von TIbia am 21.10.2022 20:34
Nachdem die eigenartige Person erledigt war, rannten Mamiko und ich kurzerhand auf Randomy zu, die ohne das es eine große Überraschung war, immer noch reglos am Boden lag und generell ziemlich schlecht aussah.Â
Angstrengt versuchte ich Randomy aufzuhelfen, allerdings brach sie immer wieder zusammen, und dies minimierte meine Sorgen nicht wirklich..
Es war wohl zwecklos es weiter zu probieren, also kniete ich mich neben meine Kameradin, und  beobachtete schweigend  Mamiko, wie sie sorgfältig die beschädigten Beine unserer neuen Freundin untersuchte. Erst als sie davon abließ, und schwer aufseufzte, traute ich mich sie zu fragen, zu welchem Ergebnis sie gekommen war.
,,U-und..?''
Mamiko richtete ihren Blick zu mir, und schüttelte langsam den Kopf.
,,Wir müssen wohl noch etwas abwarten. Sieht allerdings nicht nach bleibenden Schäden aus.''
Ohne es zu merken atmete ich erleichtert aus. Gott sei Dank! Ich hätte wirklich nicht gedacht dass mir eine Person an einem Tag so ans Herz wachsen konnte, aber ich mochte Randomy wirklich gerne und war sehr erleichtert dass sie wieder gesund werden würde.
Meine Gedanken und Aufmerksamkeit wanderten wieder zu Mamiko, die gerade den Vorschlag machte, Randomy zu einem dunkleren Ort zu bringen, da ihr Licht anscheinend nicht sonderlich gut tat.Â
Nunja, sie wollte es jedenfalls vorschlagen, und Mamiko war wirklich gut dabei, doch etwas unterbrach sie beim Reden, und dieses Etwas war ein gewisses Geräusch, welches sich anhörte, wie Glas, welches soeben erfolgreich zerstört worden war.Â
Beide, Mamikos und mein Kopf, schnellten in die Richtung des Klanges, und ich konnte spüren, wie mein Herz schneller zu schlagen begann.
Bitte, nicht noch ein Monster!! Ein Gegner war schon ein Gegner zu viel... und in Randomys zustand konnten wir nicht noch eine Herausforderung gebrauchen!
Angespannten warteten Mamiko und ich, dass sich die Personen, oder was auch immer uns da gleich entgegenkommen würde, zeigten.
Und obwohl es nur ein paar Sekunden waren, fühlte es sich an wie eine halbe Ewigkeit, und immer wenn ich Blicke zu Mamiko warf, konnte ich sehen dass sie genau so angespannt gewesen war wie ich.
Nachdem was heute passiert war, konnte man uns das auch nicht krumm nehmen.
Man hörte die Schritte immer näher kommen und je lauter sie wurden, desto mehr bereitete ich mich auf einen weiteren Kampf vor.Â
Und ja, man kann wirklich sagen dass mir ein Stein von Herzen gefallen war, als sich die beiden angeblichen "Monster"...
als Selo und Eno entpuppten.
Ohne zu zögern lief die Keksverkäuferin geradewegs auf die am Boden liegende Randomy zu, und man konnte Sorge in ihrem Blick erkennen, sowie in ihrer Stimme hören.Â
,,Hey, was ist passiert? Wir haben nach euch gesucht....Wie geht es Randomy? Ist sie verletzt?", fragte sie sofort, doch ihre Frage blieb unbeantwortet.
Eno hustete.Â
,,Wir sollten möglichst schnell hier raus, bevor wir zu viel Staub einatmen.'' , schlug er uns vor, und äußerte blitzschnell seinen nächsten Vorschlag.Â
"Tibi und ich tragen Randomy und die anderen beiden... Der Rest nimmt so viel Tomaten Milch mit, wie er tragen kann!"
Eno hatte wirklich Anführerpotenzial...Â
Jedenfalls sah ich das so. Das nicht alle zufrieden mit seinen Kommandos waren, ließ sich ausgerechnet Mamiko von allen Personen ziemlich schnell anmerken.
"Was denkst du eigentlich, wer du bist?", fragte sie, und ihre Stimme war kaum wiederzuerkennen...
Überrascht blickte ich sie an.
So hatte ich sie noch nicht erlebt, was kein Wunder war, schließlich war das der erste Tag an dem ich ihr je begegnet war.Â
Nein, wohleher hatte ich gedacht, Mamiko nie so erleben zu können. Aber da hatte ich mich wohl geschnitten.Â
"Gibt es denn ein Problem mit meinem Vorschlag?",fragte Eno, und lächelte, so als ob er damit einen potentiellen Streit verhindern wollte.Â
Doch das schlug fehl...
,,Und ob es den gibt, Meister!''Â
Whoa.. Mamiko musste gerade wirklich sauer sein. Ihr Stimmton hatte sich komplett verändert, und verglichen mit den anderen malen, war ihre Stimme fest und bestimmend.Â
Ich hatte sie also vollkommen unterschätzt. Wie viele Seiten hatte Mamiko wohl noch von denen ich nichts wusste?
Selbst Eno schien nun verunsichert.Â
"S-so, dann schlag doch etwas Besse-"
"Mit Vergnügen! Deine Prioritäten sind echt zum Kotzen!"
Mann...welch unangenehem Situation...Â
Mamiko begann Randomys Körper anzuheben, und weil ich nicht wusste wohin mit mir, half ich ihr dabei.Â
Zusammen trugen wir unsere Freundin Richtung Ausgang, und ich versuchte so gut es geht, Mamiko und Enos Streitereien auszublenden.Â
Es war klar gewesen, dass irgendwann ein Streit auszubrechen drohen würde, schließlich waren wir anscheinend die letzten Personen in Tomatenmilch und die Stimmung war angespannt. Doch dass es so schnell passieren würde...
Wir sollten doch zusammenhalten, nicht streiten!Â
Ich konnte verstehen, dass Gefühle rausgelassen werden mussten, aber manchmal wünschte ich Egoistin mir doch einfach, die anderen könnten alle ihre negativen Gefühle unterdrücken, all die Wut einfach unterdrücken...
Aber die anderen waren nunmal nicht wie ich, und das auch wirklich besser so, selbst wenn ich es mir selbst niemals eingestehen würde.
"Vielleicht sollten wir mit dem Streiten lieber aufhören...", schlug ich Mamiko flüsternd trotzdem vor, doch sie schien sich mehr auf Randomy zu konzentrieren, und atmete dabei schwer.
,,Geht es?'', lenkte ich das Thema um, und von Mamiko kam ein seufzendes ,,Muss ja..''
Dann verfielen wir wieder in Stille, und steigen zusammen gegen ein riesiges Loch in einem der Mall Fenster, hinaus ins Freie. Eine echt kreative Art einzubrechen... der Mall Besitzer würde sich sicher fürchterlich darüber ärgern.
....
Sollte er jemals zurückkommen.
Draußen war es kühl und unüberraschenderweise bereits dunkel.
Mamiko und ich waren uns einig darüber, dass wir Randomy nicht zusammen den ganzen Weg zurück tragen konnten, und warteten deshalb geduldig auf Selo.
Dabei schwiegen wir, und es war wirklich unangenehm...
Sollte ich irgendetwas sagen, oder war es die bessere Entscheidung sie in Ruhe zu lassen, während sie sich in dieser Gefühlslage befand?Â
Ich seufzte und betrachtete den in pechschwarz getauchten Nachthimmel, in dem einige Sterne froh funkelten, und über den eine einzelne Krähe hinweg flog.
Er schien so ruhig, und auch jetzt gerade war es ruhig, aber er passte trotzdem überhaupt nicht zu der jetzigen Situation.
Die jetzige Situation...unsere jetzige Situation... wie war ich nur hier hineingeraten?Â
Ich konnte immer noch meinen Controller fühlen, er drückte sich gegen meinen Rucksackwände und seine harte Struktur konnte man wahrlich im Rücken spüren.
Ansonsten hätte ich ihn sowieso schon vergessen...
Bevor ich meine Gedanken noch mehr in den Ereignissen von heute verwickeln konnte, kam auch schon Selo auf uns zugelaufen, und wortlos packte sie mit an, und zusammen traten wir den Rückweg an.
Und Eno...
ließen wir einfach zurück.
Es war bestimmt keine gute idee, keineswegs. Aber vielleicht brauchte er ja auch etwas Zeit für sich selbst. Er wäre bestimmt nachgekommen wenn er mit uns mitkommen wollen würde...
Richtig?
Wir liefen einige Meter, bis Selo aufeinmal abrupt stehen blieb. Mamiko und ich sahen sie überrascht an, das Gesicht der Cookieverkäuferin war mit Sorge gefüllt. Ging es etwa um...
"Uhm...Tut mir leid- ich habe da etwas vergessen ahaha.... ich hole es kurz zurück- geht ihr schon mal vor- bis dann!", stotterte sie gestresst, wirbelte herum und lief schließlich wieder Richtung Mall, und Mamiko und mich mit verdutzen Gesichtern und einer Randomy in den Armen zurück.
Viel Gedanken um die Vorhaben unserer Kameradin konnte ich mir nicht machen, jetzt wo Selo ihre Wege gegangen war merkte ich, wie schwer Randomy alleine mit Mamiko zu tragen war.Â
Ich gab zu, meine Arme drohten bereits aufzugeben, und wenn ich mir meine Freundin so ansah, war es bei ihr wohl auch auch der Fall.
Angestrengt sah ich mich in der dunklen Umgebung um, und versuchte mit Mühe einen Sitzplatz oder Sonstiges erkennen. Irgendwelche Bänke musste es hier doch geben... irgendeine Sitzegelegenheit...komm schon...!
Gerade als ich aufgeben wollte, entdeckten meine Augen zu meiner Überraschung eine kleine grüne Parkbank, die einsam im Licht einer Straßenlampe stand.
Wie war sie mir nicht sofort aufgefallen?! Dieser Tag lag mir wirklich bereits in den Knochen...
,,Mamiko! Schau mal!'', rief ich ihr zu, und deutet mit einer schnellen Kopfbewegung in Richtung meines Fundes.Â
,,Lass uns Randomy bis Selo zurückkommt dort niederlegen, ja? Nicht dass wir dann schlapp machen und sie muss wieder auf dem Boden liegen...'', schlug ich ihr vor, und ohne davon überrascht zu sein, stimmte Mamiko zu, und zusammen torkelten wir auf die Parkbank zu, und setzten Randomy schließlich vorsichtig ab.Â
,,Geschafft!'', freute ich mich erleichtert, atmete aus und streckte meine Arme so richtig durch. Mittlerweile fühlten sie sich an wie Nudeln...
,,Der Abend ist ganz schon kühl werden...Ich hoffe Randomy wird nicht kalt da auf der Bank..'', murmelte ich, und beschloss kurzerhand, den Pullover den ich über meinem Hemd hatte, auszuziehen und ihn um Randomy zu legen.Â
Dankeschön Kleiderwahl von heute Morgen!Â
Das war zwar nicht viel, aber es war etwas.Â
Brauchte so jemand wie sie überhaupt Wärme? Schaden konnte es ja nicht.
Ich streckte mich kurz und lehnte mich dann an die Wand neben der Parkbank, um nicht ständig aufrecht stehen zu müssen. Ach, wie vermisse ich mein weiches Bett und mein noch weicheres Sofa...
..........
Hätte ich vielleicht mit Selo mitgehen sollen?Â
Meine Gedanken waren wieder in der Realität angekommen, und Sorgen fingen sich wieder einmal an in meinem Kopf anzusiedeln.Â
Sorgen über Sorgen...
Sicherer wäre es natürlich gewesen wenn jemand von uns mitgekommen wäre...
Wie auch immer, wenn sie zu lange weg bleiben sollte, würde ich einfach versuchen mit Mamiko einen sicheren Ort für Randomy zu finden, und dann nach ihr suchen. Nicht zu vergessen, sie war ja nicht komplett alleine, Eno war schließlich bei ihr... und schwach war Selo auch nicht unbedingt.
,,Vertrauen ihr doch mal mehr! Sie schafft das!!", dachte ich verärgert zu mir selbst und räusperte mich.Â
Konnte man mir meine Sorgen und mein Misstrauen wohl ansehen?
,,Ich bin mir ziemlich sicher, Selo hat nichts in der Mall verloren.'', versuchte ich das Schweigen zu brechen. ,,Meinst du sie holt Eno zurück?'', fragte ich Mamiko und betrachtete sie, so gut es eben im schwachen Licht der Lampe ging.
Ich hoffte, ich reizte sie nicht irgendwie damit. Es war das Letzte das ich wollte.
Das Einzige, das ich zurzeit wollte, war, dass dieser Tag endlich zu Ende ging.
Und zwar ruhig.

ATUAÂ