Szenario zum nächsten, wie ich Elizabeth am besten für mich allein haben konnte, bis sich die Sonne über den Rand meines Sichtfeldes schob und ich mich erhob.
Grade als ich die Türen des Balkons hinter mir schloss kam eine blonde Dienerin zu mir um mich zu informieren, dass Elizabeth wach war. Ich hatte ihr aufgetragen nur mir zu berichten, sobald das Mädchen sich regte. Ihren Mann hatte ich extra weit von ihr weg einquartiert. Ich hatte nicht das Gefühl gehabt die beiden würden sich vermissen.
Ich schickte die Dienerin zurück um sich um Elizabeth zu kümmern, um mich noch etwas "präsentabler" zu machen.
Ich hatte keine Ahnung was Elizabeth in einem Mann attraktiv fand. Vielleicht sollte ich mich mehr nach dem Bild ihres Mannes richten? Aber ich hatte noch kein Anzeichen von ihr gesehen, dass sie den besonders mochte. Unzufrieden seufzte ich und schob mich am Spiegel vorbei und in Richtung des Zimmers in dem sich Elizabeth befand.
Kaum das ich das Zimmer betrat, wurde ich auch schon mit Fragen überschüttet. Wie süß...
"Nun meine Liebe, es gab ein schreckliches Unglück," erklärte ich, "euer Haus ist abgebrannt und die Bibliothek in der ihr euch befunden habt, hat so viel Rauch produziert, dass ihr ganz und gar ohnmächtig wurdet. So trug ich euch also nach draußen und bot eurem Vater und eurem Mann mein Haus als Unterkunft an. Und nun sind wir hier." ich lächelte.
Ich ließ ihre letzte Frage bewusst unbeantwortet. Sollte sie in der Hinsicht doch denken, was sie wollte. Ich hatte sie nicht ausgezogen, dass waren Angestellte von mir gewesen, aber das musste ich ihr ja nicht lang und breit erklären. Sollte sie doch ein bisschen wütend sein. Dann war sie am attraktivsten.
"Mrs Hemingway ich würde mich unglaublich freuen, wenn ihr mich in meinen Garten zum Tee begleiten würdet. In diesem Schrank sind ein paar Kleider, solche mit und ohne Korsett. Sucht euch doch eins aus und findet mich auf der Terrasse wenn ihr fertig seid," schlug ich vor, lächelte und ging dann aus dem Zimmer. Ich hoffte sie würde nicht nein sagen und tatsächlich auftauchen, aber das konnte selbst ich nicht einschätzen.

Elizabeth

Wie konnte dieser Mann mich nur mit solch einem unverfrorenen Lächeln begrüßen? Und dann auch noch so tun, als ob nichts weiter wäre? Als wäre es das Normalste der Welt? Dieser Scharlatan! Wirklich, es ... Das konnte doch nicht wahr sein!
Mit einem äußerst ungehaltenen Blick bedachte ich ihn während seinen Ausführungen. Es- ... Aber das konnte doch unmöglich stimmen. Hatte es tatsächlich gebrannt? War meine geliebte Bibliothek tatsächlich von erbarmungslosen Flammen verschlungen worden?
Jedoch wäre ich wohl kaum hier, wenn dem nicht so wäre. Der Duke würde doch wohl unmöglich die Unverschämtheit besitzen, mich aus meinem eigenen Hause zu entführen. Nein, das traute ich selbst jemandem wie ihm nicht zu. Dennoch, wie konnte er nur so gelassen darüber sprechen, als wäre es so alltäglich wie ein Nachmittagstee? Und dann erlaubte er sich noch, mich zu fragen, ob ich ihm bei diesem Gesellschaft Ieisten würde?
Seufzend biss ich mir auf die Lippe. Wenigstens war er genauso schnell verschwunden, wie er auch gekommen war. Dennoch war ich alles andere als begeistert von der Tatsache, dass ich wohl für eine Weile in einem Haus mit diesem Mann leben musste. Thomas und Vater dachten sicher, dass es doch eine äußerst freundliche und großzügige Geste war, aber ... Warum fühlte es sich dann so kalkuliert an? So ... geplant?
Jedoch würde ich keine Antworten auf irgendetwas bekommen, wenn ich weiterhin hier herumsaß. Zwar war ich kein Freund von dem Duke, doch ein bisschen Tee und ein Happen zu Essen wären vielleicht ganz gut für mich. Zumal ich dann auch die Gelegenheit haben würde, den Duke über das Feuer und die verbleibenden Geschäfte mit meinem Vater auszufragen. Ich bezweifelte zwar, dass er mir die ganze Wahrheit geben würde, doch irgendwo musste ich ja anfangen. Meine werte Familie würde mir schließlich gar nichts sagen.
Langsam stand ich auf und wandte mich dem Schrank zu. Natürlich musste er mit wunderschönen Kleidern gefüllt sein, die alle vermutlich ein halbes Vermögen gekostet hatten. Natürlich musste es das.
Meine Augen durchsuchten all die Gewänder nach einem möglichst schlichten Stück Stoff, bis mir schließlich ein samtenes smaragdgrünes Kleid auffiel. Es reichte knapp unterhalb meiner Knie und bedeckte glücklicherweise meinen Oberkörper sowie meine Arme mit einer angemessenen Menge an Stoff. Erstaunlicherweise spürte ich das Gewicht des Kleides kaum - fast, als wäre es aus Papier.
Nachdem ich ein Paar schwarzer Schuhe übergestreift hatte, begab ich mich schließlich auf die Suche nach dem Duke. Trotz des riesigen Anwesens führten meine Füße mich beinahe mühelos in Richtung des Garten.
"Wie ist das Feuer entstanden?", hakte ich argwöhnisch nach, bevor er überhaupt die Gelegenheit bekam, mich zu begrüßen. Ich setzte mich zu Tisch, ließ jedoch keineswegs zu, dass er meinen Stuhl für mich zurückzog oder gar meine Hand küsste. Für solchen unverfrorenen Unfug hatte ich keine Zeit - schließlich musste ich herausfinden, ob überhaupt irgendetwas von meinen Besitztümern möglicherweise noch zu retten war.

Luce

Es war nicht allzu viel Zeit verstrichen, da öffnete sich die Tür zum garten und Elizabeth trat heraus. Bevor ich überhaupt ein Wort darüber sagen konnte, wie wunderschön das Grün des Kleides ihre Haare komplimentierte, oder darüber, dass mir die Länge des Rockes gefiel, verlangte sie schon nach Antworten. Na gut, wenn sie das Spiel so spielen wollte, würde ich mich nicht querstellen.
"Das Feuer, ja, das ist ein großes Mysterium, nicht wahr?" Ich lächelte leicht und sah mich um, die Dienerin, die grade noch tee und Scones auf den weißen Gartentisch gestellt hatte, war im Haus verschwunden. Wir waren allein. Mit einer schnellen Bewegung hielt ich meine Hand, mit der Handfläche gen Himmel gestreckt, über den Tisch und ließ Flammen aus meinen *** sprießen, wie rote Blumen, die im Wind flackerten. Ich ließ das Feuer ein paar Sekunden an meinen FIngerspitzen tanzen, bevor ich meine Hand schloss und den kleinen Trick damit beendete.
"Der Punkt ist, Elizabeth, deine Verwandten, die beiden Männer, sie vertrauen mir mehr als dir, nicht wahr? Obwohl ich sie nur ein paar Stunden kenne. Das kann sich nicht besonders gut anfühlen. Verdienst du nicht auch etwas Respekt?" Ich "vergaß" die formale Anrede mit Absicht. Ich wusste, dass sie mich nicht mochte, dass konnte ich wohl so schnell nicht ändern, aber ich wollte, dass sie wusste, dass ich mich nicht an diese lächerlichen gesellschaftlichen Normen hielt und, dass ich sie, wenigstens zum Teil, durchschaut hatte.
"Ich will dir nicht wehtun. Und ich weiß, dass du die Bücher in der Bibliothek schätzt. Ich möchte dir meine Bibliothek anbieten und wenn du ein Buch begehrst, dass nicht da ist, dann musst du nur mich, oder einen der Diener informieren und sie werden es dir sofort besorgen. Und wenn du einen Wunsch aussprechen möchtest, einen der nicht mit meinem Verschwinden zu tun hat, dann stehe ich dir immer noch zur Verfügung. Du musst nur einen Handel mit mir eingehen."
Ich blickte zu Elizabeth. Ob sie verstand wer ich war? Oder glaubte sie nicht an den ***? Unsicher lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück. Ich wollte nicht, dass sie ihrem Mann von unserer Unterhaltung erzählte. Nicht, dass er ihr glauben würde, aber es würde mich trotzdem stören. Ich wollte sie ja nicht in seine Arme treiben.

Elizabeth

Er sollte es ja nicht wagen, diesen Tee unnötig in die Länge zu ziehen. Ich verstand seine Fixierung auf mich ohnehin nicht - war er etwa nach wie vor beleidigt wegen des Balles? Sollte jemand wie er nicht darüber stehen? Außerdem trug er doch selbst schuld daran, wenn er solchen Kauderwelsch von sich gab. Wirklich, hatte er denn gedacht, dass ich auf so ein plumpes Angebot eingehen würde? Zumal ... Was für ein Angebot sollte das überhaupt sein?
Wenigstens ließ er sich keine Zeit mit den Antworten - doch der nötige Ernst schien ihm wohl auch zu fehlen. Wollte er mich etwa zum Narren halten? Das- ... Das konnte doch unmöglich echtes Feuer sein, das über seine Fingerkuppen tanzte. Er musste doch bestimmt irgendsoeinen Trick vom Zirkusvolk gelernt haben, um diese Illusion vorzuführen. Aber wie sollte er das bitte indieser kurzenZeit geschafft haben? Oder führte er so häufig Gespräche über das Feuer?
Dennoch, seine Unhöflichkeit überraschte mich, obwohl mich an diesem Mann eigentlich nichts mehr überraschen sollte.
Nervös biss ich mir auf die Lippe und zog leicht am Saum meines Kleides. Wieso musste er denn ausgerechnet die Bibliothek ansprechen? Meine liebsten Bücher waren darin verbrannt - selbst meine kleinen Pergamente, auf denen ich als Kind das schreiben geübt hatte, waren verloren gegangen. Glaubte er wirklich, dass selbst die größte Halle voll mit Büchern das ersetzen könnte? Zwar wusste ich nicht wirklich, ob er etwas mit dem Feuer zu tun hatte, aber ... Diese verfIuchten Augen sagten doch alles!
"Ein Handel?", fragte ich schlussendlich so unschuldig, als hätte er noch nie etwas dergleichen vorgeschlagen. "Oh, nun, ach ich weiß nicht ... Ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich Ihnen geben könnte, damit ein fairer Handel entsteht. Wie Ihr wisst, verfügen mein Mann und mein Vater über all das Geld und unsere Besitztümer, also gibt es wirklich nichts, mit dem ich euch zurückzahlen könnte."
Aber würde er wirklich unverfroren genug sein, um mir zu offenbaren, was wirklich hinter seinen Forderungen steckte?
"Ich meine, was könnte ein Duke von Eurem Kaliber bitte mit einer einfachen holden Dame wie mir wollen? Ich glaube einfach nicht, dass dabei ein fairer Handel für euch entstehen würde."

Luce

Grinsend hörte ich der Frau beim sprechen zu. Sie war geschickt, ihre Worte vorsichtig gewählt. Aber dieses Spiel konnten Zwei spielen.
"Das einzige, was ich von einer Dame wie dir erwarten würde," hauchte ich, während ich mich vom Tisch erhob, "wäre ein bisschen Zeit, in diesem Leben...oder im Nächsten."
Ich fuhr ihr mit der Hand über die Schulter, während ich den Tisch umrundete. "Ein bisschen Aufmerksamkeit, einen Deal." Ich lachte leise.
"Ich weiß, dass du klug genug bist um zu erkennen, dass das ein gutes Angebot ist. Deswegen biete ich es dir an und nicht deinem Vater oder deinem Mann. Du bist klüger als Beide. Nicht? Das weißt du doch auch."
Ich strich mit der linken Hand über den weißen Rosenbusch, der neben der Terrasse sprießte. Die Blüten verwelkten sofort. Ich zog ein paar der vertrockneten Blütenblätter ab und hieß den Wind sie davonzutragen.
Dann drehte ich mich wieder Elizabeth zu.
"Naja, denk darüber nach. Die Regeln der Menschheit limitieren mich nicht. Und das müssen sie bei dir auch nicht tun, wenn du meine Hilfe annimmst."
Ob ihre Seele so gut schmecken würde, wie ich sie mir vorstellte? Vermutlich. Und ich brauchte nur ein bisschen, nur einen kleinen Teil und dann würde sie mir für immer gehören. Ich würde sie nicht quälen, nach ihrem Tod. Ich wollte nur, dass sie mein Reich sah, dass sie dort mit mir blieb. Menschen vergingen so schnell und Elizabeth war zu spannend, als das ich sie gerne an das Reich meiner Schwester verloren hätte.

Elizabeth

Sollten wir dieses Gespräch wirklich führen? Natürlich hatte er seinen Gefallen daran, das konnte ich ja sehen, aber ... Es würde definitiv ein paar Probleme mit sich bringen, falls jemand davon erfuhr. Besonders, wenn Thomas oder Vater den "Du bist klüger als sie. Das weißt du doch, nicht wahr?"-Teil mitbekamen. Sicher war ich mir bewusst, dass ich mit Klugheit gesegnet war, aber anders würde ich mit meinem sturen Kopf auch nicht durchs Leben kommen. Zu dem konnte ich ohnehin nichts, das aus aus seinem Mund kam, tatsächlich ernst nehmen. Seine Silberzunge versuchte doch seit dem Augenblick, an dem wir uns das erste Mal gesehen hatten, mich von irgendetwas zu überzeugen.
Mit einer skeptisch gehobenen Augenbraue beobachtete ich den Rosenbusch, den er verderben ließ. Es war schade, denn der Anblick dieser Pflanzen gefiel mir definitiv besser, als ihm ins Gesicht zu sehen.
Lachend schüttelte ich den Kopf und erhob mich ebenfalls aus meinem Stuhl.
"Die Grenzen der Menschheit limitieren Euch nicht? Oh, sagt das ja nicht zu laut, sonst landet Ihr noch auf dem Scheiterhaufen. Wobei das bestimmt ein interessantes Schauspiel werden würde, meint ihr nicht?"
Inzwischen war es ja sowieso egal, wie unverfroren ich mich ihm gegenüber verhielt. Wenn er wöllte, könnte er dieses Gespräch so zu seinem Geschmack verbiegen, wie es ihm passte.
"Ihr solltet nicht so ungestüm mit euren Rosen umgehen." Vorsichtig pflückte ich eine der frischen, blühenden Blüten und steckte sie in mein Haar.
"So sind sie doch viel schöner, oder? Man muss nur wissen,wie man sie sich zu Nutzen macht."
Aber das wusste er wohl besser als ich. Er konnte unmöglich nur "ein bisschen Aufmerksamkeit" für seine Dienste, was auch immer das bedeuten sollte.
"Sagt, wie kann es eigentlich sein, dass Ihr noch nicht verheiratet seid, hm? Ihr könnt mir doch nicht erzählen, dass Euch bisher keine einzige Dame ihre Hand angeboten hat. Warum so wählerisch, wenn Ihr doch so einsam seid, dass Ihr selbst von einer fremden, bereits verheirateten Frau Aufmerksamkeit verlangt?"

Reply

Amary

26, female

  It-Girl

Posts: 13

Re: dance with the devil || Amary & ich

from Amary on 09/08/2019 10:26 AM

Luc Weston 

Ich lachte herzlich als Elizabeth einen Scheiterhaufen erwähnte. Das hatten die Menschen tatsächlich schon ein paar Mal versucht. "Feuer kann mich nicht verletzen, meine Liebe. Es liebt mich als wäre ich dessen Vater. Auf gewisse Weise bin ich das tatsächlich auch."
Ich sah ihr zu, beobachtete die Blüte, die sie sich in ihr Haar steckte. Wusste sie, dass sie die Blume damit ebenso getötet hatte, wie ich eben? Ich lächelte und sendete mein Bewusstsein in diese eine Rose. Ich spürte die Wunde, merkte wie das Leben langsam heraustrickelte. Mit einem pointierten Gedanken schloss ich dieses Loch. Zusätzlich führte ich der Blume noch etwas mehr Leben zu. So würde sie nie sterben, sie war konserviert, genau wie sie jetzt war. 
Das war tatsächlich eine der Sachen nach denen mich Menschen am öftesten fragten. Ewige Jugend. Ich gab sie ihnen nur zu gerne, ließ sie allein auf ihrer Erde. Die meisten riefen mich nach ein paar Jahrhunderten, manchmal sogar Jahrzehnten, wieder an und baten mich darum sie in die Hölle mitzunehmen. Nur drei von ihnen streiften schon seit vielen hundert Jahren auf der Erde herum und genossen es immer noch. 
"Oh Angebote habe ich genügend, Elizabeth, es war nur nie die Richtige. Weißt du, meine ideale Frau müsste klug sein und schön, viel und gern lesen. Sie müsste auch ein Streichinstrument spielen können und dürfte niemals langweilig sein. Und dann noch Haare in der Farbe des Feuers, dann wäre es um mich geschehen. Also wenn du so jemanden kennst, dann lass es mich doch wissen. Dann werde ich auch dich in Ruhe lassen." Ich lächelte sie so süßlich an wie ich es nur konnte. 
Ich warf noch einen Blick auf meinen Garten und die weiten Wiesen, die sich dahinter erstreckten. 
"Meine Liebe, ich würde mich sehr freuen, wenn du dich am Nachmittag auf einen Ausritt mit mir herablassen würdest. Schick einfach einen der Diener mit deiner Antwort zu meinem Arbeitszimmer.", ich lächelte sie verschwörerisch an, "Aber betritt es nicht selbst. Es ist kein Platz für eine Frau, nicht wahr?" 
Aus dem Augenwinkel sah ich das blasse Gesicht ihres hässlichen Mannes. So ergriff ich ihre Hand, küsste sie sanft und verschwand dann im Haus.

Reply Edited on 09/08/2019 10:27 AM.

malitsuki

76, male

  Hand-Model

Posts: 20

Re: dance with the devil || Amary & ich

from malitsuki on 09/08/2019 11:04 AM

Elizabeth

 Dieser unverfrorene Mann musste doch wirklich von allen guten Geistern verlassen worden sein. Hatte er wirklich nichts Besseres zu tun?

Sicher, Männer waren äußerst arrogant - gerade die des Adelsgeschlechts, denn sie ruhten sich auf Reichtum aus, für den sie nie auch nur einen Finger krümmen mussten. Stattdessen blickten sie auf jene, die sich für ihr Überleben anstrengen mussten, herab.Es war einfach nur traurig.

Auf der anderen Seite ... Hatte ich eine bessere Wahl? Ich könnte Zeit mit Thomas verbringen, auch, wenn ich dann nur im Hintergrund dasitzen und stören wurde. Stumm, bewegungslos, einfach nur als Dekoration. Raus würde ich so definitiv nicht kommen. Die Möglichkeit, mit einem Pferd des Dukes Reißaus zu nehmen, war zwar äußerst gering, aber ... Der Gedanke daran war dennoch ein klein wenig hoffnungserregend.

Thomas hatte an dem Anblick vom Duke und mir keinen Gefallen gefunden. Selbst die Ausrede, dass er sich nur über meinen Gesundheitszustand informieren hatte wollen, hatte ihn nicht beruhigt. Wenigstens war ihm dieses Mal nicht die Hand ausgerutscht.   Dafür waren Vater und er zu sehr darauf fokussiert, noch immer in der Gunst des Dukes zu stehen.

Tatsächlich freute Vater sich auf meine "Verabredung" mit dem Duke. Ich wollte lieber nicht nachfragen, warum.


"Guten Nachmittag.", murmelte ich minderbegeistert und stemmte einen Arm in die Hüfte. Inzwischen trug ich eine weißes Gewand gepaart mit einem Paar  dunkelbrauner Hosen. Der Duke hatte tatsächlich allerlei Kleidungsstücke in meiner Kammer gelagert. Wollte er mich etwa damit überzeugen?

"Wohin wollt Ihr denn reiten? Ins Tal, in die Berge? Oder eher in die Stadt?"

Ich bezweifelte, dass er es sich wagen würde, in die Stadt zu reiten. Wobei, bei diesem Mann würde mich nichts mehr überraschen - jemand, der sich selbst den Teufel nannte und mit derartigen Feuerspielchen prahlte? 

"Übrigens ... Thomas und Vater fragen nach den Geschäften. Natürlich müssen wir uns darüber nicht unterhalten - solche Worte sind ja auch nicht bestimmt für mich Frauenzimmer. Doch ... Sie wünschten, dass Ihr mehr Zeit mit Ihnen verbringen würdet. Besonders mehr Zeit, als mit mir."

Reply Edited on 09/08/2019 04:40 PM.

« Back to forum