von Lisa2604 am 12.04.2022 11:57
Rückblick zum Morgen des ersten Tages
"Ein kleiner Heiltrank, Flugtränke für meinen Besen...", murmelte ich in Gedanken und packte alles hektisch in einen kleinen Rucksack. Mein "Besen" war einfach ein normaler Ast von einem Baum, den ich zur Benutzung mit Flugtränken überschüttete. "Das Buch brauche ich unbedingt", ich lief zu dem Regal mit meinen gesammelten Materialien und packte ein paar hilfreiche ein. Ich musste unbedingt zur Bücherei in der Stadt um mit einer alten Freundin dort über mein Haustier Flips zu sprechen. Sie kannte sich gut mit magischen Angelegenheiten und vor allem Krankheiten aus. Flips verhielt sich seit heute Morgen eigenartig. Er war eine Mischung aus Hund und Löwe mit süßen, flauschigen Flügeln. Für die sichere Nutzung der Flügel war er leider noch zu ungeschickt, weshalb er jeden Tag mehrmals auf den Boden plumpste.Â
Jedenfalls schien er heute viel schwächer als normalerweise. Seine sonst so leuchtenden Augen, sahen trüb und ängstlich aus. Er lief die ganze Zeit gestresst in unserer kleinen Hütte umher und sein Futter rührte er auch nicht an.Â
Vielleicht war er nur erkältet, aber ich hatte ein komisches Gefühl und wollte kein Risiko eingehen. Denn falls Flips von einem Monster angegriffen worden war, musste ihm sofort geholfen werden.
Ich zog also den Rucksack an, hob Flips sanft mit meiner linken Hand an und hielt ihn in meinem linken Arm, während ich mit der rechten And nach meinem Fluggerät griff. Ich schaute noch einmal zurück, um mich zu vergewissern, dass ich auch nichts vergessen hatte und trat dann aus der Tür. Starker Waldwind wehte durch meine roten Locken und ich presste Flips noch etwas mehr an meinen Körper. Der starke Wind kündigte keinen sehr angenehmen Flug an. Ich ließ den Besen auf den Boden fallen und griff mit meiner rechten Hand in meine Jackentasche um einen Flugtrank herauszunehmen. Die Flüssigkeit in dem Reagenzglas hatte immer die Farbe des derzeitigen Himmels. Sie war gräulich. Der Himmel war also auch nicht in Bestform. Den Deckel öffnete ich mit Hilfe meiner Zähne und goss den gesamten Inhalt über den Stock. Sofort erhob er sich vom Boden und flog genau so hoch, dass ich mich ohne Probleme darauf setzen konnte. Ich wollte gerade losfliegen, als Flips plötzlich von meinem Arm sprang und ein Winseln von sich gab. Er schaute sich mit panischen Augen um und fing an laut zu bellen. Ich drehte mich ebenfalls im Kreis um zu checken, ob irgendwo ein Angreifer war. Jedoch war dies ziemlich unwahrscheinlich. Ich lebte in einem Wald, weit weg von anderen Menschen und Monster hatte ich hier- außer Flips, er war streng genommen ein Monster- auch niemals gesehen. Ein weiterer starker Luftzug wehte meine Haare in mein Gesicht und jagte mir einen Schauer über den Rücken. Flips starrte mich nun plötzlich mit wütenden Augen an. "Flips, ist alles-", Warte nein... er starrte etwas HINTER mir an. Ich wollte ausweichen, doch es war schon zu spät. "FLIPS LAUF SOFORT WEG", schrie ich und zu meiner Erleichterung tat der Kleine genau was ich sagte. Ich könnte mir niemals verzeihen wenn ihm etwas zustoßen würde.
Ich spürte etwas ekelig feuchtes auf meinen Rücken klatschen. Ich brach fast zusammen unter dem Gewicht, das sich an meinen Körper geheftet hatte. Es fühlte sich an als würde jemand im Takt meines Herzschlags Nägel mit einem Hammer in meinen Kopf schlagen. Ich kniff meine Augen zusammen und griff mir an den Kopf. Nun verlor ich wirklich die Kraft in meinen Beinen und fiel zu Boden. Ich krümmte mich vor Schmerzen. "Der Heiltrank, der Heiltrank...", keuchte ich und ließ meinen Rucksack auf den Boden fallen. Es war fast unmöglich für mich etwas zu sehen, weil die starken Schmerzen mich fast schwarz vor Augen werden ließen, aber ich richtete mich ein wenig auf und suchte verzweifelt im Rucksack nach dem Trank. Als würde ich für meinen Widerstand bestraft werden, spürte ich plötzlich einen stechenden Schmerz in meiner linken Brust. Ich keuchte.Â
Es war also diese Art von Monster. Warum hielt sich so ein Monster in diesem friedlichen Wald auf?Â
Meine Kopfschmerzen rissen mich aus meinen Gedanken und ließen keine weiteren Überlegungen zu.Â
Ich wollte weiter im Rucksack herum wühlen aber plötzlich wurde mein Arm taub. Ich spürte ihn nicht mehr. Ich wurde immer panischer und wollte nun einfach meinen anderen Arm zum Suchen benutzen, doch er gehorchte mir auch nicht mehr. Meine Arme hingen nun einfach bewegungsunfähig von meinen Schultern herab.
"Scheiße."
Meine einzige Möglichkeit war es nun irgendwie zu entkommen. Mit letzter Kraft schaffte ich es irgendwie zurück auf meine Beine. Sie gehörten zum Glück noch mir also verschwendete ich keine Zeit und lief los.Â
Doch ich kam nicht weit.
Um genau zu sein schaffte ich nicht Mal einen einzigen Schritt und brach sofort wieder zusammen. Frustriert stiegen mir Tränen in die Augen.
Ich hatte keine Kontrolle mehr über meine Arme und Beine und die Schmerzen wurden unerträglich stark.
Ich war dem Monster nun voll und ganz ausgeliefert.Â
Im nächsten Moment waren die Schmerzen plötzlich weg. Etwas kaltes legte sich um mein Herz und mein ganzer Körper erschauderte. Das Kälte Gefühl breitete sich von meinem Herzen bis in meinen ganzen Körper aus. Ich spürte nichts außer der Kälte. Mit einem Ruck wurde mein Kopf plötzlich hochgerissen. Ich konnte mich nicht wehren, mein Körper bewegte sich von selbst und setzte sich mit ungeschickten, stockenden Bewegungen auf als wäre nichts von alle dem gerade passiert. Ich hatte gerade noch genug Kraft um wenigstens nicht das Bewusstsein zu verlieren. Ich konnte also mit meinen eigenen Augen sehen- auch wenn ich alles wie durch eine dreckige, beschlagene Brille sah- , aber meinen restlichen Körper konnte ich nicht kontrollieren. Nicht einmal blinzeln konnte ich selbst.
Ich fühlte mich wie eine ferngesteuerte Puppe.
Mein Körper griff nach meinem Rucksack mit den wertvollen Tränken und nach meinem Besen. Ich setzte mich und wir erhoben uns in die Lüfte. Beim Aufsteigen hatte ich dann keine Kraft mehr übrig. Dieses Monster beanspruchte meinen ganzen Körper für sich. Meine Sicht wurde immer unschärfer, bis ich mein Bewusstsein entgültig verlor.
Was mein Körper in dieser Zeit tat, wusste ich nicht.
Ich wachte plötzlich in einem muffigen Raum auf.
Während dem Flug musste ich mehrere Male vom Besen gefallen sein denn mein Körper war mit Wunden und blauen Flecken übersäht. Das Monster schien nach etwas zu suchen. Ich durchwühlte jegliche Schubladen in diesem Zimmer. War das ein Keller?Â
Ich hörte leise Stimmen.
Zwei Mädchen.
Eine sagte etwas von einem Schlüssel, die andere stimmte zu.Â
Ich musste sie dringend warnen! Ich wollte schreien, aber kein Ton kam aus meinem Mund. Dieses Monster war sehr stark und ich wollte nicht mit ansehen müssen wie es diese beiden Mädchen angriff oder sogar tötete.
"Hallo, ist da jemand?", hörte ich meine Stimme viel zu süß und melodisch sprechen. Eww das ist gar nicht die Art wie ich normalerweise reden würde. "Ich brauche Hilfe, ich bin verletzt", das Monster tat so als wäre es ein echter Mensch. Ja, sogar ein kleines, süßes Mädchen.Â
Die zwei Unbekannten gaben zunächst keine Antwort.
Wahrscheinlich dachten sie darüber nach, warum sich ein kleines, verletztes Mädchen in einem dunklen Keller aufhielt und nicht draußen nach Hilfe suchte.
 Ich hoffte, dass sie irgendwie erkennen würden, dass diese Lia gerade ein Monster war und kein Mensch. Aber trotzdem gab ein Teil von mir schon auf. Es war unwahrscheinlich, dass die beiden sich mit Monstern, die Besitz von Menschen einnehmen können, auskannten. Sie müssten zuerst meine pechschwarzen Augen erkennen, um überhaupt auf die Idee von einem Monster zu kommen. Das war erstmal unwahrscheinlich, weil es ein Keller war und dunkel aber auch weil dieses Monster ziemlich erfahren zu sein scheint. Außerdem kannte ich nur zwei Möglichkeiten das Monster von meinem Körper zu trennen ohne, dass ich mit starb.Â
Ich müsste mit eigener Kraft gegen das Monster ankommen- dieses Monster ist sehr stark und wenn ich Glück habe kann ich vielleicht ein paar Wörter sagen, also sehr unwahrscheinlich- oder sie müssen mir denk Trank aus meinem Rucksack geben.Â
Was auch immer.
Ich sollte erstmal abwarten. Vielleicht waren die beiden doch erfahrener als ich oder kannten sich besser mit Monstern aus.
